Die Forscherinnen analysierten Befragungsdaten von mehr als 500.000 US-Amerikanerinnen und -Amerikanern. Sie verglichen die Erfahrungen der Arbeitnehmer vor der Pandemie (2011 bis 2019) mit den Erfahrungen aus der Zeit nach der Pandemie (2022 bis 2024). Es zeigte sich, dass Menschen in Homeoffice-Jobs danach mehr Zeit alleine verbrachten. Das glichen sie auch nicht mit mehr privaten sozialen Kontakten aus. Zudem berichteten sie von einer höheren psychischen Belastung. Diese Effekte waren besonders ausgeprägt bei alleinlebenden Personen, schreibt die Forschungsgruppe im Fachjournal "Science". Die Wissenschaftlerinnen sind in der Forschungsabteilung der New Yorker Federal Reserve Bank, an der Universität Virginia sowie der Harvard University in den USA tätig.
Einschränkungen der Studie: Langfristige Anpassung von Arbeitnehmenden nicht erfassbar
Das Team merkt an, dass die Daten zur Studie im Jahr 2024 enden - daher sei nicht vollständig erfassbar, wie Arbeitnehmer sich möglicherweise längerfristig anpassen. Dass Homeoffice an sich der Grund für psychische Probleme ist, beweist die Studie ebenfalls nicht. Es könnte weitere Faktoren geben, die eine Rolle spielen - etwa, dass im Homeoffice tendenziell mehr Überstunden gemacht werden.
Ergebnisse lassen sich laut Fachleuten auf Deutschland übertragen
Andere Forschende halten die Ergebnisse prinzipiell für auf Deutschland übertragbar, weisen aber darauf hin, dass sich Arbeitsmarktstrukturen, Wohlfahrtsstaatlichkeit und Betriebskulturen unterschieden. Gleichwohl fänden sich ähnliche Hinweise wie in der US-Studie auch in der Forschung aus dem deutschsprachigen Raum, heißt es etwa in einer Untersuchung zweier Soziologinnen an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Beschäftigte bewerteten die zeitliche Flexibilität von Homeoffice häufig positiv, berichteten gleichzeitig jedoch von einem Rückgang informeller Kontakte, spontaner Begegnungen und sozialer Verbundenheit.
Der Soziologe Nico Dragano, Leiter des Insituts für Medizinische Soziologie am Uniklinikum Düsseldorf, sagte dem Deutschlandfunk, die Studienlage sei insgesamt uneindeutig. Klar sei aber, dass die Gestaltung des Homeoffice entscheidend sei. Würde Beschäftigten funktionierende Technik zur Verfügung gestellt und wüssten sie, wann sie arbeiten müssten und wann nicht, scheine das Homeoffice eher positive Effekte zu haben.
Diese Nachricht wurde am 05.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
