Dlf 02.04.2026
16:38 Uhr

Unrechtsjustiz - Russisches Gericht verurteilt Düsseldorfer Karnevals-Wagenbauer Tilly in Abwesenheit zu mehr als acht Jahren Haft


Ein Gericht in Moskau hat den Düsseldorfer Karnevals-Wagenbauer Jacques Tilly zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Gericht erklärte in dem umstrittenen Strafverfahren, Tilly habe sich der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht.

Unrechtsjustiz - Russisches Gericht verurteilt Düsseldorfer Karnevals-Wagenbauer Tilly in Abwesenheit zu mehr als acht Jahren Haft
Der Künstler hatte - wie bereits in früheren Jahren - auch an diesem Karneval Wagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug gebaut, in denen der russische Staatschef Putin in karikaturistischer Form dargestellt und kritisiert wurde. In Deutschlandradio Kultur können Sie in der Sendung "Studio 9" ab 17.05 ein Interview mit Tilly hören.

Tilly nicht informiert

Der Wagenbauer wurde nach eigenen Angaben nicht von der russischen Justiz über das Verfahren informiert. Allerdings beobachteten Diplomaten der deutschen Botschaft in Moskau den Prozess, der mehrfach unterbrochen wurde. Deutschland liefert seine Staatsbürger nicht nach Russland aus. Menschenrechtler sehen in dem Prozess ein weiteres Vorgehen der russischen Regierung gegen die Meinungsfreiheit mithilfe einer willfährigen Justiz.

Deutscher Botschafter: Verfolgung der Meinungsfreiheit geht weiter

Der deutsche Botschafter in Moskau, Graf Lambsdorff, kritisierte die Verurteilung Tillys. Dies zeige, dass die Verfolgung freier Meinungsäußerung durch die russische Regierung unvermindert weitergehe. Dass dies jetzt auch verstärkt im Ausland geschehe, betreffe die Bundesrepublik direkt, sagte Lambsdorff der Deutschen Presse-Agentur.

Ministerpräsident Wüst: Angriff auf die Kunstfreiheit

Kritik an dem urteil kam auch von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wüst, der von einem schweren Angriff auf die Freiheit der Kunst sprach. "Es offenbart wieder einmal, dass Despoten und Autokraten Kunst immer dann fürchten, wenn sie sich nicht vereinnahmen lässt", erklärte der CDU-Politiker in Düsseldorf. Gerade in Zeiten, in denen autoritäre Regime weltweit versuchten, Kritik zum Schweigen zu bringen, sei die Solidarität mit freien Künstlerinnen und Künstlern unverzichtbar. 
Diese Nachricht wurde am 02.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.