Gleich nach dem Schlusspfiff wurde leidenschaftlich gestritten. Mannschaft und Trainer des VfL Wolfsburg waren sauer. Sie sahen sich durch den pünktlichen Schlusspfiff von Schiedsrichter Matthias Möllenbeck um ihre letzte Chance auf ein Tor gegen den hohen Favoriten gebracht. „Wir haben eine Mannschaft gesehen, die an sich glaubt“, meinte VfL-Trainer Dieter Hecking voller Stolz. Sein Team stand im Kampf um den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga kurz vor einer Sensation und ärgerte sich am Ende über die knappe 0:1-Heimniederlage gegen Meister Bayern München. „Hier regiert der Fau Eff Ell“, sangen die Anhänger des VfL Wolfsburg. Falsch war diese Einschätzung nicht. Denn drei Tage nach dem Aus in der Champions League hatte sich der FC Bayern, für den Michael Olise in der 56. Minute den Siegtreffer erzielte, einen harmlosen Auftritt geleistet. Auf der Suche nach jener Szene, die das Momentum des zuletzt traurigen FC Bayern am besten beschreibt, lohnt sich ein Blick zurück in die 36. Spielminute. Foulspiel an Olise, Elfmeter für München: Wie es dazu kommen konnte, dass Torjäger Harry Kane den fälligen Strafstoß rechts und oben über das gegnerische Gehäuse schießen konnte, wäre mit den Platzverhältnissen im Stadion des VfL Wolfsburg und einer Gemeinheit in Verbindung zu bringen. Denn Jeanuël Belocian, Verteidiger der Wolfsburger, hatte den Elfmeterpunkt mit seinen Schuhstollen zuvor bearbeitet und für einen Fauxpas offenbar präpariert. Kane rutschte prompt mit seinem Standbein aus und erlaubte sich einen für ihn ungewohnten Fehlschuss. Fehlte es in diesem Moment einfach nur am nötigen Stehvermögen? Oder ist das Erfolgsteam des FC Bayern insgesamt mental angeschlagen und kann am Ende einer langen Saison nicht mehr so wie es möchte? In jedem Fall hat Kane erstmals in der Bundesliga einen Elfmeter verschossen und sah danach ratlos aus. Heckings Elf gelingt es zum Teil, den FC Bayern zu bremsen Der Quervergleich zwischen dem Kraftakt, zu dem sich der VfL Wolfsburg aufgerafft hat, und dem Spielvermögen von Paris Saint-Germain verbietet sich. Und doch waren Parallelen zwischen dem Ausscheiden im Halbfinale der Champions League und dem knappen Sieg in der Bundesliga zu erkennen. Das von Cheftrainer Hecking sortierte VfL-Team zog sich immer wieder geschickt in die eigene Hälfte zurück und verlegte sich auf das Kontern. Bei kontrolliertem Ballbesitz entschieden sich die einsatzfreudigen Wolfsburger für ein mutiges Auftreten mit mehr Pässen nach vorne als zurück. Auf diesem Weg gelang es nicht nur, den FC Bayern in seinem Spielaufbau zu bremsen. Während Halbzeit eins konnte sich der Gastgeber sogar ein großes Plus an guten Torchancen erarbeiten. Dass der Münchener Mittelfeldspieler Tom Bischof in der 19. Minute die Latte des Wolfsburger Tores getroffen hatte, war einer der wenigen Münchener Warnschüsse vor 28.917 Zuschauern. Die Konstellation des 33. Spieltages in der Bundesliga hatte es so gewollt, dass Deutschlands beste Vereinsmannschaft nach der Entscheidung in der Meisterfrage auch darüber befinden konnte, wer im Kampf gegen den Abstieg besonders große Sorgen haben muss. Der mit dem FC St. Pauli punktgleiche VfL Wolfsburg war darauf angewiesen, nicht zu viele Gegentore zu bekommen. Mit möglichst hohem Aufwand einen minimalen Schaden zu erleiden – dieser Ansatz sollte ermöglichen, dass Wolfsburg am letzten Spieltag ein Remis beim FC St. Pauli genügt, um die beiden Relegationsspiele zu erreichen. Und die Rechnung ging auf, obwohl der FC Bayern München nach seinem sehenswerten Führungstor von Olise auf totale Dominanz drang. Wie beim Handball wurde der Ball oft um die Wolfsburger Abwehr herumgespielt. Doch aus Chancen im Minutentakt und der zunehmenden Müdigkeit des VfL Wolfsburg entstand kein Torspektakel. Die Profis des VfL Wolfsburg wehrten sich mit hohem Einsatz und erreichten ihr Ziel, die Niederlage in Grenzen zu halten. Die Frage, wie ernst der FC Bayern München sein letztes Auswärtsspiel der Saison 2025/26 wirklich genommen hat, ließ sich nach der turbulenten Partie nur erahnen. Trainer Vincent Kompany hatte seine Anfangsformation auf fünf Positionen verändert und seinen Stammtorhüter ausgetauscht. Nach dem schönen Tor des Tages von Olise sah man Manuel Neuer stolz beide Arme in den Abendhimmel recken. Der Ausnahmekönner stand dabei allerdings außerhalb des Spielfeldes, weil er gar nicht aufgestellt worden war und als Reservist mitjubelte. Sein Vertreter Jonas Urbig war angesichts der vielen hochkarätigen Chancen des VfL Wolfsburg der mit Abstand beste Bayern-Profi. „Wolfsburg hat ein super Spiel gemacht und alles reingeworfen“, sagte der Mann des Abends. Urbig hatte kein Gegentor zugelassen. Als er gefragt wurde, welche seiner Paraden ihm selbst am besten gefallen hat, kam der Schlussmann ins Grübeln – denn es ging um erstaunliche viel Großchancen des VfL Wolfsburg, der kurz vor Spielende durch Matthias Svanberg sogar noch den Pfosten getroffen hatte.
