35 Grad innen und außen, so ist es Heike Eckert noch sehr präsent. Die hatte es bei der ersten Hauptversammlung der Deutschen Börse im Gesellschaftshaus des Frankfurter Zoos: „Sehr analog, papierbasiert und eigentlich auch viel zu klein.“ 2026 gibt es mehr Platz, und es ist wohltemperiert: Die Börse hat wie seit 2003 immer zur Hauptversammlung in die Frankfurter Jahrhunderthalle geladen. Anwesend ist am Mittwoch aber nur die Führungscrew in der großen Halle. Die Aktionäre dürfen nur virtuell dabei sein. Rund 700 nutzen das Angebot. Vorstandsvorsitzender Stephan Leithner kann nicht nur das achte Rekordjahr in Folge präsentieren und eine zum elften Mal in Folge erhöhte Dividende vorschlagen. Er nutzt die Gelegenheit auch für einen Rückblick auf den Börsengang der Börse vor 25 Jahren am 5. Februar 2001. Heike Eckert, heute im Vorstand für Personal, Risiko und Compliance zuständig, war damals ebenso schon dabei wie Thomas Book, heute im Vorstand zuständig für Handel und Clearing. Rekorde auch im März beleben das Geschäft Damals waren sie beide bei der Eurex und erlebten die Grundsteinlegung, auf der heute noch der Erfolg der Börse beruht. „Wir waren mit der Eurex wirklich ein Pionier, und in wenigen Jahren sind wir zur größten Terminbörse der Welt aufgestiegen“, sagt Book. Und erinnert sich an die Finanzkrise bald danach: „Ich hatte Clearing übernommen, und wir waren direkt involviert bei Lehman Brothers, bei dem größten Default, und uns wurde klar, es geht bei Clearing nicht nur um Abwicklung, sondern wir haben eine Rolle, die sich wirklich um Finanzstabilität dreht, und wir schaffen Vertrauen in die Märkte. Das war einschneidend und hat die Strategie bestimmt seither.“ Leithner kann anfügen, dass gerade im März wieder Rekorde an der Eurex verzeichnet wurden, da der Krieg in Iran den Absicherungsbedarf bei den Anlegern sprunghaft erhöht hat: „Die Systeme haben einwandfrei funktioniert.“ Aber nicht nur die Terminbörse Eurex wurde ein großer Erfolg, sondern vor 25 Jahren wurde auch die Energiebörse EEX in Leipzig gegründet, und die Devisenplattform 360T in Frankfurt sowie der Indexanbieter Stoxx und der Handel mit ETF hatten ihre Anfänge. Von 1000 auf 16.000 Mitarbeiter Im Ergebnis hat die Börse seither nicht nur die Dividende von 36 Cent je Aktie auf nun 4,20 Euro knapp verzwölffacht und den Börsenwert von rund 2,5 Milliarden Euro auf nun 44 Milliarden Euro um den Faktor 17 erhöht. Die Mitarbeiterzahl hat sich von kaum mehr als 1000 auf nun gut 16.000 versechzehnfacht. „Der Börsengang hat der Börse neue Freiheiten verschafft und einen Aufbruch ermöglicht“, sagt Leithner. Damals ging die Börse aus der Eigentümerschaft von Banken, Maklern und Börsen schrittweise in die Hand privater Anleger vor allem aus dem amerikanisch-britischen Ausland über. Zuvor war die Deutsche Bank größter Aktionär, und ihr Vorstandssprecher und späterer Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Breuer war bis 2005 zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Börse. Dass aus der regional geprägten Börse ein Weltkonzern geworden ist, illustriert Leithner, indem er die historische Börsenglocke auf Weltreise schickt. Das auf der Hauptversammlung eingespielte Video ihrer Reise zeigt sie mit jubelnden Börsenmitarbeitern nicht nur in Eschborn und Leipzig, sondern auch in Prag, Cork, Kopenhagen, Luxemburg, Zürich, Paris, London, New York, Chicago, Hongkong, Sydney und Singapur. Verstärkung aus dem Telekom-Vorstand Viel zu meckern hatten die Aktionäre am Mittwoch daher nicht. Es gab so wenige Fragen wie nie, und kurz vor 13 Uhr konnte die Hauptversammlung nach knapp drei Stunden schon nach der ersten Fragerunde beendet werden. Allen Vorschlägen der Börse wurde mit Mehrheiten von 92 bis 99 Prozent zugestimmt. Neu in den Aufsichtsrat wurde Claudia Nemat gewählt, zuvor acht Jahre im Vorstand der Telekom zuständig für Technologie und Innovation und derzeit im Verwaltungsrat von ABB und dem Aufsichtsrat von Daimler Truck. Auch mit ihrer Berufung ist klar, dass es heute weniger um den Zoo geht bei der Börse, aber sehr wohl noch um Papierberge, die aber immer mehr der Tokenisierung und digitalen Wertpapieren weichen. Der reale Bezug bleibt für Leithner aber aktuell: Börse und Kapitalmärkte als Quelle dringend benötigter Investitionsmittel und als wichtige Altersvorsorge für die Menschen in Deutschland und Europa.
