FAZ 28.09.2026
15:22 Uhr

Abgewerteter Franken: Der Urlaub in der Schweiz ist jetzt ein paar Euro billiger


Die Schweiz ist kein günstiges Urlaubsland. Und der starke Franken reißt ein weiteres Loch in die Urlaubskasse. Das wird jetzt aber wenigstens ein bisschen kleiner.

Abgewerteter Franken: Der Urlaub in der Schweiz ist jetzt ein paar Euro billiger

Die Schweiz ist ein schönes Land. Und viele Deutsche werden auch ihren Herbst- oder Winterurlaub bei ihren südwestlichen Nachbarn verbringen. Angesicht der Preise kann einem aber schon schnell mal der Appetit vergehen. Zwischen 40 und 60 Franken kostet eine durchschnittliche Mahlzeit inklusive eines Glases Wein oder Bier. In Metropolen wie Zürich oder Genf kann es auch noch ein bisschen teurer werden. Hier bildet sich nicht zuletzt das deutlich höhere Lohnniveau ab. Der Brutto-Medianlohn in der Schweiz beträgt 84.300 Franken, zum Vergleich: in Deutschland sind es umgerechnet rund 51.150 Franken. Es ist aber auch der starke Franken, der den Schweiz-Urlaub zu einem teuren Vergnügen macht. Bis in den Januar 2015 war die Welt für deutsche Urlauber noch einigermaßen in Ordnung. Ein Euro war mindestens 1,20 Franken wert, denn die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte den Wert der Landeswährung gedeckelt. Am 15. Januar 2015 wurde dieser Deckel aufgehoben und in der Folge wertete der Franken gegen den Euro massiv auf – die Parität zum Euro wurde durchbrochen. Ob die Parität für den Euro in absehbarer Zukunft erreichbar ist, muss abgewartet werden. Immerhin, in den vergangenen Wochen konnte er einiges an Boden gutmachen. Derzeit ist ein Euro 0,9495 Franken wert, müsste also noch um rund sechs Prozent zulegen. Immerhin, noch im Frühjahr notierte das Euro-Franken-Paar in einer Spanne von 0,9 bis 0,91. Ein wenig hat der Franken seine Rolle als sicherer Hafen eingebüßt. „Der Hauptgrund für die Abwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro seit dem Frühjahr ist wohl die gestiegene Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen. Die EZB hob dieses Jahr ihren Einlagesatz bereits zweimal um 25 Basispunkte auf nun 2,5 Prozent an und hat damit vermutlich auch noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Demgegenüber beließ die SNB ihren Leitzins unverändert bei 0,0 Prozent und wir sehen aktuell keinen Grund, warum sie ihn bald anheben sollte“, sagt Salomon Fiedler, Volkswirt bei Deutsche Bank Research. Fiedler denkt auch, dass der Franken im Frühjahr „historisch sehr hoch“ bewertet war. Die SNB kann sich ihre Nullzinspolitik als eine der wenigen Zentralbanken der Welt durchaus leisten. Im August lag die Inflationsrate bei 0,8 Prozent, im Euroraum sind es 3,2 Prozent, wobei die Messmethoden nicht völlig identisch sind. Hauptgrund ist, dass die Schweiz sich weniger Inflation importiert. Rohstoffe und Energie kosten wegen der starken Landeswährung in Franken weniger. Hinzu kommt, dass die SNB in der Vergangenheit die Preisstabilität stark im Blick hatte und früh auf Inflationsdruck reagierte. So konnten anhaltend hohe Preis- und Lohnsteigerungen verhindert werden. Das Inflationsziel der SNB liegt in einem Band von null bis zwei Prozent, und derzeit etwa in der Mitte, obgleich die Inflation wieder ansteigt, für das Gesamtjahr 2025 lag sie bei nur 0,2 Prozent. In der SNB gibt es aber Stimmen, wonach die gegenwärtige Nullzinspolitik noch bis Ende des nächsten Jahres beibehalten werden könnte. In einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche machte SNB-Präsident Martin Schlegel jedenfalls keinerlei Anspielungen, an der Zinsschraube drehen zu wollen. Er sprach vielmehr von „einer komfortablen Position“, in der sich die SNB befände. Die Chancen stehen daher gut, dass für Deutsche der Winterurlaub in der Schweiz nochmal etwas preiswerter wird als der Herbsturlaub. Der gegen den Franken wirkende Carry-Trade, also die Kreditaufnahme in einem Niedrigzinsland, die in einem Hochzinsland investiert wird, ist beträchtlich. Analysten sind daher überzeugt, dass der Franken sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber dem Euro weiter nachgeben wird.