Unter dem Kuppeldach der Frankfurter Festhalle steht ein VW-Mittelklassewagen. Er sieht wenig spektakulär aus. Doch dieses Auto kann Unregelmäßigkeiten beim Herzschlag des Fahrers registrieren und damit schwere Unfälle verhindern. Das Fahrzeug ist mit Sensoren ausgestattet, die unter anderem Herzschlag, Atemfrequenz, Gewicht und Körpertemperatur messen können. Die Technik dafür hat ein Gemeinschaftsinstitut der Universitäten Braunschweig und Hannover entwickelt und präsentiert das Testfahrzeug zusammen mit dem TÜV Nord. Solche Innovationen sind es nach Darstellung von Messe-Geschäftsführer Detlef Braun, die zur Erfolgsgeschichte der Automechanika beitragen. Auch wenn die Messe mit 4400 Ausstellern aus 80 Nationen und mehr als 120.000 erwarteten Fachbesuchern noch nicht ganz zu der Größe zurückgefunden hat, die sie vor der Corona-Pandemie hatte (5000 Aussteller und 136.000 Besucher), kann sie doch gegenüber 2024 einen Zuwachs um fünf Prozent verzeichnen. Braun sieht sie auch damit auf einem guten Weg und berichtet von Rückmeldungen, wonach die Frankfurter Messe auch im nächsten Jahrzehnt die Weltleitmesse bleiben werde. Ausgebucht trotz schwieriger Zeiten Das Messegelände sei komplett ausgebucht, sagte Braun am Montag. Und das sei angesichts der aktuellen Herausforderungen durch geopolitische Krisen für die Automobilbranche ein Zeichen für die Stärke der Messemarke Automechanika, die weltweit 16 Schauen biete und ein Netz von 23.000 Ausstellern verbinde. Der globale Automotive Aftermarket – der alles rund um Ausstattung, Instandhaltung und Reparatur umfasst – bleibe trotz der schwierigen Zeiten angesichts von geopolitischen Unsicherheiten und volatilen Lieferketten auf Wachstumskurs. Nach aktuellen Studien, so Braun, werde die Branche 2026 weltweit voraussichtlich um 5,8 Prozent zulegen. Maßgebliche Treiber sind nach seinen Worten die steigende Lebensdauer von Fahrzeugen, die mehr Pflege und Instandhaltung notwendig mache, die wachsende Bedeutung des freien Ersatzteilmarkts sowie neue Chancen durch Elektromobilität, Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. So werden auf der Messe auch autonom fahrende Fahrzeuge zu sehen und im sogenannten Future Mobility Park auf der Freifläche in Aktion zu erleben sein. Auch der Einsatz von Robotern beispielsweise in Lackierereien oder beim Auslesen von Bordcomputern wird auf der Messe gezeigt. Rüstungstechnik, die einige Unternehmen aus der Zuliefererbranche als neues Segment für sich entdeckt haben, wird nach Angaben von Michael Johannes von der Messegesellschaft nicht gezeigt. Dass aber auch Mobilität jenseits des Automobils eine Rolle spielt, zeigt sich beispielsweise bei Osram, wo nicht nur Autoscheinwerfer ausgestellt werden, sondern auch Fahrradleuchten. Mehr als ein Rahmenprogramm Flankiert wird die Messe von einem Programm mit mehr als 500 Angeboten. Das seien längst mehr als Rahmen-Events, sagte Braun, der die Automechanika seit 2006 präsentiert. Dazu gehört auch ein Empfang im gerade eröffneten Atlantic-Hotel neben dem erstmals geöffneten neuen Messeeingang an der Europa-Allee. Am Eröffnungsabend sind dort die ersten 1500 Mitglieder des jüngst gegründeten Automechanika-Clubs eingeladen. Damit will die Messe ihre Kundenbindung stärken. Hinzu kommen neue Elemente auf dem Messegelände wie die 200 Meter lange Boxengasse mit einigen ausgefallenen Rennwagen, die von Reifen- oder Schmieröl-Herstellern präsentiert werden. Mit der Entwicklung rund um durch Software definierte Fahrzeuge, autonomes Fahren und digitale Services beschäftigt sich ein neues Forum mit dem Titel „HighTech4Mobility“ in der Festhalle. Welche Anforderungen und Auswirkungen der europäische Data Act auf den Automobilmarkt hat, wird diskutiert, und unter dem Motto „How Tech is Driving the Future of Mobility“ tauschen sich Branchenvertreter mit Repräsentanten von Politik und Wirtschaft aus Frankfurt darüber aus, wie Technologie zum zentralen Treiber des gesamten Mobilitätsökosystems werden kann. Das Veranstaltungsprogramm sei inzwischen integraler Bestandteil der Messe, die längst nicht mehr allein eine Ausstellung von Produkten sei, sondern eine Plattform für den Austausch über Innovationen, Transformation, Nachhaltigkeit, sagte Braun. Er hob hervor, wie wichtig der Branche die internationale Vernetzung sei. Weshalb auch viele der ausstellenden Unternehmen und Verbände die Messe zum Anlass für Tagungen und Treffen in der Stadt nähmen. Zu den entscheidenden Zukunftsthemen für die Branche gehört auch die Gewinnung von Fachkräften. Dem Thema Aus- und Weiterbildung ist darum ein großes Areal gewidmet. Mehr als 20 Hochschulen, Verbände und Innungen präsentieren sich während der Messe dort mehreren Hundert eingeladenen Schülern. „Viele wissen gar nicht, wie viele Berufe es in dem Metier gibt und wie gut die Aufstiegschancen dort sind – es muss nicht immer der Kfz-Mechatroniker sein“, so Johannes. In einem aufwendig gestalteten Stand unter der violett schimmernden Festhallenkuppel sollen die jungen Leute für die Branche und die Zukunftstechnologien im Fahrzeug begeistert werden. Ob das ihr Herz höherschlagen lässt, können sie dann gleich nebenan überprüfen lassen – in dem mit entsprechenden Sensoren ausgestatteten Fahrzeug.
