FAZ 23.09.2026
12:23 Uhr

BSW-Chef in Sachsen-Anhalt: Ein „Newcomer“, auf den es jetzt ankommt


In den Gesprächen mit der AfD hat der BSW-Landeschef eine zentrale Rolle. Thomas Schulze zeigt sich offen für die AfD. Wie offen, bleibt vorerst unklar.

BSW-Chef in Sachsen-Anhalt: Ein „Newcomer“, auf den es jetzt ankommt

Das sachsen-anhaltische BSW führt gegenwärtig Gespräche mit der AfD. Die von Thomas Schulze geführte Landespartei hat sich als einzige Partei dafür entschieden, die Einladung der AfD anzunehmen. Schulze kommt in den Verhandlungen eine wichtige Rolle zu. Der 1964 in Merseburg geborene Politiker ist nicht nur Ko-Landesvorsitzender der Wagenknecht-Partei, sondern wurde nach dem 5,3-Prozent-Erfolg auch zum Chef der fünfköpfigen Fraktion gewählt. Schulze sieht sich selbst als „Newcomer“. Er habe weder vor noch nach der Wiedervereinigung einer Partei angehört. Sein politisches Engagement habe mit dem Eintritt ins BSW kurz nach dessen Gründung Anfang 2024 begonnen. Schulze hat zu DDR-Zeiten eine Ausbildung zum Koch absolviert und ein Restaurant geleitet. Nach der Wiedervereinigung zog er nach Rheinland-Pfalz und arbeitete in einem Hotel. Nach einigen Jahren wechselte er in den Justizvollzug und wurde Beamter. 2002 kam er nach Sachsen-Anhalt zurück, wo er zuletzt als Geschäftsstellenmitarbeiter der Landesaufnahmebehörde in Stendal arbeitete. Er lässt sich nicht in die Karten schauen Seinen Lebensmittelpunkt hat Schulze im nahen Tangermünde, wo auch AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wohnt. Die große Frage lautet, ob Schulze dafür sorgen wird, dass Siegmund der erste AfD-Ministerpräsident in Deutschland wird. In dieser Frage dürfte sich Schulze eng mit Parteigründerin Sahra Wagenknecht abstimmen. Er hat ihr dabei geholfen, den Landesverband von Personen zu säubern, die mit dem Thüringer BSW-Weg sympathisierten. Schulze lässt sich aber nicht in die Karten schauen, was genau seine Fraktion vorhat. Im Gespräch kündigt er an, dass das BSW zunächst „definitiv“ einen AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten wählen werde. Inhaltlich wolle man mit der AfD über Bildung, Frieden und Energie sprechen. Mit Blick auf die Regierungsbildung wirbt Schulze weiter für einen überparteilichen Ministerpräsidenten – eine Idee, die inzwischen auch SPD und Grüne loben. Schulze stellt jedoch klar, dass es einen überparteilichen Ministerpräsidenten „nur in Zusammenarbeit mit der AfD“ geben werde. Daran werden SPD und Grüne allerdings nie mitwirken, die Idee gilt in Magdeburg auch eher als Ablenkungsmanöver. Im Kern geht es weiter um die Frage, ob das BSW einen AfD-Ministerpräsidenten ermöglicht. Eine Koalition habe man immer ausgeschlossen, sagt Schulze und fügt hinzu, dass er „denke, dass sich daran nichts geändert hat“. Bei einer Kandidatur Siegmunds werde man sich im dritten Wahlgang enthalten. Ob dies durch ein sichtbares Fernbleiben von der Abstimmung geschehen wird oder eine Enthaltung in geheimer Abstimmung (bei der bereits ein BSW-Abgeordneter der AfD mit einer Jastimme zur Mehrheit verhelfen könnte), lässt Schulze offen. „Das werden die Gremien entscheiden.“