FAZ 30.05.2026
11:13 Uhr

Bernhard Emunds: Der Theologe, der die Finanzmärkte kennt


Bernhard Emunds leitet das Nell-Breuning-Institut an der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Habilitiert hat er über die Ethik der Finanzmärkte.

Bernhard Emunds: Der Theologe, der die Finanzmärkte kennt

Wahrscheinlich kann er nicht langsam gehen. Es widerspricht seinem Temperament, seinem Tatendrang. Woher der Elan? Haben Rheinländer besonders viel davon? „Er liegt mir im Blut“, sagt er. Bernhard Emunds ist deswegen immer eilig unterwegs, zumindest auf dem Gelände von Sankt Georgen, der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Frankfurt. Bei seinen Wanderungen in den Ferien wird er wohl auch nicht gerade schlendern. In Sankt Georgen hat er studiert, der „Lehrling“ ist jedoch schon lange „Meister“. Seit 2006 lehrt er dort als Professor für Christliche Gesellschaftsethik und Sozialphilosophie und leitet das Nell-Breuning-Institut. Er hatte berühmte Vorgänger, abgesehen vom Namensgeber des Instituts gab es ja auch noch Friedhelm Hengsbach. Vor allem seinetwegen ist Emunds damals nach Frankfurt gegangen. Da hatte er schon Studienetappen – Katholische Theologie und Geschichte – in Bonn und Paris hinter sich. Katholizismus im Elternhaus praktiziert Hengsbach bewundert er noch heute. Seine Fähigkeit, Sachverhalte zuzuspitzen und dabei jedes Wort genau zu setzen. „Es war alles durchdacht.“ Zugleich bedeutete es Politikberatung über Mikrofone, sprich über die Öffentlichkeit, über soziale Bewegungen. Politikberatung aus der Sicht christlicher Ethik gehört zu den Aufgaben des Instituts, aber nach den Worten von Emunds spielt sie nicht mehr die Rolle wie früher. Es gibt wohl viele Gründe dafür. Emunds, geboren in Aachen, kommt aus einem Elternhaus, in dem rheinischer Katholizismus praktiziert wurde. „Der lässt manches laufen.“ Messdiener, Pfadfinder – das volle Programm, es hat ihm Spaß gemacht. Dass er sich fürs Theologiestudium entschied, war in seiner Familie nichts Besonderes. Seine Tante hatte bei Joseph Ratzinger studiert, als der spätere Papst Benedikt an der Bonner Uni den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie innehatte. Das war von 1959 bis 1963. Lob für den Synodalen Weg An Geschichte, seinem anderen Studienfach, faszinierte ihn das Mittelalter, der Kontrast zur Moderne. In einem Industriepraktikum lernte er noch einmal eine andere Welt kennen. Jene, die sich um den Bau von Autokühlern abspielt. Das gab den Ausschlag für die Sozialethik und Hengsbach. Nur studierte Emunds weiter, nun Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität, Dissertation inbegriffen. Auf seinen Doktorvater Bertram Schefold lässt er auch nichts kommen. Er konnte Theorien entfalten und einordnen, sagt er. Dabei hat auch Emunds keine Mühe, Kompliziertes einfach zu erklären. Habilitiert hat er sich an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Münster über die Grundlagen einer Ethik internationaler Finanzmärkte. Wirtschaftsethik, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, das sind Dinge, für die er brennt. Die oft unfairen Bedingungen, unter denen Pflegekräfte rund um die Uhr in privaten Haushalten arbeiten, sind eines seiner Lieblingsthemen. „Damit es Oma gutgeht“ heißt sein Buch dazu mit dem Untertitel: „Pflegeausbeutung in den eigenen vier Wänden“. Nach seinen Beobachtungen hat sich in der Branche jedoch nichts geändert. Emunds ist mit Haut und Haar Professor, findet es „wunderbar“, ständig mit jungen Leuten zusammen zu sein, und wirkt in vielen Gremien mit. So war er Mitglied der Synodalversammlung. Den Synodalen Weg hält er nach wie vor für richtig. Wenn eine Ortskirche alle brennenden Fragen diskutiere, sagt er, verändere das auch die Weltkirche. Natürlich hat er auch eine dezidierte Meinung über Papst Leo XIV: „Es ist gut, dass jetzt jemand Papst ist, der zuhören kann.“ Emunds ist aber auch Familienvater, die Söhne sind aus der Art geschlagen: ein Mathematiker und ein Informatiker. Kurz vor dem Abitur stöhnte mal der eine, bis jetzt sei alles klar gewesen, aber mit der Ethik fange das Gelabere an. Das Thema war Veitstanz. Der Vater nahm's mit rheinischem Humor.