Donald Trump wird bei seiner Abreise aus China fast alles im Gepäck haben, was er sich von dem Besuch erhofft hatte. Die Gastgeber bauchpinselten ihn mit einem großen Empfang inklusive Ehrengarde und jubelnden Kindern, Videos davon postete Trump direkt in seinem – in China eigentlich gesperrten – sozialen Netzwerk. Weitere schöne Bilder nimmt Trump vom Himmelstempel mit, den Xi Jinping mit ihm besuchte. Mögliche Handelsdeals wird Trump ebenfalls als Gewinn verbuchen. Für die Lösung von Amerikas wahren Problemen nimmt er dagegen nichts mit. Trump hat in Iran einen Krieg angefangen, der ihm entgleitet. Er fordert Chinas Hilfe bei der Beendigung, was für den Oberbefehlshaber des größten Militärs der Welt schon peinlich genug ist. Und China kommt ihm bei dieser Forderung kein Stück entgegen, mit Xi kann er sich nur darauf einigen, dass die Straße von Hormus offen bleiben müsse. Das entspricht chinesischen Interessen, Öl über die Meerenge zu bekommen, erweckt aber keinerlei Anschein, dass China im Sinne Trumps aktiv werden könnte. Die Partner werden Amerikas Schweigen zu Taiwan hören Auch an den abnehmenden Einflussmöglichkeiten der Vereinigten Staaten auf internationaler Bühne wird der Besuch nichts ändern. Trump vergrault Amerikas traditionelle Verbündete, wenn er etwa mit der Übernahme Grönlands droht oder ihre Hilfe im Irankrieg fordert. Er sucht lieber die Nähe zu mächtigen Autokraten wie Xi. Trump mag glauben, dass der Glanz von dessen Stärke auf ihn abstrahlt, aber er verkennt, dass China die Reise nutzt, um die eigene Macht zu mehren. So sprach Xi gezielt Taiwan an und warnte davor, dass Amerikas Unterstützung für die Inselrepublik zu einem Konflikt mit China führen könnte. Vom Weißen Haus war dagegen nichts zu Taiwan zu hören. Das muss in Taipeh für Unruhe sorgen, wo man auf Waffenlieferungen aus den USA wartet. Und auch andere Partner in der Region werden das fehlende Bekenntnis zu Taiwan deutlich hören. China wird Trump keine Zugeständnisse machen, die der eigenen Position nicht nützen oder ihr gar schaden. Handelsvereinbarungen werden – so sie zur Umsetzung kommen – die chinesische Wirtschaft stärken. Peking hat eigene wirtschaftliche Probleme, die es in den Griff bekommen muss. Die Führung wird sich das nicht durch Konzessionen an Trump erschweren. Peking agiert geduldig und bedacht, um ins Zentrum der globalen Ordnung vorzurücken, an den Platz, den es nach eigenem Empfinden rechtmäßig einnehmen sollte. Trump hatte China schon in seiner ersten Amtszeit als Hauptgefahr für die Vereinigten Staaten ausgemacht, aber anstatt sich darauf zu fokussieren, verzettelt er sich. Chinas Aufstieg ist kein Selbstläufer. Trump könnte es Peking schwerer machen.
