Planeten wie Mars oder Jupiter erscheinen im Fernrohr zumindest als kleine Scheiben, auf denen eine ausreichend starke Optik auch Details wie Eiskappen oder Wolkenbänder sichtbar zu machen vermag. Die allermeisten Sterne sind dafür viel zu weit entfernt und nur als Lichtpunkte zu sehen, denen keine noch so starke Vergrößerung irgendwelche Oberflächenstrukturen entlocken kann. Eine Ausnahme ist der rund 724 Lichtjahre entfernte Alpha Orionis alias Betelgeuse, der im deutschen Sprachraum auch Beteigeuze heißt. Dieser prominenteste Stern der Konstellation Orion ist derart riesig, etwa 1400-mal so groß wie unsere Sonne, dass Superteleskope ihn als ausgedehntes Objekt abbilden können. Im August 2023 haben Forscher um Bill Dent mit dem Submillimeter-Teleskopsystem ALMA das bislang detailreichste Bild des Sterns gemacht und ihre Ergebnisse jetzt in der Zeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht. Das Bild entstand allerdings nicht im sichtbaren Spektralbereich, sondern bei längeren Wellen zwischen 0,6 und 1,4 Millimetern. Stabile Hitzeflecken an den Polen Auf der Aufnahme erscheint Betelgeuse regelrecht verbeult. Der Umriss des Sterns weicht bis zu sechs Prozent von der Kreisform ab. Und die Struktur der Emissionsgebiete ist deutlicher zu erkennen als jene, die aus Beobachtungen im Jahr 2015 abgeleitet werden konnte. Wie die Autoren vermuten, sieht man hier die Folge der Umwälzbewegungen einer sogenannten Konvektion: das Aufsteigen von Zellen heißer Gase, die Stoßwellen durch die etwa zweitausend Grad heiße Sternoberfläche schicken. Überdies wurden zwei heiße Flecken festgestellt, im heißeren von beiden erreichen die Temperaturen rund 2800 Grad. Sie liegen in der Nähe der Stellen, in denen die Rotationspole des Sterns vermutet werden. Die Forscher werten diese als Hinweis auf eine verstärkte Konvektion an den Polen, die überdies zeitlich stabil ist. Denn die Hitzeflecken wurden 2015 dort zwar auch schon beobachtet. Die Daten lieferten aber keinen Hinweis auf die Eigenrotation des Sterns. Dabei wird Betelgeuse offenbar von einem anderen Stern umkreist. Bereits im Sommer 2025 wurden Hinweise auf einen kleineren, bläulichen und daher deutlich heißeren Begleitstern veröffentlicht, der Betelgeuse einmal in 2170 Erdtagen oder etwa sechs Jahren umrundet und damit eine Erklärung für eine Helligkeitsschwankung des Sterns mit dieser Periode liefern könnte. Unlängst hat eine in „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlichte Untersuchung diese Hinweise auf einen Begleiter von Betelgeuse deutlich erhärtet. Forscher um Miguel Montargès vom Observatoire de Paris hatten 2024 mittels eines Instruments am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte ESO, ebenfalls in Chile, an der vorhergesagten Position einen Lichtpunkt gefunden. In der Auswertung erreichte das Signal eine Signifikanz von 6,1 Sigma; eine davon unabhängige zweite Auswertung mit einer anderen Methode ergab etwa 5,1 Sigma. Von 5 Sigma an spricht man in vielen Bereichen der Physik und Astronomie von einem statistisch überzeugenden Nachweis. Montargès und seine Kollegen werten das Signal allerdings weiterhin als bloßen Kandidaten für einen Begleiter. Weitere Beobachtungen müssen noch bestätigen, dass er tatsächlich gravitativ an Betelgeuse gebunden ist.
