Ein Tässchen Kaffee, im Wiener Jargon „Verlängerter“ genannt, gibt es in der österreichischen Hauptstadt wohl nirgendwo mehr für weniger als sechs Euro. Zumindest nicht dort, wo die Touristen einfallen. Dass die Inflation, angefeuert von den hohen Energiepreisen, wieder vielerorts anzieht, merken auch die Zentralbanken. Eindeutig Fake News ist aber, was eine Nachrichtenagentur in dieser Woche bekannt gab: Die Europäische Zentralbank werde ihre Leitzinsen im Mai anheben. Denn im Mai trifft sich ihr geldpolitischer Rat gar nicht. Aber aufgeschoben ist nicht ... – Sie wissen schon. Auch sonst ist im Mai an den Finanzmärkten allerhand los. Die Unternehmen berichten über ihre Geschäfte im ersten Quartal. Daran lassen sich oft die Megatrends und das Erwartungsmanagement ablesen. Etwa bei Hochtief: Der Baukonzern steht nach einer Kursverdoppelung in den vergangenen sechs Monaten kurz vor dem Aufstieg in den Dax. In dieser Woche berichtete das Unternehmen über einen Rekordauftragsbestand. Hochtief profitiert vor allem von der hohen Bau-Nachfrage nach KI-Rechenzentren. Aber die Hochtief-Aktie gehört in dieser Woche zu den größten Verlierern. Offensichtlich sind die sehr hohen Erwartungen den guten Geschäften ein Stück enteilt. Freenet zahlt fast acht Prozent Dividendenrendite Im Mai ist auch die Hochzeit der Hauptversammlungen. Nach den Aktionärstreffen gibt es, wenn es im Vorjahr gut gelaufen ist, für die Aktionäre eine Dividende. Das Telekomunternehmen Freenet hielt schon am 13. Mai seine Hauptversammlung ab, aber erst in dieser Woche wurde die hohe Dividende von 2,07 Euro je Aktie ausgezahlt. Das war so geplant, aber machte doch den einen oder anderen nervös. Fast ein bisschen so wie die Arzthelferin, wenn deren Kartenlesegerät nicht funktioniert und die deshalb die Patienten bar abkassieren muss. Ja, wir leben in Deutschland (noch) nicht wie in der Ukraine im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden. Attacken auf die Finanz- und Energieinfrastruktur müssen täglich abgewendet werden. Darüber wird am Finanzplatz oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Was würde passieren, wenn die Deutsche Börse gehackt würde oder eine Bank? Wie lange braucht es, um die IT-Systeme wieder hochzufahren? Was Börsianer konkreter umtreibt, sind die Unternehmen, die sich etwa vom Zulieferer für die Automobilindustrie zu einem Lieferanten für die Rüstungsindustrie wandeln, wie etwa der Wälzlageranbieter Schaeffler. Und auch in die Ertüchtigung von Häfen und in Elektromotoren von (Kriegs-)Schiffen wird einiges an staatlichem Geld fließen. Das wird aber nicht reichen. Ein Vielfaches an privatem Geld soll und muss zusätzlich mobilisiert werden. Dann erfüllt die Börse einen originären Zweck. Tatsächlich hat es 2026 in Frankfurt bisher drei Börsengänge in den Prime Standard gegeben. Der Rüstungszulieferer Vincorion und die beiden Energieeffizienzlösungsanbieter Asta und Electrovac sammelten zusammen von Anlegern aber noch recht bescheidene 580 Millionen Euro ein. Als einer der nächsten kommt wohl der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS neu an Europas Börse, ähnlich wie bei Airbus bleiben die Staaten Frankreich und Deutschland aber beteiligt. Nicht nur deshalb sollten Anleger auf die Bewertung achten und bei zu hohen Kursen Abstand halten. Uniper vor Comeback, Goldman Sachs kämpft um SpaceX Es werden sich noch einige Unternehmen aus der Rüstungsbranche in den nächsten Monaten an die Börse aufmachen, das sollte die Preise drücken. Ein Wiedersehen für Anleger könnte es auch mit Uniper geben. Drei Jahre nach der Notverstaatlichung des Gasunternehmens hat der Bund die Reprivatisierungspläne konkretisiert, will aber auf jeden Fall 25 Prozent behalten. Das sind gute Nachrichten für die Banken, die mit der Beratung zu einem Börsengang beauftragt werden und daran ordentlich verdienen. Für die Deutsche Bank etwa, die in der kommenden Woche erstmals seit Corona wieder ihre Aktionäre persönlich zur Hauptversammlung bittet, oder für die größte US-Bank J.P. Morgan, die in dieser Woche mit ihrem Privatkundengeschäft in Deutschland startete. An der Wall Street indes zieht der Börsengang von Elons Musks SpaceX alle Bankerenergien auf sich. David Solomon, Chef von Goldman Sachs, kämpft offenbar gerade persönlich bei Musk darum, den mit vielleicht 75 Milliarden Dollar Verkaufserlös wohl größten Börsengang aller Zeiten federführend begleiten und den Konkurrenten Morgan Stanley noch ausstechen zu können. Darauf einen Americano!
