Der Winter hatte in Deutschland zwei Gesichter. Im Südwesten war es viel zu mild, im Nordosten ziemlich knackig kalt. Jetzt herrscht wieder Einigkeit: Im ganzen Land ist endlich der Frühling eingekehrt, von Lörrach bis Greifswald ist es warm und sonnig; nur ein paar schlappe Kaltfronten bringen vorübergehend ein paar Wolken. Regen ist in diesem März weit und breit nicht in Sicht. Die Folgen des frühen Frühlings lassen sich in der Natur ablesen. Im zuletzt unterkühlten Nordosten sind die ersten Schneeglöckchen gesichtet worden, im Südwesten sind die Pioniere schon wieder verblüht. Dafür stehen am Oberrhein die Osterglocken in voller Blüte, und die Magnolien sind dabei, ihre Blüten zu entfalten. Die Grünlandtemperatursumme aus zusammengerechneten Tagesmitteltemperaturen beträgt 200 Grad. An vielen Flecken im Südwesten, damit ist dort bereits der Vegetationsbeginn erreicht. Das bedeutet: Der Frühling startet durch. Doch damit beginnt die Leidenszeit für Millionen von Allergikern. Hasel und Erle fliegen bereits in hoher Konzentration, die Belastung für Betroffene ist stark. In Augsburg haben Umweltmediziner der dortigen Fakultät jetzt die Pollenwarn-App PollDi veröffentlicht, mit der Allergiker die Belastungen erkennen können. Die App kombiniert Pollen- und Luftqualitätsprognosen und erforscht den Zusammenhang zwischen den individuellen Symptomen und Umweltfaktoren wie dem Pollenflug. Zudem haben die Augsburger Umweltmediziner in einer Studie die allergenen Hotspots ihrer Stadt identifiziert – und bieten damit Betroffenen eine Möglichkeit, hohen Konzentrationen aus dem Weg zu gehen. Denn die Belastung durch bestimmte Pollenarten ist ziemlich unterschiedlich verteilt, wie die Forscher ermittelt haben. Sie hängt stark von Verteilung und Struktur der Bäume und Sträucher ab, von der Artenvielfalt, der Luftverschmutzung und dem Mikroklima. Innerhalb weniger hundert Meter können deutliche Unterschiede der allergenen Belastung auftreten, fanden die Forscher heraus. Manche Straßenzüge waren regelrechte Pollenfallen. Zudem haben die Augsburger Umweltmediziner eine Leitlinie zur gesundheitsförderlichen Stadtplanung herausgegeben. Damit liefern sie Lösungsvorschläge für ein altes Dilemma: Stadtgrün ist gut und wichtig, aber für Allergiker können Haselsträucher im Park zur Qual werden. Grünflächen sollten also so angelegt werden, dass sie die Bedürfnisse von Allergikern und Asthmatikern berücksichtigen, fordern die Forscher. Wie genau, hängt stark von der Stadtstruktur, ihrer Topographie und der Verteilung der Grünflächen an. In diesem Frühling könnte das Schlimmste für Allergiker noch bevorstehen. Denn bis Mitte März ist keine Wetteränderung in Sicht, ein kräftiges Hochdruckgebiet bringt viel Sonne und milde Temperaturen – ideale Bedingungen für einen ausgeprägten Pollenflug. Zudem ist es wahrscheinlich, dass das trockenwarme Frühlingswetter in der zweiten Märzhälfte andauert. Blockierende Hochdruckgebiete sind am Winterende und zu Frühlingsbeginn oft besonders beständig, die Atmosphäre bildet dann gerne große Umleitungen für anrückende Tiefdruckgebiete. Zudem gab es in den vergangenen Monaten häufig Blockadelagen über Europa, die Regentiefs wurden meistens ans Mittelmeer umgeleitet. Kälterückschläge wird es aber auch in diesem Jahr geben, insofern ist noch Zurückhaltung im Garten angesagt. Empfindliche Pflänzchen haben draußen noch nichts verloren, Spätfröste sind bis in den Mai möglich.
