FAZ 25.09.2026
21:06 Uhr

„Brothers“ bei AppleTV+: Wie im echten Leben?


„Basierend auf einem wahren Gerücht“: Die Serie „Brothers“ spielt mit der Idee, dass Woody Harrelson und Matthew McConaughey Halbbrüder sein könnten. Entstanden ist eine solide Familiencomedy mit etwas Nabelschau.

„Brothers“ bei AppleTV+: Wie im echten Leben?

Die Hemsworths. Die Skarsgards. Die Baldwins. Und jetzt – die McConaughey-Harrelsons? Wer weiß. Was Apple hier in der achtteiligen Comedy „Brothers“ mit Woody Harrelson und Matthew McConaughey durchspielt, könnte durchaus mehr als nur ein Gerücht sein, das seit Langem durch Hollywood geistert: Dass die zwei Schauspieler, die 1961 und 1969 im Westen von Texas geboren wurden, Halbbrüder sind. „Basierend auf einem wahren Gerücht“, heißt es denn auch zu Beginn jeder Episode, eine Montage von Bildern der beiden als Kinder und Jugendliche will wohl sagen: Guck mal, wie sehr die sich ähneln! Das mag etwas gezwungen wirken, aber die Serie, die sich als „fiktionalisierte Version“ von Harrelsons und McConaugheys Leben anpreist, nährt sich von dieser Prämisse. In der Auftaktfolge verbringen die Familien Harrelson und McConaughey ein gemeinsames Wochenende auf McConaugheys Ranch in Texas, als dessen Mutter MaMac (Holland Taylor) nach ein paar Gläschen zu viel redselig wird. Einst habe sie mit Woodys Vater einen heißen Flirt gehabt, gesteht sie da einem erstaunten Woody kichernd. Doch bevor der seine Fassung wiederfindet und nachhaken kann, ob Matthew und er demnach Brüder seien, hat sie das Thema auch schon ad acta gelegt. Hier kämpft McConaughey um das texanische Gouverneursamt Im Folgenden entspinnt sich eine meist heitere Familienballade zwischen den Clans des philosophierenden Cowboys mit politischen Ambitionen (McConaughey) und des vegan lebenden Hippie-Anarchisten (Harrelson), der heimlich versucht, die Wahrheit hinter dem beschwipsten Geraune von MaMac zu ergründen. Während Matthews ältester Sohn Wyatt (Nolan Almeida) zart mit Woodys Adoptivtochter Kai (Oona Yaffe) anbandelt, versucht Woody mit seiner zweiten Tochter Olive (Highdee Kuan), genetisches Material von Matthew zu sichern, um Gewissheit zu erlangen. Das Ganze verheddert sich zu einem beachtlichen Kuddelmuddel, das die Vorbereitung auf McConaugheys Wahlkampf um das Gouverneursamt von Texas zu torpedieren droht. McConaughey und Harrelson, die sich 1999 am Set von „Ed TV“ in der Rolle von Brüdern kennenlernten, verbindet eine langjährige Freundschaft, die auch beruflich, etwa in der preisgekrönten HBO-Serie „True Detective“, Früchte trug. Tatsächlich ist der eine Hobbyphilosoph und politisch ambitioniert und der andere Veganer mit Marihuana-Vorliebe und selbsterklärtem Hang zum Anarchismus. 2023 offenbarte McConaughey in einem Interview, dass bei einem gemeinsamen Urlaub der Familien Harrelson und McConaughey in Griechenland 2017 seine Mutter – die sich von Matthews Vater zweimal scheiden ließ, um ihn wieder zu heiraten – überraschend bekannte, einst mit Harrelsons Vater ein Techtelmechtel gehabt zu haben. Charles Harrelson galt als Charmeur, verdingte sich als Profizocker und Auftragskiller, reklamierte einst, zu den Kennedy-Attentätern gehört zu haben, und saß, als er 2007 an einer Herzattacke starb, zweimal lebenslänglich ab. Wer angesichts dieser Konstellation schillernder Figuren einen großen kreativen Wurf erwartet, der wird enttäuscht. Stattdessen strickten Matthew und Woody mithilfe der Drehbuchautoren Lee Eisenberg und David West Read eine leichte Familienkomödie, um ihre Freundschaft zu zelebrieren. McConaughey und Harrelson nehmen sich hier gegenseitig und auch selbst auf den Arm, und meist ist das amüsant; hin und wieder gleitet es in eine Nabelschau ab, die den Mut dieser Superstars zur Selbstironie ein bisschen zu dick aufträgt. Der Charme der zwei Hauptdarsteller und ihrer fiktionalen Familienmitglieder immerhin fängt die meisten flachen Strecken dieser Comedy um die Kabbeleien und gegenseitigen Liebeserklärungen dieser beiden Texaner wieder auf. Taylor Holland als ebenso unverblümte wie nonchalante Matriarchin MaMac (McConaugheys Mutter Kay wird tatsächlich so genannt) mischt den Laden nicht nur mit ihrem überraschenden Eingeständnis auf, und ein weiteres Highlight ist Matthews Kampagnen-Managerin (Lisa Gilroy), die in einem fulminanten Auftritt als laute, fordernde und unverschämte Washingtoner Politstrategin den Gegenpart zur texanischen Gelassenheit gibt. Im Grunde aber geht es hier ums Ringen mit Vaterrollen, um die Beziehung zu den Altvorderen und natürlich zu den eigenen Kindern, die sich hier in wahlweise angestrengten oder ahnungslosen Bemühungen manifestiert. Matthew nimmt mit großem Brimborium („Generationen von McConaugheys haben mit ihrem ersten Schuss ihr erstes Wild erlegt!“) seinen Sohn Wyatt auf seine erste Jagd mit, auch wenn der lieber Tagebuch schreiben würde. Woody dient seiner Sechzehnjährigen ein „Gespräch über wichtige Dinge wie die Menses“ an, was diese mit der genervten Bemerkung quittiert, das habe schon vor Jahren stattgefunden. Die Ehefrauen der beiden (Natalie Martinez als Valentina McConaughey und Brittany Ishibashi als Joy Harrelson) beobachten die sich Episode für Episode entfaltenden Dramen meist milde lächelnd aus dem Hintergrund und greifen nur hin und wieder ein, wenn es allzu bunt wird. Im wirklichen Leben herrscht unterdessen über die Dinge weiter Unklarheit: Einem Gentest haben sich die beiden nach eigenen Angaben bisher nicht unterzogen – auch wenn Harrelson der Geschichte mehr Glauben schenkt als McConaughey. Der „Vanity Fair“ sagte McConaughey kürzlich: „Er glaubt’s, ich nicht“ – und dabei wolle man es auch bewenden lassen. Brothers läuft bei AppleTV.