FAZ 21.09.2026
12:06 Uhr

Comeback in Frankfurt: Haftbefehl ist wieder da mit Maske und Verstärkung


Kein einziger Song im Alleingang: Unterstützt von Olexesh, Veysel, Kardo und Milonair, gibt Rapper Haftbefehl ein vorgezogenes Comeback in der Festhalle Frankfurt.

Comeback in Frankfurt: Haftbefehl ist wieder da mit Maske und Verstärkung

Die Erwartungen sind hoch für dieses vorgezogene Comeback: Schon vor dem offiziellen Konzertbeginn am Sonntagabend zeigt sich der Offenbacher Rapper Haftbefehl kurz im Rampenlicht. „Frankfurt, seid ihr da?“, ruft er kaum verständlich ins komplett ausverkaufte Areal der Frankfurter Festhalle, und rund 15.000 Fans brüllen ein überlautes „Ja“ zurück. Erleichterung bei der riesigen Fangemeinde: Der 40 Jahre alte Rapper befindet sich jedenfalls schon einmal am Ort des Geschehens! Also scheint er nicht vorzuhaben, seinen Auftritt, wie zuvor beim World Club Dome in Frankfurt und beim Heroes Festival in Geiselwind, kurzfristig abzusagen. Er sei „emotional und körperlich nicht in der Verfassung, aufzutreten“, gab er seinerzeit zu Protokoll. Im Juni hatte sich der Rapper aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Als Grund nannte er gesundheitliche Probleme. Erheblich Stress verursachte bei ihm auch die Ausstrahlung seiner Netflix-Doku, in der er ganz offen über sein Heranwachsen in Offenbach, den Suizid seines Vaters, Konflikte mit dem Gesetz, Flucht in die Türkei und in die Niederlande, Drogensucht und die Folgen seines Kokainkonsums berichtet hatte. Das habe ihn zusätzlich stark belastet. Jetzt, in der Festhalle, inszeniert der Musiker, aufgewachsen im Offenbacher Mainpark, sein vorzeitiges Bühnencomeback. Es ist ein Abend, der improvisiert wirkt. Weitere Auftritte sind für Oktober in Düsseldorf und Berlin geplant. Nahtlos wechselt die Veranstaltung von den DJ-Klangimpressionen über in den Auftritt. Leicht nach vorne gebeugt schlurft Aykut Anhan, wie Haftbefehl mit bürgerlichem Namen heißt, über die Bühne. Scheinbar ruhelos durchmisst er die Quadratmeter in dunkler Kapuzenjacke, Burberry-Tasche vor der Brust, hellerer Hose, weißen Sneakers. Das auffälligste Merkmal ist die schwarze Maske über Mund und Nase. In der Öffentlichkeit trägt Haftbefehl schon seit Längerem diesen Gesichtsschutz. Als Grund gab er an, dass seine Nase durch jahrelangen Kokainkonsum stark geschädigt sei, weshalb er mehrfach operiert worden sei. Seine kurze Bühnenshow, mit Spannung von der Zuhörerschaft erwartet, absolviert er gemeinsam mit mehreren weiteren Rappern. Olexesh, Veysel, Kardo und Milonair befinden sich unter den Unterstützern. Haftbefehl interpretiert keinen seiner Songs wie „069“ oder „Chabos wissen wer der Babo ist“, im Alleingang. Auf der Bühne befinden sich auch noch diverse Assistenten, die mit Handys und Kameras das Spektakel festhalten. So improvisiert das Ganze auf der Bühne wirkt, im dicht gedrängten Innenraum spielen sich unterdessen emotionale Szenen ab. Nicht nur im Moshpit direkt vor der Bühne wird in enthusiastischer Laune die Rückkehr des längst zum Kult gewordenen Rappers gefeiert. Auch in den jeweils durch Wellenbrecher getrennten Arealen dahinter kommt es zu heftigen Gefühlsausbrüchen der Fans. Haftbefehl sucht ihre Nähe. Platziert sich immer wieder ganz nahe an den Bühnenrand. Als in schöner Regelmäßigkeit wieder die Pyrotechnik zum Einsatz kommt und zwei meterhohe Flammentürme in die Höhe schießen, wirkt es für einen Moment, als stünde Haftbefehl mitten in einer Feuersbrunst. Kompakt rappt er sich durch sein Repertoire aus diversen Alben und Singles. Dazwischen gönnt er sich allerdings immer wieder Pausen, zieht sich aus dem Rampenlicht in den hinteren Bereich zurück. Derweil übernehmen seine Co-Rapper samt dem textsicheren Publikum für ihn das Entertainment. Reichlich abrupt aber kommt dann das Ende. Eine ganze Stunde früher als angekündigt, also schon nach einer Stunde, ist Showfinale, als das grelle Saallicht angeht. Eine Zugabe gewährt Haftbefehl nicht. Und dennoch zieht seine Fangemeinde glücklich von dannen: Der von ihnen hochverehrte Künstler scheint den Weg zurück ins Rampenlicht gefunden zu haben. Wenn auch nicht als Solist.