Die Commerzbank zappelt in den Fängen Unicredits. Wer noch Zweifel hat an der Cleverness ihres Chefs Andrea Orcel, kann diese getrost begraben. Offiziell hat die italienische Bank erst 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien und tut viel dafür, dass nicht mehr zählt. Doch Unicredit hat durch helfende Banken wie Nomura und Citigroup sowie Derivate-Positionen über den eigenen direkten Aktienanteil hinaus längst Fakten geschaffen. Inzwischen posaunt sie ihre Macht laut heraus. Damit wirkt Unicredit künftigen Entwicklungen vorausgeeilt, denn Zugriff auf 50 Prozent hat sie wohl noch nicht. Aber Unicredit hält die Commerzbank mit einem Mix aus taktischem Understatement und vager Prahlerei in Atem. Finanzaufsicht und Commerzbank-Vorstand bleiben Nachhutgefechte Am Ende werden der Finanzaufsicht und dem Commerzbank-Vorstand wohl kaum mehr als Nachhutgefechte auf einem gemähten Übernahmefeld bleiben. Solange Unicredit nicht mehr als 30 Prozent besitzt, kann die Aufsicht noch gar nicht formal prüfen, ob Unicredit mit dem schon abgegebenen freiwilligen Umtauschaktienangebot die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt. Vieles spricht aber dafür, dass Unicredit damit einen Kniff gefunden hat, um das ab 30 Prozent eigentlich vorgeschriebene teurere Übernahmeangebot mit Prämie für alle Commerzbank-Aktionäre dauerhaft zu umgehen. Und wenn nicht? Wird dann der seit 5. Mai 2026 laufende Tausch, der erst im Juli 2027 abgeschlossen sein muss, rückabgewickelt? Das erscheint schwer vorstellbar. Entscheidend ist: Obwohl das Angebot nicht attraktiv ist, sind viele Commerzbank-Aktien zum Tausch in Unicredit-Aktien angemeldet worden. Mit dem getenderten Anteil von 7,6 Prozent hält Unicredit nun de facto 34,35 Prozent an der Commerzbank, hinzurechnen kann man 3,2 Prozent an Derivaten mit Lieferpflicht für Commerzbank-Aktien. Doch diese fast zehn Prozent dürfen die Aufseher nicht zählen, erst recht nicht die 13 Prozent an Commerzbank-Derivaten ohne Aktienlieferpflicht, über die Unicredit auch noch verfügt. Unicredit bleibt also trotz aller geschaffenen Fakten (Zugriff auf nahezu 38 Prozent der Commerzbank-Aktien) offiziell unter 30 Prozent. Wenn die Commerzbank nun „Foul“ schreit und die Aufsicht in Gang zu setzen versucht, erscheint das wenig aussichtsreich. Ja, es ist recht offensichtlich, dass Unicredit seit Längerem helfende Banken hat, die wohl jetzt ihre Commerzbank-Aktienpakete ihr angedient haben. Aber nein, ein solches „Acting in Concert“, also ein Handeln mit Verbündeten, ist nicht verboten, allein dagegen gibt es für Aufseher kaum Handhabe. Es stellt sich zwar schon die Frage, ob Unicredit nicht mehr als 26,77 Prozent zuzurechnen waren, sie also schon länger über 30 Prozent liegt und deswegen früher und vielleicht auch ein höheres Angebot für die Commerzbank hätte vorlegen müssen. Aufhalten lassen wird sich Unicredit mit solchen Nachhutgefechten aber wohl kaum.
