Das Ergebnis, mit dem Yasmin Fahimi auf dem Bundeskongress als DGB-Vorsitzende bestätigt worden ist, spricht für sich. Mehr als 96 Prozent der Delegierten möchten, dass sie weitere vier Jahre an der Spitze des Dachverbands der deutschen Gewerkschaften steht. Sie sind offensichtlich der Ansicht, dass Fahimi für den DGB gute Arbeit geleistet hat, und dem mag auch so sein. Schließlich klingt, was aus Teilen der Bundesregierung zu hören ist, beinahe wörtlich wie das, was die DGB-Chefin verlautbart. Ihr Einfluss ist beträchtlich. Karriere hat sie auch in der Partei gemacht Das könnte auch damit zu tun haben, dass Fahimi nicht nur auf eine gewerkschaftliche Funktionskarriere seit bald drei Jahrzehnten zurückblickt, sondern auch in ihrer Partei so hoch gekommen ist wie kein DGB-Chef vor ihr. Ihre Zeit als SPD-Generalsekretärin war kurz, aber politisch prägnant. Die Wahl eines Politikers der Linkspartei zum Ministerpräsidenten in Thüringen fiel beispielsweise hinein. Die Bundesregierung aus Union und SPD muss mit einer aufkeimenden akuten Krise, vor allem aber mit strukturellen Schwächen des Standorts Deutschland umgehen. Die Gewerkschaftschefin sagt schon über die zaghaften Vorschläge zu Sozialreformen und Flexibilisierung der Arbeitszeit, man solle davon die Finger lassen, „sonst müssen und werden wir gemeinsam dafür sorgen, dass der Protest dagegen auf die Straße kommt“. Für den Industriestandort und damit für die dort Beschäftigten, zu deren Wohl der DGB eigentlich da sein sollte, verheißt das wenig Gutes.
