FAZ 10.05.2026
11:09 Uhr

DSDS-Sieger Menowin: „Hätte ich damals gewonnen, wäre ich nicht mehr am Leben“


Er ist nach der Niederlage wieder aufgestanden: 2005 nahm Menowin Fröhlich erstmals bei DSDS teil, 2010 wurde er Zweiter – nun hat er die Casting-Show gewonnen.

DSDS-Sieger Menowin: „Hätte ich damals gewonnen, wäre ich nicht mehr am Leben“

Die Konfetti-Kanonen feuern um kurz vor Mitternacht volles Rohr im Studio 53 in Köln-Ossendorf. Menowin Fröhlich lässt sich auf den mit Goldblättchen bedeckten Boden fallen und liegt Juryboss Dieter Bohlen weinend in den Armen: 16 Jahre nach seiner traumatischen Final-Niederlage gewinnt der Sänger endlich die RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ und findet einen tröstlichen Abschluss. Laut RTL stimmten am Samstag 56,52 Prozent der Zuschauer für ihn. „Ich wollte dieses Kapitel einfach nur abschließen. Und es hat sich ausgezahlt“, sagt ein völlig in sich ruhender Sieger eine halbe Stunde nach dem Ende der Show der Deutschen Presse-Agentur und erinnert sich noch einmal an seine „DSDS“-Teilnahme 2010, nach 2005 schon die Zweite. Damals ging er als klarer Favorit ins Finale, gewann zuvor alle Liveshows, riss bei der Verkündung schon die Arme in die Höhe – und verlor dann doch völlig überraschend gegen Mehrzad Marashi. Überschattet wurden seine Auftritte damals von Drogenskandalen und Gefängnisaufenthalten, die in den Medien immer wieder thematisiert werden. Das kostete ihm den Sieg. Darum schaut Fröhlich wehmütig zurück „Es hat mir wehgetan“, sagt Fröhlich 16 Jahre später. „Ich habe mir oft die alten Videos angeguckt und gesehen, wie ich mit Menschen umgegangen bin, wie ich geredet und wie vielen Leuten ich vor den Kopf gestoßen habe. Ich hätte das damals auch schon gewinnen können, denke ich. Nur, dann wäre ich heute nicht mehr am Leben.“ Heute wirkt der 38-Jährige, der bald zum neunten Mal Vater wird, mit sich im Reinen. Er arbeite nach wie vor an seinen Macken und gehe zur Therapie. Und er will anderen Menschen zeigen, dass man nach Niederlagen wieder aufstehen kann. „Die Chance, die ich bekommen habe, habe ich wahrgenommen und ich muss niemandem mehr etwas beweisen – will ich auch nicht.“ Constance Dizendorf belegt Platz zwei Bei der über dreieinhalbstündige Liveshow traten neben den Finalisten auch der auch Star-Geiger David Garrett, „DSDS“-Dauerkandidat Menderes und Dieter Bohlen höchstpersönlich mit „You’re My Heart, You’re My Soul“ auf. Zweitplatzierte wurde die 19 Jahre alte Constance Dizendorf aus dem Kreis Böblingen. Sie hatte sich im Laufe der Staffel von einer schüchternen Juendlichen zu einem Billie-Eilish-Verschnitt gemausert und nicht nur Rapper Bushido in der Jury von sich überzeugt. Am Samstag stimmten 30,30 Prozent der Zuschauer für Constance, mit weitem Abstand vor Platz drei mit 8,75 Prozent und Platz vier mit 4,43 Prozent. Der Dritte Tyrell Hagedorn, ebenfalls 19 Jahre alt, war für Bohlen das „Überraschungsei bei „DSDS“ und sang sich als Sonnyboy mit Zahnpasta-Lächeln in die Herzen vieler DSDS-Fans. Nebenbei machte er noch sein Abitur. Auf den weiteren Plätzen landeten Paco Simic (23) aus Österreich und der in Koblenz lebende Abii Faizan (24). Bohlen sprach schon früh von einem Aufreger Am Ende war es vor allem die spannende Frage, ob Fröhlich nach 16 Jahren endlich sein TV-Trauma überwinden kann, die die Show trug, vielleicht sogar die ganze Staffel. Schon beim Casting, bei dem der 38-Jährige eigentlich nur seine Tochter begleitete und am Ende selbst (angeblich spontan) vor dem Jury-Pult um die nächste Runde sang, bemerkt Bohlen: „Da haben wir natürlich einen absoluten Aufreger: Menowin is back.“ In sozialen Medien sprachen viele von einer Inszenierung und einem Regelbruch. Wer einmal in einer Liveshow gestanden habe, dürfe nicht erneut antreten. RTL bestreitet solch eine Regel. Beim Kölner Sender dürfte man glücklich über die Rückkehr des Enfant Terrible der Show gewesen sein. Den Quoten hat es zumindest nicht geschadet. Stimmlich hat Fröhlich den Sieg, der ihm einen Plattenvertrag und 100.000 Euro beschert, auf jeden Fall völlig verdient. Im Finale performt er Michael Jacksons „Billie Jean“ (wie schon 2010) und seinen eigenen Titel „Mercy On Me“.