FAZ 11.05.2026
17:06 Uhr

Dänemark: Die „Königsrunde“ sagt: Dieser Mann soll eine Regierung bilden


Mette Frederiksen ist mit der Regierungsbildung in Dänemark gescheitert. Jetzt soll es ihr bisheriger Bündnispartner Troels Lund Poulsen richten.

Dänemark: Die „Königsrunde“ sagt: Dieser Mann soll eine Regierung bilden

Knapp sieben Wochen nach der Parlamentswahl in Dänemark hat am Montag in Kopenhagen der zweite Anlauf der Regierungsbildung begonnen. Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen war nach  wochenlangen Verhandlungen mit der Regierungsbildung gescheitert. Nun  soll der Vorsitzende der rechtsliberalen Partei Venstre, Troels Lund Poulsen, eine Mehrheit ausloten. König Frederik X. hatte Poulsen, der als Verteidigungsminister dem Kabinett von Frederiksen angehört, am Samstag zum neuen Verhandlungsführer ernannt. Die Gespräche zwischen Sozialdemokraten und Moderaten waren zuvor gescheitert. Die Partei von Außenminister Lars Løkke Rasmussen zog sich aus den Verhandlungen zurück und schlug Poulsen als neuen Chefunterhändler vor. Frederiksen hatte daraufhin dem Monarchen eine neue „Königsrunde“ empfohlen. Dabei werden alle Parlamentsparteien beim König vorstellig und geben bekannt, für wen sie sich als Leiter der Regierungsverhandlungen aussprechen. Wer die größte Unterstützung erhält, darf als Erstes versuchen, eine Regierung zu bilden. Nach der ersten Königsrunde Ende März hatte Frederiksen dieses Mandat bekommen. 14 Tage Zeit für die Regierungsbildung Nach der zweiten Königsrunde ist nun Poulsen am Zug. Seine Partei gehörte bis zur Parlamentswahl gemeinsam mit den Moderaten des früheren Ministerpräsidenten Lars Løkke Rasmussen zur Regierung von Frederiksen. Nun könnte Poulsen versuchen, eine Koalition aus Parteien des bürgerlich-konservativen Lagers auf die Beine zu stellen. Poulsen kündigte nach seiner Wahl zum Verhandlungsführer an, am Montag und Dienstag Gespräche mit den anderen Parteien zu führen. Am Montagmorgen sagte er vor Journalisten, danach wolle er Bilanz ziehen und im Laufe der Woche weitere Verhandlungen führen. Er habe sich einen strengen Zeitplan von 14 Tagen auferlegt, um eine Regierung zu bilden. Zu der Frage, welche Parteien die Regierung bilden sollten, wollte Poulsen sich nicht äußern. Er sagte, er wolle zunächst über Politik und nicht über Koalitionsmöglichkeiten diskutieren. Das Ziel sei es, eine gemeinsame politische Grundlage zu finden – „wenn diese gefunden ist, gehen wir weiter“. Wirtschaft als wichtigstes Thema Poulsen teilte am Montagmorgen auf der Plattform X mit, er wolle zunächst über Wirtschaftspolitik sprechen. „Nicht weil Geld an sich wichtig ist, sondern weil eine gesunde und starke dänische Wirtschaft die Voraussetzung für alles ist, was wir erreichen wollen: Investitionen in unsere Wohlfahrtsgesellschaft, die Energiewende, sauberes Trinkwasser.“ Poulsen sagte, das sei nur möglich, wenn Dänemark den Reformkurs fortsetze und die Grundlage für eine verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik sichere. Dass die Regierungsbildung alles andere als einfach werden dürfte, hatte sich schon in der Wahlnacht angedeutet: Die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Frederiksen wurden zwar mit rund 22 Prozent der Stimmen erneut stärkste Partei, schnitten aber so schlecht ab wie seit Jahrzehnten nicht. Die bisherige Koalition der politischen Mitte aus Sozialdemokraten, liberaler Venstre und den Moderaten kommt auf 84 Sitze im 179 Sitze umfassenden Parlament und ist damit von einer Mehrheit weit entfernt. Doch auch weder der linke „rote“ noch der rechtskonservative „blaue“ Block konnte eine absolute Mehrheit erzielen. Bei der Regierungsbildung kommt es deswegen nun auf die Stimmen der Moderaten von Außenminister Rasmussen an. Seine Partei erlitt nur leichte Verluste und könnte mit ihren 14 Mandaten zum „Königsmacher“ werden.