Liebe Leserin, lieber Leser, vielleicht gehen Sie ja heute auch noch zum Sport und gönnen sich danach einen leckeren Proteinshake? Oder alternativ einen dieser absurd teuren Riegel? Warum das gar nicht so viel bringt, wie wir denken, weiß Mediziner Andreas Michalsen. In seiner beliebten Kolumne „Richtig essen“ beschäftigt er sich in dieser Woche mit dem Hype um die Proteine. Die Liste der „High-Protein-Produkte“ im Supermarkt wächst stetig. Egal, ob Joghurt, Pudding, Pizza, Brot – kaum steht „High Protein“ darauf, greift der gesundheitsbewusste Hobbysportler zu. Da nehme ich mich nicht aus. Dabei können wir unseren Proteinbedarf auch ganz einfach mit einer ausgewogenen, eher pflanzlichen Ernährung decken, schreibt Michalsen. Und verzichten so auf unnötige Süßstoffe und hoch verarbeitete Lebensmittel, die uns schaden. Über Proteinshakes beispielsweise schreibt der Mediziner: „In besonderen Bedarfssituationen, sei es bei schweren Erkrankungen oder nach intensivem Krafttraining, kann man auf sie zurückgreifen. Sie sollten allerdings kein Grundnahrungsmittel sein.“ Aktiv zu bleiben, ist nicht nur wichtig für unsere körperliche Gesundheit, sondern auch für die geistige Fitness. Denn das Gehirn will bewegt werden, hat Altersforscher Gerd Kempermann meinen Kolleginnen Lucia Schmidt und Johanna Kuroczik im Interview erzählt. Longevity-Anhänger auf der ganzen Welt versuchen, den Alterungsprozess hinauszuzögern und so lange wie möglich so gesund wie möglich zu bleiben. Aber das Problem beginnt schon im Alltäglichen, sagt Kempermann: „Die Masse an Sinneseindrücken, die wir kriegen, ist irre groß. Und das ist das, was dem Gehirn laufend den Input liefert, den es braucht und will. Aber wenn Sie das nur noch mit dem Smartphone im Sessel machen, dann fällt die motorische Komponente bis auf die Bewegung der Daumen weg, und der Input ist viel ärmer. Ich will nicht sagen, dass das Smartphone per se schlecht ist, sondern nur, dass unsere Entwicklung zu einer sitzenden Gesellschaft ein Problem ist, weil unser Gehirn zu wenig Rückmeldung vom sich bewegenden Körper bekommt.“ „Mutter“ als Schimpfwort? Also, Handys weg und raus an die frische Luft. Lesen Sie aber bitte noch diesen Newsletter zu Ende! Ich möchte Ihnen nämlich unbedingt noch den Essay meiner Kollegin Jennifer Wiebking ans Herz legen, die darüber geschrieben hat, wie es eigentlich sein kann, dass „Mutter“ in unserer Gesellschaft ein Schimpfwort ist. Man denke nur daran, wie Altkanzlerin Angela Merkel während ihrer aktiven politischen Zeit immer wieder als „Mutti“ betitelt wurde. Das war ganz sicher nicht immer nett gemeint, sondern da schwang stets auch etwas Spöttisches mit. Jemand, der nicht ernst zu nehmen ist. Diese Abwertung ist zutiefst bedenklich. Ich selbst bin keine Mutter. Als „kinderfrei“ würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Meine Kollegin Judith Lembke sieht in dieser noch relativ neuen Selbstzuschreibung vor allem einen Indikator für eine zunehmend kinderfeindliche Gesellschaft, in der kein Platz sei für alle, die unser „Ruhebedürfnis“ stören. Die niedrige Geburtenrate gibt ihr Recht. Die Gründe dafür liegen aber womöglich tiefer. Vielen Dank, dass Sie unseren Journalismus mit Ihrem FAZ+ Abo unterstützen. Falls Sie eine Frage oder Feedback haben, erreichen Sie mich unter: n.wenzel-warkentin@faz.de. Nächste Woche schreibt Ihnen an dieser Stelle wie gewohnt wieder mein Kollege und Herausgeber Carsten Knop. Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen Ihre Natalia Wenzel-WarkentinRedakteurin vom DienstFAZ.NET
