FAZ 16.03.2026
16:23 Uhr

Der Fall Röbbig: Sammlung des untergetauchten Kunsthändlers Reyes kommt unter den Hammer


Meißener Porzellan der Spitzenklasse: Sotheby's versteigert bald Hunderte Objekte aus dem Bestand der renommierten Münchner Kunsthandlung Röbbig. Die Geschichte ihrer Insolvenz ist damit noch nicht zu Ende.

Der Fall Röbbig: Sammlung des untergetauchten Kunsthändlers Reyes kommt unter den Hammer

Als im Sommer vergangenen Jahres der Insolvenzantrag der Kunsthandlung Röbbig bekannt wurde, war das nicht nur ein Schlag für Münchens Kunsthandelsszene, sondern wurde auch von internationalen Porzellanexperten beklagt. Denn Röbbig galt als eine der weltweit führenden Adressen dieses Handelszweigs und war auf internationalen Messen wie der TEFAF prominent vertreten. Insbesondere wertvolle Exemplare der Meißener Manufaktur füllten die Vitrinen neben solcher anderer Hersteller; außerdem gehörten hochklassige Kunst- und Einrichtungsgegenstände zu Röbbigs Angebot. Forderungen in Höhe von 17 Millionen Euro und eine Strafanzeige Ein gewandelter Markt hatten Alfredo Reyes, den Inhaber der Firma seit Gerhard Röbbigs Tod im Jahr 2012, in Bedrängnis gebracht. Hinzu kamen Steuerschulden und ein opulentes Geschäftsgebaren – allein der Blumenschmuck der legendären Galadiners, so berichten Teilnehmer, hätte ein Vermögen gekostet. Insolvenzforderungen in Höhe von 17 Millionen Euro wurden von knapp vierzig Gläubigern angemeldet; 2,8 Millionen Euro hat der Insolvenzverwalter Dino Straub bislang anerkannt. Gegen Reyes wird überdies nach einer Strafanzeige eines möglichen Geschädigten wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue ermittelt. Wo der Antiquitätenhändler sich derzeit aufhält, ist nicht bekannt. Zur Verwertung der mehr als 700 in acht Wohn- und Lagerstätten in Deutschland, Österreich und Frankreich aufgefundenen Objekte aus der Kunsthandlung kündigte Straub nun Versteigerungen an, die Sotheby’s am 24. Juni live sowie online in Paris und am 17. September online in Köln abhalten wird. In der Ankündigung des Auktionshauses preist dessen Münchner Ehrenvorsitzender Heinrich von Spreti die Kunsthandlung Röbbig noch einmal als „Synonym für Kennerschaft, Qualität und Stil im Bereich des europäischen Porzellans und Kunstgewerbes“. Zum Aufruf kommen sollen unter anderem ein bedeutender Teil des um 1760 für Graf Karl Wilhelm Finck von Finckenstein gefertigten Meißener Services, das vermutlich ein Geschenk Friedrichs des Großen war (Taxe 30.000 bis 50.000 Euro) sowie ein seltenes Paar Du-Paquier-Vasen mit Deckeln aus der Zeit um 1740 (40.000/60.000). Ergänzt wird die Offerte durch Gemälde, Möbel und Kunstwerken aus dem 17. und 18. Jahrhundert.