Geologisch betrachtet ist der Spessart wenig spektakulär. Bei den großen Gebirgsauffaltungen vor 400 bis 250 Millionen Jahren fielen seine Hebungen geringer aus und ermöglichten über sehr alten Schichten von Gneis und Glimmerschiefer den Aufbau einer gewaltigen Buntsandsteindecke. Nur an wenigen Stellen tritt sie offen zutage; lediglich im südwestlichen Spessart, wo der Main sein Bett tief eingegraben hat, gibt sich die Mächtigkeit zu erkennen. Es bedarf schon der Gewalt von reißendem Wasser, damit auch ältere Lagen zum Vorschein kommen. An der westlichen Abbruchkante haben Sturzbäche lange genug den Sandstein abgeschliffen, um die tieferen Schichten freizulegen; am beeindruckendsten in der Rückersbacher Schlucht unterhalb der namengebenden Gemeinde. Auf rund drei Kilometern schuf die Sägearbeit des Rückersbachs eine Kulisse fast senkrechter Felsen und Flanken. Noch stimmungsvoller wirkt sie im Winter, wenn mangels Blättern Sonnenlicht den Glimmerschiefer zum Leuchten bringt. Den Kräften der Erosion stärker ausgesetzt, traten auch sehr viel jüngere Schichten hervor. Phonolith und basaltähnliches Nephelin sind Zeugen des einzigen nennenswerten Vulkanismus im Spessart. Zuerst kam es vor 55 Millionen Jahren zu sogenannten Massenausbrüchen, woran der Phonolith erinnert. Dagegen standen die gut zehn Millionen Jahre später erfolgten explosionsartigen Auswürfe vermutlich im Zusammenhang mit den tektonischen Verschiebungen beim Einbruch des Oberrheingrabens. Das konnte der Entwicklung des Untermains zu einem begehrten Siedlungsgebiet nur zugutekommen, besaß aber eine Kehrseite in der Bedrohung durch Hochwasser oder großräumig versumpften, infektionsgefährdeten Gebieten. Erst Dämme und Trockenlegungen in jüngerer Zeit minderten die Gefahr. Selbst den Ausgang einer der blutigsten Schlachten im hiesigen Raum beeinflusste das brackige Geläuf. Durch einen übereilten, von Morast behinderten Angriff verspielten die Franzosen bei der Schlacht von Dettingen am 27. Juni 1743 im Österreichischen Erbfolgekrieg ihre strategisch bessere Position gegen die aus Engländern, Österreichern und Hannoveranern gebildete „Pragmatische Armee“, die buchstäblich mit dem Rücken zur Spessartwand stand. Damals noch unzugänglich, gab es kein Entweichen, und erst ein Gegenangriff unter dem britischen König Georg II., der sich mutig in das Getümmel geworfen hatte, bewahrte die Alliierten vor der Niederlage. Am Ende lagen rund 5000 Mann tot auf der Walstatt. Die Opferzahlen dürften deutlich höher liegen, da viele Soldaten in den provisorischen Hospitälern, wie im Kloster Seligenstadt, unzureichender Wundversorgung oder Epidemien erlagen. Für den weiteren Kriegsverlauf war das Gemetzel von geringer Bedeutung, wurde aber in Groß-Britannien zum Mythos durch den Kampfesmut des aus dem Hause Hannover stammenden Königs Georg II., geistlich überhöht durch Georg Friedrich Händels „Dettinger Te Deum“. Wenige Monate später wurde es bei Anwesenheit des gesamten Hofes mit großem Erfolg uraufgeführt. Wegbeschreibung Der Rückersbacher Schlucht nähert man sich in einem weiten Bogen von der Ebene durch Wald zur aussichtsreichen Höhe, bevor der Taleinschnitt in ganzer Länge durchschritten wird. Bahnfahrer starten etwas außerhalb an einer nach der Schlucht benannten Station. Allerdings besteht keinerlei Parkmöglichkeit, da die benachbarte, zu Kleinostheim gehörende Eigenheimsiedlung Waldstadt trotz großzügiger Straßen ausschließlich Anliegern vorbehalten ist. Ein kleinerer Parkplatz liegt am „Schluchthof“ sowie nahe der Mariengrotte im Wald. Zufahrt vom autobahnnahen Hörstein; auch dort, an der Mehrzweckhalle, stehen Parkplätze zur Verfügung. Kaum von den eingetieften Gleisen in Waldstadt heraufgekommen, sichtet man die Markierung rotes X. Sie gilt aber nur für 400 Meter bis zum Anschluss an das Naturpark-Zeichen schwarzer Fuchs. Der nimmt sogleich eine Fährte durch dichten Wald auf. Von der geraden Linie weicht er lediglich einmal nach 500 Metern rechts am Richtungspfosten Eichelacker ab. Der Wald endet gut 20 Minuten später vor dem „Friedensstein“, einem Findling, der zur Erinnerung an die Dettinger Schlacht 1981 aufgestellt wurde. Ihm wurde zum 275. Jahrestag 2018 einige Meter rechts davon an der vormaligen – längst trockengelegten – Kampfesstätte ein „Roter Engländer“ in aparter Rostanmutung zur Seite gestellt. Er symbolisiert Mut und Standhaftigkeit von König Georg II. Noch unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs hatten 1950 Mitglieder der Deutschen Katholischen Jugend am Waldrand eine Mariengrotte errichtet. Sie dient der inneren Einkehr wie als Friedensmal. Vor der aus verschiedenen Spessartsteinen zusammengesetzten Grotte weist der Fuchs ansteigend in den Wald. Den breiten Hauptweg verlässt er nach 200 Metern links ab. Autofahrer, die auf dem Parkplatz oberhalb davon starten, müssen also einige Meter zurücklaufen und spitzwinklig rechts. Langsam und stetig gewinnt man an Höhe, zunehmend steiler werdend. Das tiefe Bachtal linker Hand erscheint wie ein Vorbote der Rückersbacher Schlucht, mögen auch die Felsen fehlen. Zum Einstieg in das Naturwunder muss man erst wieder talwärts gehen, seit der Fuchs weit oben scharf links abbog und 400 Meter später den Richtungspfosten Plattenberg erreichte. Hier hat man die Wahl, direkt in die Schlucht abzusteigen oder noch eine Schleife über die Siedlung Rückersbach anzuhängen. Die erstgenannte Variante ist dem roten Vogel (Bekassine) gen Klärwerk vorbehalten. Bald lässt er den Wald zurück und „fliegt“ neben einer Streuobstwiese. Hat er im Anschluss an eine Rechtskehre einige Gebäude passiert, nähert man sich unten dem Klärwerk. Davor wechselt man – unbenommen des Vogels – rechts zum Zeichen rotes X. Bei der zweiten Variante führt ein breiter Weg gen Rückersbach aus dem Wald der wie ein Gebirgsnest am Hang sitzenden Gemeinde entgegen. Die Enge gibt nur der kurvigen Landstraße Platz, der dann nach rechts zu folgen ist, bald auf Bürgersteig. Eine Rechtskurve eröffnet einen Sichtkorridor ins Rhein-Main-Gebiet, ehe es zur Pfarrkirche leicht aufwärts geht; gegenüber steht das Hotel-Restaurant „Rückersbacher Schlucht“ mit deutsch-kroatischer Küche. Wild ineinander verkeilte Stämme beherrschen die Szenerie Aus der Linkskehre läuft man mit dem roten X geradeaus, durchmisst auf kräftig fallenden Links-rechts-Kurven Obstbäume und stößt vor der Schlucht zu den Abkürzenden. Die Schlucht hat gewonnen, seit auch hier umgestürzte Bäume nicht mehr entfernt werden. Die wild ineinander verkeilten Stämme beherrschen im oberen Teil die Szenerie, während tiefer unten mächtige Felsen die steilen Wände hinaufwachsen. Platz für einen bequemen Asphaltweg bleibt gleichwohl auf der gesamten Strecke. Den Blicken entzieht sich das später angezeigte Phonolith-Geotop. Über holprige Pfade muss hierfür ein zehnminütiger Abstecher zu dem früheren Steinbruch eingelegt werden. Eine blank polierte Fläche lässt sich am Hauptweg zum Klingen bringen. Das vulkanische Material gilt als einziges Vorkommen Bayerns, rar genug, es als „Gestein des Jahres“ 2014 zu küren. Bald darauf besteht die Möglichkeit, mit dem blauen M rechts zum Parkplatz zurückzukehren und das italienische Restaurant „Heißerackerhof“ aufzusuchen. Der ausgeschilderte Weg verläuft anschließend abgesetzt von dem Zufahrtssträßchen über einen Pfad im Wald. Oder man geht die Schlucht bis zum Ende und kehrt im gleichnamigen Gasthof ein. Bahnnutzer laufen von dort geradeaus weiter, begleitet von den Autofahrern, so sie nicht das Sträßchen nutzen, um, wie eingangs beschrieben, auf der anderen Talseite mit dem Zeichen schwarzer Fuchs zurückzukehren. Anfahrt Über die A 45 bis Anschlussstelle Karlstein; noch vor Hörstein ist die Räuschberghalle (mit Parkmöglichkeit) angezeigt. Weiter bis an den Wald in Höhe des Wasserwerks; hier geht es links hinauf zum Parkplatz Mariengrotte. Bahnverbindungen über Hanau oder Kleinostheim fast alle halbe Stunde zur Station Rückersbacher Schlucht. Sehenswert Weltgeschichte wurde selten im Spessart geschrieben, und nur einmal fand dort eine größere Schlacht statt – die von Georg Friedrich Händel durch das „Dettinger Te Deum“ glorifizierte vom 27. Juni 1743 bei Dettingen. Ein Findling und eine 1950 aus verschiedenen Spessartsteinen gebildete Mariengrotte erinnern an die Opfer und mahnen zum Frieden. Gneis, Glimmerschiefer und Phonolith entnahm man der Rückersbacher Schlucht. Auf drei Kilometern ist dort der sonst vorherrschende Buntsandstein durchbrochen. Auch der Bruchstein des Wehrturms von 1450 der Kirche Mariä Himmelfahrt in Hörstein entstammt älteren Schichten. Einkehren Gasthof Schluchthof, montags Ruhetag, dienstags bis sonntags von 11 Uhr an geöffnet Gasthof Heißerackerhof, dienstags Ruhetag, sonst 11.30 bis 14.30 und 17 bis 22 Uhr Restaurant Rückersbacher Schlucht, mittwochs bis freitags von 17 Uhr an, samstags, Sonn- und Feiertage von 11.30 bis 22 Uhr
