Durch die große Fülle an Ostermärkten ist inzwischen fast in den Hintergrund getreten, dass der Brauch, kunstvoll verzierte Eier öffentlich zu zeigen, noch recht jung ist. Gewiss nicht zufällig erfuhren traditionelle Mal-, Schreib- oder Klebetechniken mit dem Wiederentdecken historischer Bausubstanz und volkskundlichen Brauchtums seit den Siebzigerjahren eine Renaissance. Erstmals gab es im Europäischen Denkmalschutzjahr 1975 einen Ostereiermarkt in Marburg, dem viele folgten und bei dem sie mithalfen, schwierige Techniken wie etwa das für Oberhessen typische Wachs-Reserve-Verfahren zu bewahren. Früh öffnete auch das Heimatmuseum in Friedrichsdorf-Seulberg seine Tore den Künstlern am Ei. Schon zum 45. Mal wird ein entsprechender Markt an diesem Sonntag veranstaltet. Mehrere der jeweils etwa 30 Teilnehmer, die zudem florale, Holz- und Keramikarbeiten zeigen, kommen seit Jahren, da sie die familiäre und authentische Atmosphäre schätzen. Sie wird getragen vom Anspruch, den Lebensumständen der Altvorderen unter Verzicht auf multimediale Spielereien realitätsnah gerecht zu werden. Eine Besonderheit ist das Zusammenführen beider: Die Kunsthandwerker sitzen in den Kulissen der vollständig eingerichteten Werkstätten von Schuster, Töpfer und Schreiner, während in der landwirtschaftlichen Abteilung Kinder kreativ basteln dürfen. Auch sonst entwickelte sich das Haus dank umfangreichen Begleitprogramms für Groß und Klein zum sozialen und kulturellen Mittelpunkt des ältesten Friedrichsdorfer Stadtteils. An die Ersterwähnung anno 767 und die Feierlichkeiten zum 1250. Bestehen im Jahr 2017 erinnert eine Aufschrift über die gesamte Wand des Privatgebäudes neben dem Museum. Ein „Schwätzkreis“ widmet sich gar der Pflege des örtlichen Idioms („Sellwisch“), einschließlich der Herausgabe eines Lexikons. Hierbei schwingt noch der Stolz mit, dank ergiebiger Tonvorkommen einst das wirtschaftlich kräftigste Dorf der Landgrafschaft Homburg gebildet zu haben – am Friedhof steht der gemeinschaftlich genutzte Töpferofen aus dem frühen 19. Jahrhundert – und seit der Eingemeindung 1972 den größten Stadtteil von Friedrichsdorf zu stellen. Als Morgengabe erhielt der örtliche Geschichtsverein damals den stattlichen Barockbau, einst Rathaus und Schule, in dem heute das Heimatmuseum seine auf mehr als 10.000 Exponate angewachsene Sammlung ausbreitet. Wegbeschreibung Vor dem Museumsbesuch steht eine Wanderrunde durch die abwechslungsreiche Umgebung von Friedrichsdorf zwischen Naturschutzgebiet, Laubwäldern und ausgedehnten Streuobstwiesen. Beginn ist an der Seulberger S-Bahn-Station. Von der ortszugewandten Seite – und dem dortigen Parkplatz – gelangt man via hohen Fußgängersteg zur Römerstraße; mit ihr geht es rechts leicht abwärts in die offene Senke des Seulbachs. Hinter der Kreuzung mit der Berliner Straße lässt sich zwischen dem linken Rand – vorbei an Sportanlagen – oder dem rechten wählen. Hier verläuft ein Pfad entlang des Gewässers vor den Gärten von Eigenheimen. Nach der Linkskurve gut 500 Meter weiter treffen beide Varianten zusammen und halten auf die Landstraße zu. An ihr geht es auf abgesetztem Weg kurz nach rechts bis auf Höhe des kleinen Parkplatzes, nach dem Überqueren wird dann vor den ersten Bäumen links in den Hang eingeschwenkt. Begleitet von knorrigen Eichen und Buchen, strebt man dem Waldrand entgegen. Dort geht es dann nach links mit den Markierungen grüner Strich sowie dem schon zuvor aufgetretenen blauen Punkt. Aus dem Forst weisen sie jenseits des Sträßchens in das naturgeschützte Kirdorfer Feld ein. Allen Begehrlichkeiten zum Trotz bleibt dieses 133 Hektar große Areal gewissermaßen in Bestlage frei von baulicher Erschließung. Zum Queren in südliche Richtung ergeben sich je nach Gusto mehrere Möglichkeiten. Für die kürzeste biegt man gleich links in den Heidweg. Knapp 200 Meter weiter erlaubt ein begraster Weg das Laufen zwischen Obstbäumen. Bei Nässe ist der Weg im unteren Teil allerdings fast unpassierbar. Auf der sicheren, weil befestigten Seite ist man mit der dritten Option. Hierzu lässt man nach 250 Metern die Markierungen links abwärts zurück. Es geht erst durch Links-, Rechtskurven, dann eine längere Passage geradeaus. An der Kleingarten-Kolonie biegt man links ein, und hinter der nahen Gabelung geht es auf unbefestigtem Weg nach rechts wieder leicht bergauf. Am Heidweg heißt es rechts und kurz darauf links zum Rotlaufweg. Die von stattlichen Villen gesäumte Straße verbindet mit dem ampelgeregelten Zugang in den Hardtwald. Dem zunächst asphaltierten Weg über den Gipfelgrat kann man für einige Hundert Meter auf dem rechtsseitigen Pfad bis zu einer Kreuzung ausweichen. Fortan ist der schnurgerade Forstweg zielführend. Nach 400 Metern eröffnet er die Möglichkeit, gen Seulberg zu verkürzen. Auch der Hauptweg unter stattlichen Buchen verliert an Höhe, fortgesetzt vom Waldrand an, falls per kurzem Abstecher das Aussichtstürmchen Ellerhöh inmitten eines gehobenen Wohnquartiers einbezogen werden soll (Straße Am Baumgarten). Wieder zurück gibt die Ausschilderung „Jüdischer Friedhof“ über einen Schlängelpfad zwischen den feldnahen Bäumen das nächste Ziele vor. In Sichtweite eines eingezäunten Eichenhaines biegt man nach rechts ab zum früheren, ins 17. Jahrhundert reichenden jüdischen Friedhof von Seulberg. Das von zwölf hohen Basaltsäulen für die israelitischen Stämme flankierte Tor wurde den Gesetzestafeln der Zehn Gebote nachempfunden. Anschließend findet das Geradeaus zwischen Streuobstwiesen seine Fortsetzung, bis knapp vor Bahngleisen nach links abzubiegen ist, um diese dann zu unterqueren. Gleich dahinter könnte man auf der Straße Frankfurter Hohl den direkten Weg zur S-Bahn wählen. Aber noch steht der Besuch des Heimatmuseums aus. Morrstraße und die Straße Alt-Seulberg leiten hinüber. Ihr gebührt zunächst auch das Schlussstück – vorbei am „Töpferbrunnen“ –, bis sich links nach 200 Metern eine schmale Grünanlage auftut. Sie mündet in die Straße Am Placken und diese in die Herrenhofstraße, endend an der S-Bahn-Station. Anfahrt Friedrichsdorf-Seulberg liegt zwar in Nachbarschaft zur A 5, hat aber keine Anschlussstelle. Von der Ausfahrt Nieder-Eschbach der A 661 fährt man Richtung Bad Homburg und nach Unterqueren der A 5 rechts auf die parallel verlaufende Umgehungsstraße, Abzweig Seulberg (von Norden A 5, Ausfahrt Friedberg). Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Seulberg mit der Taunusbahn sowie der S 5 zu erreichen. Sehenswert Friedrichsdorf-Seulberg besitzt trotz seiner bis ins 8. Jahrhundert reichenden Geschichte keine älteren Bauwerke. Bewahrt ist die Grundanlage als „Rundling“ zwischen zwei Armen des Seulbachs. Überragt wird die Gemeinde vom 50 Meter hohen Turm der aus Backstein gemauerten Pfarrkirche von 1862; gegenüber steht das vormalige Rat- und Schulhaus aus dem späten 18. Jahrhundert, heute Heimatmuseum mit umfangreichem Veranstaltungsprogramm. Versetzt zum Friedhof hat sich der gemeinschaftlich genutzte Brennofen der Töpferzunft erhalten. Außerhalb blieb der drei Jahrhunderte lang genutzte jüdische Friedhof unverändert. Zwölf Basaltsäulen für die israelitischen Stämme flankieren das den mosaischen Gesetzestafeln nachempfundene Tor. Öffnungszeiten Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr, zum Ostermarkt am 22. März von 10 Uhr an. Eintritt frei.
