Wasser ist das Lebenselixier des Odenwaldes. Von drei Strömen, dem Rhein, dem Main und dem Neckar gefasst, waren es Flüsse wie Gersprenz, Weschnitz oder Mümling, an denen entlang die Besiedlung erfolgte. Da wundert es nicht, dass auch Quellorte erobert, geschützt und symbolträchtig überhöht wurden. So entstand nahe dem Ursprung der Weschnitz an einer vorchristlichen Kultstätte die später Walburgis gewidmete Kapelle, und in Güttersbach erwuchs ein Kirchlein über einer seit alters her als wundertätig aufgesuchten Quelle. Am Anfang stand Einhard, Berater und Biograph von Kaiser Karl dem Großen, den es durch die Schenkung mit der Mark Michelstadt in den damals kaum erschlossenen Odenwald verschlug. Das war der frühen Christianisierung gewiss förderlich, Einhard zog dann aber Seligenstadt am Main der Einsamkeit von Odins Wäldern vor. Ein eigener Wanderweg folgt dem zeitgenössisch dokumentierten Umzug anno 828 mit den aus Rom beschafften Reliquien. Zurück blieb die Basilika in Steinbach mit den ausgesparten Grabnischen für Einhard und dessen geliebte Gattin Imma – und eine Legende. In Güttersbach habe er aus Dankbarkeit ein erstes Gotteshaus veranlasst, seit die erkrankte Imma von dem dort entspringenden Wasser genesen sein soll. Das sprach sich herum und verlangte nach einer Kirche, die man ähnlich anderer Kapellen im Odenwald, etwa in Amorsbrunn, später um den Born errichtete. Der ist unterdessen versiegt und lebt nur in der populären Bezeichnung „Quellkirche“ fort. Das am Kirchenaufgang sprudelnde Wasser firmiert unabhängig davon als Kindlesbrunnen. Bei der jüngsten, vierjährigen Restaurierung fanden sich keine Hinweise auf eine frühmittelalterliche Gründung. Und doch war die Überraschung groß, da die Kirche weitaus älter ist als bislang angenommen. Man wusste zwar, dass der romanische Turm vor der Erstnennung 1290 errichtet sein musste. Aber niemand erwartete eine Datierung in die Jahre um 1150, wie die Untersuchung des Verputzes im Turminneren erbrachte. Darin gebundene Holzkohle- und Schlackenreste konnten mit der C14-Methode bestimmt werden, was zudem den Nachweis einer der frühesten Stätten für Bergbau und Metallverarbeitung im Odenwald bedeutete. Davon blieb aber im Landstrich nichts außer verfallenen Stollenzugängen, überwucherten Halden und umgewidmeten Eisenwerken, worauf auch der Ortsname von Hüttenthal verweist. Der Landstrich wird unterdessen großflächig renaturiert. Sollten noch weitere Abschnitte der Wälder der Bewirtschaftung entzogen werden und weitere Bäche frei fließen dürfen, dann nähert sich der Odenwald bald dem Urzustand wie zu Einhards Zeiten an. Mit dem schönen Unterschied, dass man dank des dichten, vorbildlich gepflegten Wegenetzes die Wandlung gut beobachten kann. Selbst das letzte Moor im Odenwald, genannt Rotes Wasser, das derzeit aufwendig vernässt wird, kann auf ganzer Länge abgegangen werden. Wegbeschreibung Obwohl an einer Bundesstraße liegend, wird das zur Großgemeinde Mossautal zählende Hüttenthal nur werktags von einem Bus direkt angefahren. Dafür bietet die Haltestelle vor der Mossautalhalle am Abzweig in Richtung Güttersbach viel Parkraum. Am oberen Rand geht es nach rechts, bis nach wenigen Schritten die Markierung des Nibelungensteigs, ein rotes N, aufgenommen wird. Der quer durch den Odenwald führende Fernweg strebt hier mit Rotem Wasser und Siegfriedbrunnen dem mythisch aufgeladenen Kernteil des Nibelungenlieds zu. Ein authentischer Verlauf muss offenbleiben; Hauptkriterium sind die Anforderungen eines „Qualitätsweges“. Entsprechend dauert es nicht lange, bis der Steig, statt den direkten Weg zu wählen, ein Waldstück per Schlängelpfad im Bergan durchmisst, oben knapp davor und rechts zu einer Schutzhütte mit Sichtkorridor ins Marbachtal. Am nahen Richtungspfosten orientiert man sich nach rechts, und kurz darauf geht es nach links für den Abstieg gen Güttersbach zwischen hochstehenden Wiesen. Den Blick zur Quellkirche verdeckt eine ausladende Linde. In der Dorfmitte zeigt sich die Kirche durch ihre erhöhte Lage dann umso mächtiger. Der Steig umgeht die Pfarrkirche für die beste Sicht auf das rot-weiß leuchtende Mauerwerk. Die Größe ringsum angesiedelter Hotels lässt einen regen Pilgerzuspruch erwarten. Doch der ist wie die Quelle im Kircheninneren längst versiegt. Den Ort verlässt man auf einer prachtvollen Eichenallee, die bis zum Friedhof an der Landstraße führt. Selbiger folgt man kurz und schwenkt dann nach rechts in die Felder, nach 300 Metern geht es dann links dem Wald entgegen. Der gibt die Wanderer nicht mehr frei. Zweimal wird ein Sträßchen gekreuzt. Dazwischen weicht der Steig links auf einen Pfad aus, ehe es in Höhe des verwitterten Olfener Bildes über Asphalt kräftig fallend talwärts geht, um noch vor dem Waldrand rechts gen Rotes Wasser abzubiegen. Birken und Buschwerk verbergen zunächst das Moor, bevor es sich beeindruckend hinter der Gabelung links öffnet. Arbeiten zur Bewässung des Moores Das Wegzeichen N verharrt vor den von Seggen und großen Mooskissen umgebenen, rötlichbraunen Wassertrichtern und begleitet dann rechtsseitig einen zwischen Farn und Birken schlängelnden Pfad. Dass die Bäume weiter oben teils gelichtet und in der Senke breite Spuren gefräst wurden, ist aktuellen Arbeiten zur besseren Bewässerung des einzigen echten Moors im Odenwald geschuldet – die Pfade sind davon nicht berührt. Bleibt auch der letzte Farnbüschel zurück, setzt der Weg unter Fichten und Douglasien zu zwei Serpentinen an, worauf es dann links noch etwas höher geht. Mit Erreichen eines Richtungspfostens weist das N links ab. Möchte man optional den Siegfriedbrunnen einflechten, an dem Hagen von Tronje den edlen Recken Siegfried gemeuchelt haben soll, folgt man dem Weg unverändert. Allerdings beschreibt er ausholende Schleifen. Kürzer ist die Variante mit der gelben 3 geradeaus. Noch besser, weil stimmungsvoller ist eine dritte Möglichkeit, die sich aus dem weiteren Verlauf ergibt. Hierfür wechselt man nach rechts zum roten Kreuz. Per Linksbogen weist es leicht abwärts in einen Wald hochstämmiger Laub- wie Nadelgehölze, unter denen frisch ergrünte Heidelbeersträucher stehen. Wenn nach 400 Metern geradeaus die Markierungen G 2 und MD 1 (grün) entgegenkommen, ist dies das Signal, mit ihnen nach rechts – leicht verdeckt – abzubiegen. Es sei denn, man verbleibt beim roten Kreuz für den auch jetzt möglichen, durch ein dichtes Fichtenspalier führenden Abstecher zum gut 500 Meter entfernten Siegfriedbrunnen. Auf dem regulären Weg treten die beiden Zeichen nach 400 Metern an der Gabelung vor einer markanten Eichengruppe auseinander. Man geht mit MD 1 nach rechts, bald links und den Hang durch luftigen Baumbestand hinunter, wobei die Markierung GÜ 5 hinzutritt. Gemeinsam führen sie an der mächtigen Fuchseiche vorbei und weiter ins Mösselstal; dort geht es nach rechts mit MD 1. Nach wenigen hundert Metern wird der Weißfraubrunnen angezeigt. Rechts in den Pfad abweichend, entdeckt man eine kleine Plastik inmitten von Mooskissen vor einer Quelle. Eine Tafel klärt auf, dass es sich um ein aus Alabaster gearbeitetes Frauenbildnis der Bildhauerin Eva-Gesine Wegner handelt, die ihre Werke im Projekt „Quellendank“ an besonderen Wasserorten aufstellt. Das kleine Biotop entpuppt sich als Vorläufer zu einem weitaus größeren. Wo bis vor einigen Jahren Vieh graste, sieht man vor lauter Bäumen kaum mehr das zu brackigen Arealen aufgelöste Wasser. Birken und Eschen verdecken es fast, erst tiefer unten lockern sie zugunsten von Ginster und Farnfeldern auf. Auf dem Weg gen Hüttenthal dominiert wieder Gras. Schlussendlich ist der abgesetzte Fußweg neben der Straße über gut 500 Meter zum Ausgangspunkt zu nutzen. Einen Besuch wert ist die nahe Molkerei. Die letzte ihrer Art im Odenwald besitzt einen Laden, und sonntags kann man die Produkte am Automaten kaufen. Das parkartige Areal steht jederzeit offen. Anfahrt Über die A 5, Ausfahrt Heppenheim, und weiter auf der B 460 bis zum Abzweig gen Güttersbach; oder östlich auf der B 45 via Erbach zur B 460. Parken kann man an der Mossautalhalle. Es gibt lediglich werktags direkte Bahn-/Busverbindungen über Michelstadt. Sehenswert Eine der ältesten (Quell-)Kirchen des Odenwalds steht im Mossautaler Ortsteil Güttersbach. Erstmals 1290 erwähnt, erbrachten vierjährige Restaurierungsarbeiten den Nachweis, dass der Turm aus dem mittleren 12. Jahrhundert stammt, das Langhaus aus der Gotik und die Ausstattung, darunter die Orgel, aus dem Barock. Die als wundertätig verehrte Quelle, um die das Gotteshaus entstand, ist oberirdisch versiegt; offen tritt der Kindlesbrunnen unterhalb davon zutage. In der Umgebung blieb mit dem Roten Wasser das einzige echte Moor im Odenwald erhalten. Das 16 Hektar große Naturschutzgebiet zeichnen flächenhafte Bestände an Seggen, Wollgras, Farnen und Moosen aus, der Luftraum gehört seltenen Libellenarten wie der Quelljungfer. Aktuell laufen Arbeiten zur besseren Durchnässung des Biotops, wozu vorrangig Birken und Fichten entfernt werden. Das Begehen ist davon nicht berührt.
