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20.09.2026
20:08 Uhr
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Partei muss um Einzug in Landtag bangen +++ Auch Wiedereinzug der CDU nicht sicher +++ Merz: Reformen müssen kommen +++ Grüne in Berlin für Koalition mit der Linken und SPD +++ alle Entwicklungen im Liveblog

MV: BSW-Spitzenkandidat Schabbel schließt Koalition mit AfD ausNoch ist unklar, ob das BSW den Einzug in den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns schafft. Aktuelle Hochrechnungen sehen die Partei bei 4,9 Prozent – damit würde es nicht reichen. BSW-Spitzenkandidat sagte am Sonntagabend, seine Partei sei womöglich das Zünglein an der Waage. „Wir treten für einen überparteilichen Ministerpräsidenten und ein Parlament mit wechselnden Mehrheiten ein“, sagte Schabbel. Auch in Sachsen-Anhalt, wo das BSW bei der dortigen Landtagswahl vor zwei Wochen mit 5,27 Prozent in den Landtag eingezogen war, tritt die Partei für ein solches Modell ein.Gleichzeitig schloss Schabbel eine Koalition mit der AfD in Mecklenburg-Vorpommern aus. „Dabei bleiben wir, das ist unsere klare Haltung“, erklärte er. Es werde aber „in der Sache gemeinsame Abstimmungen geben können\".
Berlin: Bei den Jungen kommt die Linke über 40 ProzentDass die Linke in Berlin heute ihr bislang bestes Ergebnis erzielen kann, hat sie vor allem den jungen Wählern zu verdanken: Laut Nachwahlbefragungen wählten 43 Prozent der 16 bis 24 Jahre alten Wähler die Partei von Elif Eralp. Bei Wählern über 70 Jahre kommt die Linke gerade einmal auf 14 Prozent – und landet in dieser Altersgruppe damit auf dem dritten Platz.Vorn liegt bei den älteren Wählern in Berlin die CDU mit 34 Prozent, gefolgt von der SPD mit 20 Prozent (die bei den Jungen gerade einmal 7 Prozent der Stimmen erhält). Bei Grünen und AfD sind die Unterschiede zwischen jungen und alten Wählern laut den Nachwahlbefragungen deutlich geringer.
MV: Grünen-Spitzenkandidatin Müller enttäuscht über WahlergebnisDie Grünen-Spitzenkandidatin in Mecklenburg-Vorpommern, Claudia Müller, hat sich am Sonntagabend enttäuscht über das Wahlergebnis ihrer Partei gezeigt. „Das Gesamtergebnis kann uns alle nicht zufriedenstellen. Es ist uns nicht gelungen, dass die große breite demokratische Mehrheit abgebildet wird“, sagte Müller. Die Grünen ziehen laut Hochrechnungen mit 5,4 Prozent zwar wieder in den Schweriner Landtag ein, verlieren aber im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl 2021 fast einen Prozentpunkt.Müller signalisierte zugleich Bereitschaft, Regierungsverantwortung zu übernehmen: „Wir haben weiterhin die Chance, stabile demokratische Mehrheiten zu bekommen“, sagte sie. „Dafür stehen wir auch bereit.“ Zugleich kritisierte Müller die Polarisierung im Wahlkampf: „Die Polarisierung hat wieder die AfD stärker gemacht, wie wir es bei anderen Landtagswahlen in den letzten Jahren gesehen haben“, sagte sie. Auch Politiker von CDU und Linken hatten kritisiert, der Wahlkampf habe sich auf einen Zweikampf zwischen SPD und AfD verengt.
Hoppermann: Stimmung im CDU-Präsidium „sehr angespannt“CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hat das Statement von Kanzler Friedrich Merz am Wahlabend damit erklärt, dass dieser nach den Gewinnen von AfD und Linke ein Zeichen der Stabilität habe senden wollen. „Wir wollen die Sozialversicherungssysteme zukunftsfest aufstellen, damit wir auch in Zukunft denen helfen können, die Hilfe brauchen“, sagte sie im ZDF. „Wir sehen, dass gerade auch die Krisen und Kriege in der Welt für Ängste und Verunsicherung sorgen.“ Auf die Frage, wie die Stimmung im CDU-Präsidium sei, sagte sie: „Die Stimmung im Präsidium ist sehr angespannt und sehr ernst, das ist ja anhand dieser Ergebnisse auch nachvollziehbar.\"
Wie Eralp ihre Wähler überzeugt hatElif Eralp stand in der Berliner Landespolitik lange in der zweiten Reihe. Als Spitzenkandidatin der Linken hat sie ihre Partei in der Hauptstadt durch den Wahlkampf geführt – mit dem Ziel, Berlins erste linke Regierungschefin zu werden. Unser Korrespondent Stephan Klenner hat Eralp in den vergangenen Wochen im Wahlkampf begleitet. Sein ausführliches Portrait ist vor der Wahl auf FAZ.NET erschienen. Lesen Sie hier, wie die Spitzenkandidatin der Linken ihre Wähler überzeugt und was die Partei für die Zeit nach der Wahl geplant hat:
Berlin: Linke will regieren, Grüne und SPD bekräftigen ihre BedingungenWahlsiegerin Elif Eralp will in Berlin regieren, daran lässt sie am Wahlabend keine Zweifel. Und die beiden Partner, die sie dafür braucht, lassen schon erkennen, worum es in möglichen Koalitionsverhandlungen gehen wird:„Die Berlinerinnen und Berliner haben mir, haben uns, den klaren Auftrag fürs Rote Rathaus gegeben“, sagt Eralp, die für die Linke das beste Ergebnis jemals in der Hauptstadt erzielt hat. „Ich will Regierende Bürgermeisterin für Berlin werden, damit die Menschen in unserer Stadt wieder ein besseres Leben haben.“Auch die Grünen streben nach der Wahl eine rot-grün-rote Koalition an. „Wir wollen jetzt Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit SPD und Linken ein progressives Bündnis für Berlin schmieden“, erklärten die beiden Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai Abend. Der grüne Bundesvorsitzende Felix Banaszak sagte in Bezug auf Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: „Wir stehen bereit, Verantwortung in beiden Landtagen zu übernehmen.“ Für eine Beteiligung an einer Koalition unter Führung der Linken in Berlin stellte er aber eine Bedingung: „Es braucht ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus, ansonsten wird es mit uns nicht funktionieren.“ SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach wollte sich am Wahlabend noch nicht über Koalitionsoptionen äußern, nach den klaren Verlusten seiner Partei ist es aber auch mehr als fraglich, ob er in der Berliner SPD künftig überhaupt noch eine Rolle spielen wird. SPD-Innensenatorin Iris Spranger sieht die Initiative jetzt bei der Linken: „Einladen wird, wer oben steht. Und dann müssen wir gucken, wie die Koalitionsverhandlungen laufen“, sagte sie. Die Priorität der Grünen sei auch klar zu Gunsten der Linken. Die SPD werde entsprechende Gespräche auch führen. Spranger betonte ebenso wie Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, bei den von den Linken gewünschten Enteignungen von Wohnungskonzernen gebe es klaren Widerstand der SPD. „Wenn die Linke jetzt weiter Enteignung fordert, dann wird die SPD natürlich auch eine rote Linie haben. Ich hoffe, dass das, was vorher gesagt wurde, dann auch die rote Linie ist.“ Zudem stehe ja auch fest: Ohne die SPD gebe es keine Koalition mit einer Mehrheit. Nach den aktuellen Hochrechnungen wäre in Berlin auch eine Koalition von CDU, Grünen und SPD möglich.
MV: CDU-Spitzenkandidat Peters sieht Ursache für Wahlniederlage in Polarisierung des WahlkampfesDer CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, sieht das schlechte Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl vor allem in der Polarisierung des Wahlkampfes begründet. „Die Ursache liegt zuallererst darin, dass wir in dem hochpolarisierten Wahlkampf zerrieben wurden“, sagte Peters am Sonntagabend in der ARD. Im Wahlkampf sei nicht über landespolitische Themen gesprochen worden, kritisierte Peters. „Es ging einzig um die Frage, wie man es mit der AfD hält.“Zu Stimmen in seiner Partei, die ein Ende der Brandmauer forderten, sagte Peters, dabei handele es sich um „ganz wenige Stimmen“. Er bekräftigte, weder mit AfD noch mit der Linkspartei koalieren zu wollen. „Für mich und die Partei steht fest: Wir sollten an dem Kurs weiter festhalten. Es geht um die Sache, und wir dürfen das Land nicht den politischen Rändern überlassen.“ Auch CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sah ihre Partei als Opfer einer Polarisierung im Wahlkampf. „Das ist ein erschütterndes Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern für uns“, sagte Hoppermann am Sonntagabend dem Sender phoenix. „Wir sind zerrieben worden in dem polarisierten Wahlkampf von Manuela Schwesig mit der AfD.“Für die CDU und Kanzler Friedrich Merz sei es nun wichtig, ein Zeichen der Stabilität und auch der Führung auszusenden, „dass er und die Bundesregierung und auch die CDU Deutschlands unser Land wieder fit für die Zukunft machen wollen.“ Die angestoßenen Reformen seien genau dafür gedacht.
Schwesig: SPD hat auch wegen Ukraine-Haltung Stimmen an AfD verlorenDie SPD hat nach Worten von Mecklenburg-Vorpommers Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) auch wegen ihrer Haltung zur Ukraine Wählerstimmen an die AfD verloren. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es viele Menschen, die die finanzielle und militärische Unterstützung für die Ukraine ablehnten und sich zudem wünschten, dass wieder Energie durch die Nord-Stream-Pipeline geliefert werde. Beide Punkte unterstütze die SPD aber nicht und habe deshalb auch Stimmen verloren. Die AfD habe eine „großes Ergebnis“ eingefahren, aber ihr Ziel einer absoluten Mehrheit und eine Alleinregierung nicht erreicht.Schwesig sagte weiter: „Ich möchte allen Bürgerinnen und Bürgern sagen, die mich in den letzten Wochen mega unterstützt haben, die mich angesprochen haben, bis heute, vor dem Wahllokal, im Gottesdienst, auf den Straßen, dass sie sich wünschen, dass es gut in diesem Land weitergeht, dass ich meine Arbeit fortsetze. Und ich weiß, dass wir dafür heute auch als SPD MV sehr, sehr viel Vertrauen bekommen haben, über Parteigrenzen hinweg. Und deshalb möchte ich ganz klar sagen: Ich möchte gerne mit der SPD MV diesem Vertrauen gerecht werden. Darauf können sich alle verlassen.“
SPD-Chef Klingbeil will Regierungshandeln überprüfenSPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil will als Konsequenz aus den Wahlergebnissen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin das Regierungshandeln überprüfen. „Wir müssen für uns als Bundesregierung analysieren, warum es diese große Unsicherheit im Land gibt“, sagte Klingbeil am Sonntagabend in der ARD. Die Regierung habe es nicht geschafft, ihre Reformen so zu vermitteln, dass die Menschen darin Veränderungen zum Besseren sähen. Stattdessen seien häufig nur Kürzungsdebatten geführt worden. Mit Blick auf die umstrittene Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren sagte Klingbeil, man müsse die Sorgen der Menschen ernst nehmen. „Dafür werden wir Lösungen finden.“ Einer Personaldebatte über seine Person und Ko-Chefin Bärbel Bas erteilte er eine Absage. „Wir führen keine innerparteilichen Debatten.“
Zentralrat der Juden beunruhigt über Ergebnis in BerlinDer Zentralrat der Juden zeigt sich besorgt über den deutlichen Sieg der Linken in Berlin. Die Partei sei im Wahlkampf wiederholt mit antisemitischen Grenzüberschreitungen aufgefallen, teilt Zentralratspräsident Josef Schuster mit. „Dass eine Partei, auf deren Wahlkampfbühne offen der Tod von Menschen gefordert wurde, als Siegerin aus der Wahl hervorgeht, beunruhigt mich zutiefst.“ Es sei zum Tod israelischer Soldaten und zur Intifada aufgerufen worden, im Publikum sei dazu getanzt worden. Er appelliere an SPD und Grüne, der Partei nicht ins Rote Rathaus zu verhelfen. „In der Bekämpfung des Judenhasses, den diese Partei in ihren Reihen duldet und frei gewähren lässt, besitzt die Linke keinerlei Glaubwürdigkeit mehr“, so Schuster. Neben einem rot-grün-roten Bündnis wäre angesichts der Hochrechnungen in Berlin auch eine Koalition unter Führung der CDU möglich. Die Grünen haben sich aber bereits für ein Linksbündnis ausgesprochen, auch aus der SPD kommen entsprechende Signale.
Amthor kritisiert CDU-Politiker, die sich für Zusammenarbeit mit AfD ausgesprochen habenDer christdemokratische Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor gibt denjenigen CDU-Politikern aus Mecklenburg-Vorpommern, die sich für eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgesprochen hatten, eine Mitschuld am schlechten Wahlergebnis der Partei. „Das hat eher dazu beigetragen, dass es noch mehr Verunsicherung bei unseren Wählerinnen und Wählern hier in Mecklenburg-Vorpommern gab“, sagte der aus dem Bundesland stammende Staatsminister im Kanzleramt im ZDF. Doch auch die „schwierigen Personaldiskussionen“ der vergangenen Wochen hätten „natürlich den Wahlkampf sehr stark überlagert“. Deshalb sei es „gut und richtig, dass diese Personaldiskussionen jetzt nicht fortgesetzt werden“, so Amthor.
MV: FDP-Landeschef Domke kündigt nach Wahlschlappe Rückzug anNach der heftigen Wahlschlappe für seine Partei bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern will FDP-Landeschef René Domke nicht abermals für ein Parteiamt kandidieren. Er stehe nicht mehr zur Verfügung, sagte Domke in Schwerin. „Ich übernehme die persönliche Verantwortung.“ Spitzenkandidat war der Vize-Bürgermeister der Hansestadt Wismar nicht. Ziel sei, dass das Personal, das für die Landtagswahl als Team gekämpft habe, nun einen Erneuerungsprozess gestalten könne. Man werde das alles in den Parteigremien beraten und er werde dafür liefern, was die Partei von ihm verlange. Die FDP verpasste ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF zufolge den Einzug in den Schweriner Landtag deutlich. Sie hat demnach nur zwischen 1,0 und 1,2 Prozent der Stimmen bekommen. Bei der Wahl 2021 hatten die Liberalen noch 5,8 Prozent der Stimmen bekommen und waren mit fünf Abgeordneten in den Landtag eingezogen. Nach dem Übertritt einer Abgeordneten zur CDU-Fraktion und einem Austritt waren es noch drei Abgeordnete. Weil einer Fraktion mindestens vier Abgeordnete angehören müssen, bildet die FDP seit Mitte 2025 eine Gruppe im Landtag. Die internen Streitigkeiten nannte Domke als einen Grund für das schwache Abschneiden der Partei.
Grünen-Party im GasometerDie Berliner Grünen feiern ihre Wahlparty im Schöneberger Gasometer; einem alten, riesigen Gasspeicher mitten im Kiez. Gas wird dort schon lange nicht mehr gebunkert, sondern es sind Büros und Wohnungen entstanden. Und die Möglichkeit, ein mittelprächtiges Wahlergebnis zu erörtern. Trotz großer Verluste für Union und SPD ist es den Grünen nicht gelungen, ihr Ergebnis vom letzten Mal zu verbessern.
Berliner FDP-Vorsitzender bietet Rücktritt an Die FDP wird in Berlin wieder nicht ins Abgeordnetenhaus einziehen. In den Hochrechnungen der ARD liegt sie bei 2,4 Prozent. Spitzenkandidat und Landeschef Christoph Meyer könnte damit der erste sein, der an diesem Wahlabend persönliche Konsequenzen zieht: Er hat seinen Rücktritt angeboten. „Das ist ein bitterer Abend für die FDP“, sagte Meyer er. „Wenn ich sage: Ich habe als Spitzenkandidat, wir haben nicht überzeugen können, dann heißt das auch, dass man Verantwortung übernimmt. Und Verantwortung bedeutet, dass ich den Landesvorsitz der FDP Berlin zur Verfügung stellen werde.“Die Berliner FDP hatte bereits bei der Wiederholungswahl 2023 den Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus verpasst. Meyer hatte den Berliner FDP-Landesvorsitz im März 2018 übernommen, nachdem er dieses Amt schon von 2010 bis 2012 innehatte.