FAZ 23.09.2026
17:41 Uhr

Ein new Yorker in Frankfurt: „Das beste Essen meines gesamten Lebens“


Ein abgesagter Flug führte den New Yorker Anwalt James J. Sexton in das Frankfurter Restaurant „Edelweiss“. Nun, Jahre später, geht die Geschichte viral. Die Betreiber über Wiener Schnitzel, Stammgäste und die Geheimnisse ihrer Küche.

Ein new Yorker in Frankfurt: „Das beste Essen meines gesamten Lebens“

Auf dem Instagram-Kanal des amerikanischen Scheidungsanwalts James J. Sexton wurde vergangenen Freitag ein Snippet aus einem Podcast veröffentlicht. Eigentlich fragt der Podcast-Host Sexton über seinen Beruf aus. Sie sprechen aber auch darüber, wie unangenehme Erfahrungen zu etwas unerwartet Positivem führen können. Sexton erzählt daraufhin, wie er vor einigen Jahren wegen eines gestrichenen Flugs von Frankfurt nach New York City ungeplant eine Nacht in Frankfurt verbringen musste, was ihn zunächst ärgerte. Dann aber sei er in ein „kleines Restaurant“ geraten und habe „das beste Essen meines gesamten Lebens“ gegessen. Seitdem sei er dreimal extra für einen Besuch in dem Restaurant zurückgekehrt. Den Namen nannte er in dem Podcast nicht, holte das aber nach unzähligen Nachfragen in den Kommentaren unter dem Posting nach: Es sei das „Edelweiss“ an der Schweizer Straße im Stadtteil Sachsenhausen. Der Post wurde mittlerweile mehr als 500.000 Mal aufgerufen, mehr als 15.000 Mal gelikt und fast 4000 Mal weiterverschickt. Geführt wird das Edelweiss von der aus Österreich stammenden Familie Barth, darunter Michael Barth, 41, und Florian Barth, 26. Ihr Vater Walter machte 1997 aus der zuvor von seinem Onkel übernommenen Bar „Schweizer 96“ das Restaurant „Edelweiss“, in dem österreichische Küche serviert wird – wie auch im Restaurant „Salzkammer“ in der Frankfurter Innenstadt, das die Familie ebenfalls betreibt. Voraussichtlich Anfang 2027 werden die Barths zudem nach langer Umbauphase das historische Restaurant „Zum Storch“ am Dom eröffnen. Florian Barth, Sie sind der Restaurantleiter im „Edelweiss“. Wie haben Sie von dem Instagram-Post von James Sexton mitbekommen, der das Essen, das Sie zubereiten, über den grünen Klee lobt? Mir hat er in einer E-Mail geschrieben, er habe überall auf der Welt in den feinsten Restaurants gespeist, aber noch nie so gut gegessen wie bei Ihnen. Florian Barth: Wir haben aus unterschiedlichen Ecken davon erfahren. Bei meinem Bruder Michael haben sich Freunde, auch aus Amerika, gemeldet. Auch Stammgäste haben uns darauf hingewiesen: Ab Freitagnachmittag habe ich einige Nachrichten erhalten, auch über meine Instagram-Seite. Das freut uns natürlich sehr. Vor allem, weil wir damals überhaupt nicht wussten, wer James Sexton ist. Er hat das „Edelweiss“ also genauso erlebt wie jeder andere Gast. So ein Lob ist für uns natürlich eine schöne Bestätigung. Hat einer von Ihnen beiden das Essen gekocht, das Sexton so gelobpreist hat? Michael Barth: Ich habe zwar Koch gelernt und bin auch immer mal wieder hier vor Ort. Aber wir haben im „Edelweiss“ nicht den einen Koch, sondern das ist eine Teamleistung, die wir hier abliefern. Als Sie James Sexton gesehen haben in dem Snippet: Haben Sie ihn erkannt? Florian: Nein, er ist mir nicht in Erinnerung geblieben. Wir haben sehr viele Gäste, auch viele internationale. Touristen, aber auch Messebesucher zum Beispiel. Und ich erkenne halt auch eher keinen amerikanischen Scheidungsanwalt. Michael: Wir haben immer wieder prominente Gäste in unseren Restaurants, deutsche wie internationale. Aber unser Konsens ist, dass jeder Gast gleich behandelt wird. Wir gehen da nicht hin und bitten um ein Autogramm oder machen einen Unterschied. Vielleicht hat Herrn Sexton neben dem Essen genau das gefallen: dass wir ziemlich normal und authentisch sind. Wir laufen nicht jedem Trend hinterher, sondern stehen für österreichische Küche und Kontinuität. Das hat uns unser Vater beigebracht. Sexton hat mir geschrieben, er habe bei seinem ersten Besuch bei Ihnen am 12. Dezember 2018 ein Wiener Schnitzel in der Herrenportion gegessen, dazu Käsespätzle und zum Nachtisch einen Apfelstrudel. Und er habe „a few delicious draft beers“ getrunken. Ist diese Wahl grundsätzlich ein Klassiker bei Ihren Gästen? Florian: Ja, das sind absolute Klassiker der österreichischen Küche und somit auch bei uns, das kann man so sagen. Michael: Beim Bier servieren wir Büble Bier Radeberger Gruppe. Für uns kommt das geschmacklich österreichischen Bieren am nächsten und passt deshalb sehr gut zu unserer Küche. Was ist denn generell der Favorit der Gäste? Was wird am häufigsten bestellt im „Edelweiss“? Florian: Bei den Hauptspeisen genau das, was James Sexton bestellt hat: Wiener Schnitzel und Kasnocken, wie wir sie nennen, also Käsespätzle. Als Nachtisch ist es der Kaiserschmarrn. Außer bei den Amerikanern, die essen tatsächlich lieber Apfelstrudel. Was sind Ihre persönlichen Lieblingsgerichte von der „Edelweiss“-Karte? Florian: Bei mir ist es das Cordon bleu. Das ist mein absolutes Lieblingsessen hier. Und zum Nachtisch Marillenknödel. Da kommen die Süße und die Säure so gut zusammen. Michael: Für mich ist es Wild. Wir haben eine eigene Jagd, aus der wir auch Wildfleisch beziehen. Mein Bruder und unser Vater sind beide Jäger. Und was essen Sie bevorzugt als Dessert? Michael: Kaiserschmarrn. Bereiten Sie das Wiener Schnitzel nach einem Geheimrezept zu? Michael: Selbstverständlich. Aber mehr sagen wir dazu nicht. Florian: Eine der wichtigsten Sachen ist, dass die Qualität stimmt, vom Fleisch, von den Zutaten generell. Welchen Käse verwenden Sie für die Spätzle? Florian: Drei unterschiedliche Käsesorten, alle aus Österreich. Die meisten Zutaten, die wir verwenden, stammen aus Österreich. Auch österreichisches Paniermehl? Oder ist das egal? Michael: Ein paar Geheimnisse muss es weiterhin geben. James Sexton hat mittlerweile viermal in Frankfurt haltgemacht, nur um bei Ihnen zu essen. Kennen Sie ähnliche Geschichten auch von anderen Gästen? Florian: Es gibt einen Gast aus Irland, der schreibt mir immer, wenn er nach Frankfurt kommt, damit wir auch einen Platz für ihn haben. Er war am vergangenen Freitag gerade wieder da. Insgesamt haben wir sehr viele Stammgäste. Michael: Das „Edelweiss“ ist ja ein über Jahrzehnte gewachsenes Restaurant. Wir haben einen sehr hohen Anteil an Stammgästen, viele davon kommen seit Jahren oder sogar Jahrzehnten. Wenn Sexton das nächste Mal bei Ihnen vorbeischaut: Meinen Sie, Sie werden ihn erkennen? Florian: Auf jeden Fall. Michael: Ich glaube, er wird sich auch zu erkennen geben. Werden Sie ihn dann auf sein Stammessen einladen? Michael: Das wird wohl sein und unser Geheimnis bleiben. Florian: Außer, er postet es wieder auf Instagram.