Die Diskussion über Klimaziele schadet auf zwei Weisen: Zum einen erweckt sie den Anschein, schon mit einem solchen Ziel wäre etwas erreicht. Entsprechend leidenschaftlich fordern Aktivisten immer strengere Ziele und Kritiker deren Abschaffung. Zum anderen aber verdrängt die Debatte über Jahreszahlen die Debatte über den weiteren Weg zur Klimaneutralität, wann auch immer sie erreicht werden soll. Statt eine Debatte über das Zieljahr zu führen, wäre es gerade für die CDU klug, die eigenen Erfolge der Klimapolitik der vergangenen Jahrzehnte in den Mittelpunkt zu rücken. Dass eine Ölkrise das Land nicht mehr ganz so schrecken muss wie vor Beginn der Energiewende, ist ein Fortschritt und ein Verdienst dieser Politik. Weder ist die aktuelle Klimapolitik die alleinige Ursache für die strukturellen Probleme der Wirtschaft, noch wäre der Industrie generell geholfen, wenn das Ziel verschoben oder gestrichen würde. Die Wirtschaft braucht möglichst günstige Energie. Aktuell aber zahlt sie die hohen Einkaufspreise für fossile Brennstoffe und die hohen Ausbaupreise für das immer konkreter werdende emissionsarme Energiesystem der Zukunft. Nur der Vollzug der Energiewende ist dafür die Lösung. Denn erst dann entfällt einer der beiden Kostenblöcke. Beide zusammen sind auf Dauer zu viel. Reformen im Energiebereich sollten also vor allem auf eine Frage hinauslaufen: Machen sie die Energiewende billiger oder teurer? Da gibt es noch viel zu tun.
