Die Anzeige eines Elternpaares Anfang März dieses Jahres hat Ermittlungen in der bis zu 100 Kinder betreuenden katholische Kita St. Maria im Gernsheimer Neubaugebiet in Gang gebracht. Der vom Bistum Mainz für den Betrieb von Kitas gegründete Zweckverband Unikathe hat den beschuldigten Erzieher zunächst freigestellt und dann entlassen. Der Verdacht des Missbrauchs fiel nach ersten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auf zwei weitere Erzieher der Einrichtung, die deshalb freigestellt wurden, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Mit erheblichen Folgen für den Kita-Betrieb, der nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten werden kann. Zudem haben rund ein Dutzend Eltern ihre Kinder von der Kita abgemeldet. Auf der Internetseite des Kindergartens, der Kinder im Alter von drei Jahren an aufnimmt, ist zur aktuellen Situation nichts zu lesen. Stattdessen lobt die katholische Kirchengemeinde die vorbildliche Kita-Arbeit. Unter anderem heißt es dort: „Das Kindergartenteam zeichnet sich aus durch ein gutes, offenes und herzliches Miteinander, das sich überträgt auf die Arbeit mit den Kindern und ihren Familien.“ Eltern klagen über schlechte Kommunikation Die Unruhe in der Elternschaft ist groß, der Ärger über die Kommunikation des Kita-Trägers ebenfalls. Zwar bezieht sich die Anzeige auf nur ein Kind, wie Oberstaatsanwalt Robert Hartmann von der Staatsanwaltschaft Darmstadt auf Anfrage mitteilt. Aber viele Eltern sind verunsichert und fragen sich, ob womöglich auch ihre Kinder von Missbrauch betroffen sein könnten. Doch ob es überhaupt zu einer Anklage kommen wird, ist noch unklar. Derzeit würden Zeugen vernommen, sagt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft. Gegen die beiden freigestellten Erzieher habe sich ein Anfangsverdacht ergeben. Für die Beschuldigten gelte allerdings die Unschuldsvermutung. Eltern beklagen gegenüber der Presse mangelnde Kommunikation durch Unikathe. Der Zweckverband verweist auf den Datenschutz und die laufenden Ermittlungen. Soweit möglich, würden die Eltern informiert. „Aber wir können derzeit keine weiteren Fragen beantworten“, sagt ein Unicathe-Pressesprecher der F.A.Z. Die bisherigen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft lägen Unikathe nicht vor. Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe habe man umgehend gehandelt und den Fall den Behörden und der Staatsanwaltschaft gemeldet. Der Landkreis hat sich daraufhin eingeschaltet und der Kita verschärfte Auflagen gemacht, wie der Sprecher bestätigt. Unikathe habe ein institutionelles Schutzkonzept, das auch öffentlich einsehbar sei. Strengere Vorschriften seien bei Bekanntwerden von Missbrauch üblich und würden auch umgesetzt. Das Vieraugenprinzip, ein Flurdienst, feste Wickelzeiten und eine Dokumentationspflicht sind einige der Auflagen der Fachaufsicht. Auch eine bessere Kommunikation mit den Eltern wurde angemahnt. Die Stadt Gernsheim hilft Eltern, die ihre Kinder in der katholischen Kita abgemeldet haben. „Wir haben noch genug freie Plätze“, so die für die Kitas zuständige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. Wenn Eltern das wünschten, könnten ihnen Plätze für ihre Kinder in den städtischen Kitas angeboten werden.
