Der Autozulieferer und Technologiekonzern Bosch hat erstmals einen Halbjahresbericht über seine wirtschaftliche Entwicklung veröffentlicht. Hintergrund ist, dass das Unternehmen seine finanziellen Spielräume erweitern will. Bislang konnte Bosch nur in den 135 Tagen, die auf die Veröffentlichung des Geschäftsberichts im Frühjahr folgten, am Kapitalmarkt Anleihen begeben. „Wenn man nur einmal im Jahr die Zahlen veröffentlicht, hat man nur ein Zeitfenster“, sagte Bosch-Finanzchef Markus Forschner während einer Pressekonferenz am Mittwoch. „Nun haben wir eine höhere Flexibilität, was den Zugang zum Kapitalmarkt angeht.“ Mit Plänen für einen Börsen- oder Teilbörsengang habe der Schritt nichts zu tun. Das Geschäft von Bosch in den ersten sechs Monaten 2026 entwickelte sich stabil. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent auf 46,4 Milliarden Euro. Maßgeblichen Anteil hatte der Zukauf des Heizungs-, Lüftungs- und Klimageschäfts vom US-Konzern Johnson Controls, die Erlöse in der bei Bosch dominierenden Autosparte sanken dagegen. Unter Druck ist auch der operative Gewinn (Ebit). Er ging um 4,3 Prozent auf nun 2,2 Milliarden Euro zurück, was einer operativen Umsatzrendite (Ebit) von 4,6 Prozent entspricht. Im Vorjahreszeitraum lag die Marge noch 0,5 Prozentpunkte darüber. Vor allem Sondereffekte aus dem Mobilitätsgeschäft haben das Ergebnis belastet, es geht dabei um Wertminderungen von Produktionsanlagen für die Elektromobilität in Höhe von 270 Millionen Euro. „Wenn eine Anlage nicht die Rendite bringt, wie man es zum Zeitpunkt der Investition geplant hat, kommt es zu dieser Abwertung“, erläuterte Forschner. Trotz des anspruchsvollen Umfelds bestätigte Bosch seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr. „Wir erwarten ein Umsatzwachstum zwischen zwei und fünf Prozent sowie eine operative Ebit-Rendite zwischen vier und sechs Prozent“, erläuterte der Bosch-Finanzchef. Im vergangenen Jahr hatte Bosch 91 Milliarden Euro erlöst und einen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro (minus 42 Prozent) erwirtschaftet. Erstmals seit der Finanzkrise erwirtschaftete das Unternehmen nach Steuern ein negatives Ergebnis. Zurückhaltend äußerte sich Forschner zu den anstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. „Wir setzen darauf, dass die Tarifpartner zukunftsweisende Entscheidungen treffen, um den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb zu stärken“, sagte Forschner. „Die Wettbewerbsfähigkeit hat in der aktuellen Lage oberste Priorität, und dann ist es selbstredend, wie man eine Lohnforderung von fünf Prozent einzuordnen hat.“
