Die Eurobike in diesem Sommer wird deutlich kleiner ausfallen als in den vergangenen Jahren. Hintergrund sind die Auseinandersetzungen zwischen den Branchenverbänden ZIV und Zukunft Fahrrad, die der Messe im Herbst den Rücken gekehrt hatten. Die Versuche der Organisatoren der Fairnamic GmbH, eines Joint Ventures der Messen Frankfurt und Friedrichshafen, sich mit den Verbänden zu einigen, sind offenbar gescheitert. Dennoch hofft der neu eingesetzte Fairnamic-Geschäftsführer, Philipp Ferger, mit einem stärkeren Fokus auf den Handel unter dem Motto „Retail First“ neue Impulse setzen zu können. „Der Fachhandel ist das Rückgrat unserer Branche“, sagt Ferger, der auch die Konsumgütermessen der Messe Frankfurt betreut. Mit „Retail First“ solle ein konkreter Mehrwert für den Messebesuch geschaffen und das Signal gesetzt werden: „Die Eurobike ist die zentrale Plattform und verlässlicher Partner des Handels in herausfordernden Marktzeiten.“ Handel im Fokus mit Sonderkonditionen Geplant ist ein Programm, exklusiv für registrierte Einzel-, Groß- und Außenhändler, mit freiem Eintritt zu den Fachtagen inklusive ÖPNV-Tickets und Call-a-Bike-Gutscheinen und vor allem einem Fachprogramm mit Vorträgen und Rundgängen. Networking-Formate greifen Themen auf wie Spezialisierung versus Vollsortiment, E-Bikes und Leasingmodelle, neue Servicekonzepte, E-Commerce-Strategien und Digitalisierung im stationären Handel. Damit soll der Handel in einem herausfordernden Marktumfeld als Scharnier zwischen Industrie, Service und Endkunden gestärkt werden. Neben klassischen Fahrradfachhändlern werden auch Akteure aus dem Sport und dem Mobilitätssegment eingeladen. Flankiert wird der Schritt durch eine strukturelle Neuaufstellung der Messe selbst. Mit der konstituierenden Sitzung eines neu gegründeten Eurobike Advisory Boards hat Fairnamic Ende Februar die strategische Weiterentwicklung eingeleitet. Acht Vertreter aus Industrie, Handel, Verbänden und Dienstleistungen sollen die Messe „in engem Schulterschluss“ mit der Branche neu ausrichten. Für Fairnamic ist der neue Beirat zugleich das Signal, dass es um mehr geht als um Feinjustierung. Geschäftsführer Philipp Ferger spricht von einem „strategischen Wendepunkt“: Die Eurobike solle von 2027 an als globale Leitmesse für das „Bike- und Ecomobility-Universum“ neu positioniert werden. Die Inhalte sollen in 20 Workshops erarbeitet werden. Vom 24. bis 27. Juni 2026 findet die Eurobike zum fünften Mal in Frankfurt statt. International wächst die Marke weiter: In Jakarta gibt es seit 2024 einen Ableger, die Eurobike Istanbul soll in diesem April erstmals stattfinden. Entscheidend bleibt jedoch, ob die Leitmesse in Frankfurt das Vertrauen zurückgewinnt, das sie als Orientierungspunkt der Branche braucht – und ob der „Retail First“-Ansatz das Ziel erreicht, die Messe zu einem Ort zu machen, der für die Fahrradbranche unverzichtbar ist.
