FAZ 03.06.2026
12:05 Uhr

Flex-Tarif: Lufthansa macht Rückzieher bei Stornosätzen


Flexibilität buchen, aber nach einer Stornierung doch Hunderte Euro Gebühren tragen müssen: Zahlungskräftige Lufthansa-Kunden hat diese Regelung geärgert. Nach nur zwei Monaten läuft sie nun wieder aus.

Flex-Tarif: Lufthansa macht Rückzieher bei Stornosätzen

Die neue Regelung hielt keine zwei Monate, nun macht Lufthansa in ihrer Tarifgestaltung für Flugtickets kehrt. Die sogenannten Flex-Tickets, deren Name größtmögliche Flexibilität suggeriert, waren Anfang April auf zahlreichen Strecken mit Stornogebühren belegt worden. Wer die volle Flexibilität zum ohnehin höheren Preis nutzen wollte, musste fortan hinnehmen, nach einer Stornierung nicht mehr den vollen Betrag zurückzubekommen, sondern mitunter weniger als 20 Prozent. Im Fall eines Indien-Flugs für 850 Euro konnte das bedeuten, dass Lufthansa 700 Euro nicht wieder auszahlte. Für Buchungen von diesem Mittwoch an gilt wieder, dass die gebuchte volle Flexibilität für Kunden auch das Recht zur kostenfreien Absage der Reise umfasst. Der Unmut, den Lufthansa nach Änderungen im April zu spüren bekam, muss groß gewesen sein. In den Kreisen von Geschäftsreisemanagern von Unternehmen stieß auf, dass die neuen Stornosätze für flexible Tickets kurzfristig und ohne große Vorwarnung eingeführt wurden. Der Geschäftsreiseverband VDR, in dem Reiseverantwortliche hiesiger Betriebe organisiert sind, protestierte. Während Urlauber selten die Flex-Tickets, die teuersten im Tarifgefüge der Lufthansa, buchen, sind sie bei Geschäftsreisenden, deren Termine sich kurzfristig verändern können, gefragter. Bei Light- oder Basic-Tarifen, die Privatreisende nutzen, ist die Erstattung nach einem Stornowunsch des Passagiers ausgeschlossen, aber die Tickets kosten deutlich weniger. Im April erhielten die zahlungskräftigsten Kunden eine knappe Information zu Änderungen: „Im Zuge dessen ist nun auch der Flex-Tarif nur noch gegen eine Gebühr erstattbar.“ Nun hat Lufthansa in ihrem Informationsportal für Geschäftskunden – wiederum kurzfristig – mitgeteilt, dass die Gesellschaft „die gewohnte Flexibilität“ wieder herstelle: für alle Reisenden, die Sitze in der Economy-, der Premium-Economy- oder der Businessclass zum Flex-Tarif buchen. Eine Ausnahme bleibt die First Class. Aber auch dort wird die Stornogebühr auf 800 Euro gesenkt, zuvor sollten bis zu 2000 Euro eingehalten werden. In den Informationen für Geschäftskunden wird nun erklärt, dass die Stornosätze „temporäre Anpassungen“ gewesen seien. Die Änderung der Erstattungsregeln im April sei „eine notwendige Reaktion auf die außergewöhnliche geopolitische Situation“ gewesen. Ziel sei es gewesen, „die vorhandenen Kapazitäten möglichst verlässlich auszulasten“. Diskussionen auch um kofferloses Ticket Nach Beginn des Irankriegs hatte Lufthansa einen Anstieg der Nachfrage für Nonstopflüge nach Asien erlebt. Gesellschaften vom Persischen Golf wie Emirates, Qatar Airways und Etihad hatten ihren Betrieb erst ausgesetzt und dann schrittweise anlaufen lassen. Die Ticketpreise für Langstreckenflüge ohne Umstieg in den Emiraten schnellten nicht nur bei Lufthansa hoch. In der Spitze wurden für einfache Fernostflüge in der Economyclass mehr als 2000 Euro fällig. Als die Golf-Gesellschaften im April wieder mehr flogen, warben sie mit günstigen Tickets. Mancher Flex-Preis-Bucher wollte dann wohl teuer erstandene Tickets zurückgeben, um billiger mit Umstieg am Golf neu zu buchen. Dem schob Lufthansa im April einen Riegel vor, der nun wieder zurückgezogen wird. Im Frühjahr hatte Lufthansa mehrere Tarifanpassungen vorgenommen. Dazu zählt die Einführung eines Basic-Tarifs, der nicht mehr gestattet, kostenfrei einen Minirollkoffer ins Flugzeug mitzunehmen. Erlaubt blieb ein „persönlicher Gegenstand“ mit Kantenmaßen von 40 mal 30 mal 15 Zentimetern, „eine Laptop-Tasche oder ein kleiner Rucksack“ zähle dazu, erklärte Lufthansa. Damit war Lufthansa allerdings nicht Vorreiter, sondern eher Nachahmer anderer Gesellschaften. Lufthansa dürfte nachgezogen haben, da ein niedriger Basispreis die Chance erhöht, auf Vergleichsseiten prominenter gelistet zu werden. Eine Sprecherin sagte damals: „Es ist auf jeden Fall so, dass der Basic-Tarif günstiger sein wird als der bislang günstigste Tarif, der Light-Tarif.“ Einen Rückzieher hat Lufthansa indes auch bei Gruppenbuchungen gemacht. Die Gesellschaft wollte die Frist, in der eine Stornierung noch gegen eine Pauschale möglich ist, von 60 auf 180 Tage erhöhen, was Reiseveranstalter von Gruppentouren ärgerte. Für Anbieter, die sehr selten dadurch auffallen, dass mangels Buchungen Gruppenreisen ausfallen, wurde die Frist auf 120 Tage verkürzt.