Es ist Halbzeit für Mike Josef. Drei Jahre ist Frankfurts Oberbürgermeister nun schon im Amt. Drei Jahre, in denen in Hessens größter Stadt das Regieren nicht immer einfach war, aber doch einiges bewegt wurde. Es geht voran bei der Stadtentwicklung: Für den Bau einer Multifunktionsarena, den Neubau der Städtischen Bühnen, den neuen Stadtteil im Nordwesten und die Verlagerung der Europäischen Schule wurden Grundsatzbeschlüsse gefasst, die die Stadt weiterbringen. Wie auch immer man inhaltlich die einzelnen Entscheidungen bewertet, so muss man doch anerkennen: Es ist gelungen, bei diesen Projekten einen Knoten zu durchschlagen. Das ist nicht allein Josefs Verdienst. Der Oberbürgermeister hat diese Projekte nicht im Alleingang vorangebracht. Die Magistratskollegen und die alte Koalition haben ebenfalls einen großen Anteil daran. Doch mit Pragmatismus und Entscheidungsfreude hat Josef darauf hingewirkt, dass die Stadtentwicklung nicht zum Stillstand kommt. Allerdings hat es Josef trotz dieser Erfolge nicht vermocht, die alte Koalition zusammenzuhalten. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Parteien immer seltener bereit sind, Kompromisse zum Wohle der Stadt zu finden, sondern politische Erfolge lieber für sich selbst verbuchen. Aus Sicht der Bürger ist das eine fatale Entwicklung. Sein Appell lautet: „Schüttet die Gräben wieder zu“ Es deutet sich schon an, dass die Regierungsarbeit in der zweiten Hälfte der Amtszeit nicht einfacher wird. Die Bildung einer neuen Stadtregierung ist ins Stocken geraten. Ein Machtwort des Oberbürgermeisters sieht die Hessische Gemeindeordnung nicht vor. Mit seinem deutlichen Appell, die Parteien mögen „die Gräben wieder zuschütten“, sich an den Gepflogenheiten orientieren und der stärksten Partei ermöglichen, eine stabile Regierung zu bilden, spricht er vielen Frankfurtern aus dem Herzen. Für die zweite Hälfte seiner Amtszeit hat sich Josef vorgenommen, für mehr Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt zu sorgen. Konservativ findet der SPD-Politiker das nicht, sondern eher pragmatisch. Die Kernprobleme der Frankfurter – die hohen Wohnkosten und der schlechte Zustand der Schulen – will er gemeinsam mit der neuen Stadtregierung angehen. Das ist dringend nötig, denn selbst Normalverdiener finden in Frankfurt kaum noch eine bezahlbare Wohnung. Und der Sanierungsstau an den Schulen wird zu langsam abgebaut. Es ist erst Halbzeit für Josef. Wenn er nicht nachlässt, kann er noch viel bewirken. Er hat sich vom Stil her wohltuend von seinem eitlen Amtsvorgänger abgesetzt. Josef inszeniert sich nicht, ist aber gleichwohl umtriebig, belastbar und omnipräsent in der Stadtgesellschaft. Er hat auch einen guten Draht zu „den Bürgern“, gilt als zugänglich und nahbar. Das sollte er sich bewahren.
