Erst kürzlich hat das Georg Kolbe Museum in Berlin den Brunnen mit der zierlichen Tänzerinnenfigur an die Erben des jüdischen Voreigentümers zurückgegeben. Nun hat das Wasserspiel, das Kolbe 1922 für den Berliner Versicherungsdirektor Heinrich Stahl anfertigte, einen Rekordpreis erzielt. Bei den Sommerauktionen von Grisebach wurde der „Tänzerinnenbrunnen“ bei vier Millionen Euro zugeschlagen. Damit übertraf das Kunstwerk seinen Schätzpreis von einer Million bis 1,5 Millionen Euro bei Weitem. Vier Bieter im Saal und am Telefon wetteiferten um das Kunstwerk. Am Ende setzte sich, wie Grisebach auf Nachfrage der F.A.Z. mitteilte, eine amerikanische Privatsammlung durch. Sie zahlt inklusive Aufgeld 4,98 Millionen Euro. Der Vorbesitzer ist ein Opfer des Holocausts Heinrich Stahl war Leiter der Victoria-Versicherung und später Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde von Berlin. Während der nationalsozialistischen Diktatur wurde er gezwungen, das Anwesen seiner Familie mitsamt dem Brunnen, der im Garten stand, weit unter Wert zu verkaufen. Mit seiner Ehefrau Jenny Stahl wurde er nach Theresienstadt deportiert und überlebte das Lager, anders als seine Frau, nicht. Jenny Stahl emigrierte nach Kriegsende zu ihrem Sohn in die Vereinigten Staaten. Der aus einer Schale mit Marmorsockel und der bronzenen Figur einer Tänzerin bestehende Brunnen kam Jahrzehnte später über Umwege in das Georg Kolbe Museum, das unter seiner derzeitigen Direktorin Kathleen Reinhardt die Herkunft des Werks erforschte und sich zur Rückgabe an die Erbengemeinschaft Stahl entschloss. Die Erben entschieden sich, den Brunnen versteigern zu lassen. Für das Auktionshaus Grisebach ist es ein Versteigerungsrekord: Der „Tänzerinnenbrunnen“ ist nun das teuerste je von Kolbe versteigerte Kunstwerk. Im vergangenen Jahr wurde bei Grisebach der bisherige Bestpreis für eine Arbeit des Künstlers erreicht, als Kolbes „Stehende Frau“ 1,4 Millionen Euro brutto erreichte.
