Wer behauptet, keine Zeit für einen Konzertbesuch zu haben, dem hält das hr-Sinfonieorchester mit seiner Reihe „Quick & Classy“ etwas entgegen. Das nur einstündige Konzertformat im hr-Sendesaal bietet hochkarätige Programme und zugleich den Musikerinnen und Musikern des Orchesters die Möglichkeit, solistisch in den Mittelpunkt zu treten. Diese Gelegenheit nutzte nun der Solo-Klarinettist Tomaž Močilnik mit Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur auf eindrucksvolle Weise. Das Werk, geprägt von seiner kammermusikalischen Transparenz und eingängigen Melodik, eröffnet dem Solisten große interpretatorische Freiheiten. Močilnik füllte diesen Raum mit einer warmen, nuancenreichen und emotionalen Spielweise, die dem Charakter des Konzerts in besonderer Weise gerecht wurde. Der Solist überzeugte mit technisch perfekt gemeisterten Läufen und einer einfühlsamen Interpretation, die seine Orchesterkollegen auf ebenso ausbalancierte Weise unterstützten. Das ergab einen überaus harmonischen Gesamtklang. Keine reine Programmmusik Dennoch stand an diesem Abend nicht allein der Solist im Fokus. Ein wenig stahl ihm die erst 27 Jahre alte Dirigentin Stephanie Childress die Show, die mit dem Konzert ihr Debüt in Frankfurt gab. Die britisch-französische Künstlerin beeindruckte mit ihrem modernen Look, ihrer unaufgeregten Art und großem musikalischem Verständnis und brachte so den oft gewünschten frischen Wind in den Konzertsaal. Die gefeierte Mozart-Interpretin leitete im Klarinettenkonzert das Orchester mit fließend eleganten und klaren Bewegungen, die ein stimmiges Spiel ermöglichten. Zudem setzte sie immer wieder besondere Akzente, so etwa mit dem besonders gelungenen Einstieg in den spielerischen dritten Satz. Abgerundet wurde der Konzertabend mit Robert Schumanns Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, die zwar den Beinamen „Rheinische“ trägt, aber mitnichten reine Programmmusik ist. Angeregt durch seinen Umzug nach Düsseldorf, seine Eindrücke von der Rheinlandschaft und dem Kölner Dom, vereint er in seinem Werk unterschiedlichste Stimmungen zwischen Lebensfreude, Feierlichkeit und innerer Einkehr. Diese emotionale Vielschichtigkeit arbeiteten Childress und das hr-Sinfonieorchester eindrucksvoll heraus. Vom energiegeladenen Beginn über die feierliche Atmosphäre des vierten Satzes bis zum lebhaften Finale gelang eine Interpretation, die die Spannungsbögen der Sinfonie konsequent nachzeichnete. Das Publikum folgte aufmerksam und dankte der Dirigentin und dem Orchester am Ende mit lang anhaltendem Applaus. Das hr-Sinfonieorchester eröffnet am 5. Juni von 20 Uhr an mit diesem, nur leicht erweiterten Programm die diesjährigen Weilburger Schlosskonzerte.
