Die Verkäufe auf den globalen Halbleitermärkten sind deutlich gestiegen. Wie die European Semiconductor Industry Association (ESIA) mitteilt, legten sie in den ersten drei Monaten dieses Jahres knapp 80 Prozent auf rund 300 Milliarden Dollar zu. Das ist einer der steilsten Anstiege in der Geschichte der Branche. Die Aussichten für die kommenden Monate seien über alle Regionen und Produktklassen hinweg weiterhin gut. Die Zeichen stünden auf Wachstum. Grund seien vor allem die hohen Investitionen beim Ausbau der Infrastruktur für Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI), heißt es seitens der ESIA. Allein in Amerika werden in diesem Jahr 600 Milliarden Dollar in den Aufbau von Datenzentren gesteckt. In jeder der riesigen Hallen stehen Zehntausende Computeranlagen. In ihnen arbeiten Hunderttausende komplizierte Chipsysteme. Sie halten etwa das Internet am Laufen, beantworten Nutzerfragen an KI-Systeme oder bringen automatische KI-Agenten zum Laufen. Kleine Chips, große Margen Auf einem einzelnen dieser Chips arbeiten Hunderte Milliarden winziger Schalter. Kein Wunder, dass diese elektronischen Bausteine Preisschilder von jeweils bis zu 40.000 Dollar haben. Die Nachfrage nach ihnen ist angesichts der milliardenschweren Investitions- und Bauprogramme vor allem in den Vereinigten Staaten riesig. Klassische Computerhersteller haben mittlerweile Schwierigkeiten, genügend Rechen- und Steuerbausteine für die Herstellung herkömmlicher Laptops und PCs zu erhalten. Diese hohe Nachfrage treibt die Umsätze der Chipbranche an. Das spiegelt sich mittlerweile auch an den Börsen wider. Analysten sprechen bereits von einer Rally historischen Ausmaßes. So hat das Branchenbarometer PHLX Semiconductor Index seit Ende März knapp die Hälfte an Wert gewonnen – schossen doch die Kurse der Papiere vieler Chiphersteller im bisherigen Jahresverlauf heftig in die Höhe. So legte das Papier der deutschen Infineon-Gruppe binnen eines Monats um 40 Prozent auf knapp 60 Euro zu, das von ST Microelectronics schaffte es auf eine Steigerung von 130 Prozent. Die Aktie der amerikanischen Intel-Gruppe verdoppelte binnen vier Wochen ihren Preis auf nun knapp 100 Euro. AMD machte an der Frankfurter Börse einen Sprung um 75 Prozent auf 350 Euro. Der Preis für einen Anteilsschein des koreanischen Speicherchipherstellers Samsung stieg binnen einer Woche um 20 Prozent. Damit wird der Konzern an der Börse nun erstmals mit einem Marktwert von mehr als 1000 Milliarden Dollar bewertet. Damit spielen die Koreaner in einer Liga mit dem taiwanischen Chiphersteller TSMC und dem US-Chipentwickler Nvidia. Europas große Halbleiterkonzerne sind von solchen Bewertungen weit entfernt. Die Musik der Branche spielt vor allem in Übersee. Die Umsätze in Asien legten im ersten Quartal um 110 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres zu. Die Erlöse in Amerika stiegen um 85 Prozent, die in Europa um 30 Prozent. Während Asiaten und Amerikaner vor allem neue Chipgenerationen für ihre Rechenzentren im Blick haben, setzen die Europäer in der Herstellung auf bewährte Industriechips. In denen stecken zwar nicht die jüngsten Technologien, sie werden aufgrund ihrer breit gefächerten Einsatzmöglichkeiten aber massenhaft von klassischen Branchen wie der Chemie- und Pharmaindustrie oder dem Maschinen- und Fahrzeugbau nachgefragt.
