Hamburg ist nicht die Welt, nicht mal Deutschland. Insofern könnte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) tun, was er am Sonntagabend angedeutet hat: die eindeutige Niederlage des organisierten Sports, der Freunde Olympischer und Paralympischer Spiele eingestehen und zur Tagesordnung übergehen. Es gibt noch drei weitere Kandidaten. Zwei, München und Nordrhein-Westfalen mit Köln als potentieller Olympiahauptstadt der Region, bestanden den Bürgertest mit Bravour. 66 Prozent der Einwohner votierten für die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele 2036, 2040 oder 2044. Warum also die brüske Ablehnung in Hamburg größer machen, als sie scheint? Es gibt doch noch Berlin als dritten Kandidaten im Rennen um die Gunst des DOSB. Ende September will er entscheiden, wen er dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zur Wahl anbietet. Der DOSB hat seine „Sportdeutschland-Vision“ verloren Man könnte behaupten, so einem Dachverband des deutschen Sports fiele es sogar leichter, aus dreien als aus vieren auszuwählen. Allerdings hat der DOSB am Sonntag nicht nur einen geschätzten Kandidaten verloren, sondern seine „Sportdeutschland-Vision“: Die Idee, Sommerspiele zu einer nationalen Sache zu machen, also den Deutschen, der Welt und dem IOC als letzter Instanz nichts weniger als Volkes an der Wahlurne gesammelten Willen zu präsentieren, erschien nicht zu klein gedacht. Allerdings konnte die Gesamtanlage nicht überzeugen: ohne eine Kapitale im Osten Deutschlands ist kein Staat zu machen mit der Einheit. Der DOSB wird versuchen, Hamburgs Desaster schnell hinter sich zu lassen. Das Resultat reduziert aber nicht nur den Kreis der Bewerber. Es wertet gleichzeitig die Ergebnisse von München und Nordrhein-Westfalen auf. Weil der Dachverband – zu Recht – so großen Wert auf die Mitbestimmung legt und sie als Alleinstellungsmerkmal deutscher Bewerber ins Feld führt, geriete er in Erklärungsnot, wenn Berlin nach Auswertung aller Kriterien bei der Wahl der Delegierten Ende September das Rennen machte. Denn zu einer so überzeugenden Zustimmung der von Spielen gerührten wie betroffenen Menschen wird es in der Hauptstadt bis zum Herbst nicht kommen. Die Verfassung der Stadt sieht keine Abstimmung vor. Wie sehr dem DOSB aber nach wie vor am Willen der Menschen gelegen ist, belegt sein trotzig wirkender Hinweis auf eine bundesweite Zustimmung laut Umfrageergebnissen – just nach dem Debakel in Hamburg. Was die mitunter wert sind, wenn es am Ort zur Sache geht, ließ sich ablesen: 60 Prozent der Befragten hatten sich für die Spiele in der Hansestadt ausgesprochen. Im Moment der Wahl votierten 54,9 Prozent dagegen. Nähme der DOSB die innere Stärke seiner Kampagne so ernst wie von ihm gepredigt, müsste er auf eine Abstimmung in Berlin bestehen. Alles andere wäre nicht vergleichbar.
