FAZ 29.05.2026
17:35 Uhr

Iran International: Iranischem Exilsender wurden Schulden in Millionenhöhe erlassen


Der Exilsender Iran International hat großen Einfluss auf die Meinungsbildung in Iran. Jüngst wurden ihm Schulden in Millionenhöhe erlassen.

Iran International: Iranischem Exilsender wurden Schulden in Millionenhöhe erlassen

Kurz vor dem Beginn der jüngsten Proteste in Iran im Dezember vergangenen Jahres hat der in London ansässige Exilsender Iran International erhebliche finanzielle Unterstützung erhalten. Wie die „Financial Times“ am Freitag berichtete, erließen die Anteilseigner dem Betreiber Volant Media UK Schulden in Höhe von 650 Millionen britischen Pfund (rund 750 Millionen Euro). Im Gegenzug bekamen sie neue Anteile an der defizitären Firma. Der Satellitensender hatte zuletzt erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung in Iran, insbesondere in Phasen, in denen der Zugang zum globalen Internet gesperrt wurde. Das war sowohl im Januar der Fall, als Tausende Demonstranten getötet wurden, als auch während des israelisch-amerikanischen Krieges gegen Iran. Wer den Sender finanziert, ist unbekannt. Der Betreiber macht dazu keine konkreten Angaben. Der „Financial Times“ sagte ein Sprecher des Unternehmens jetzt, man habe niemals staatliche Mittel von Saudi-Arabien oder Israel erhalten, „weder direkt noch indirekt“. Verluste in Höhe von 470 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren Anderslautende Behauptungen würden iranische Propaganda replizieren. Die Finanziers seien private, kommerzielle Investoren. Die Zeitung berichtete, im Dezember seien alle Anteile an dem Unternehmen von dem britisch-saudischen Geschäftsführer Adel Abdulkarim an ein Offshore-Unternehmen auf den Kaiman-Inseln übertragen worden. Laut „Financial Times“ wurde Iran International 2017 mithilfe britisch-saudischer Investoren gegründet. Innerhalb von fünf Jahren habe Volant Media UK umgerechnet mehr als 470 Millionen Euro an Verlusten ausgewiesen. Der Sender beschäftigt demnach weltweit 700 Mitarbeiter. In seiner Berichterstattung unterstützt er offen den früheren Kronprinzen Reza Pahlavi, unter anderem durch Verbreitung eines QR-Codes, über den Regimeinsider ihre Bereitschaft signalisieren sollen, die Seite zu wechseln. Kritiker werfen dem Sender vor, vor dem Krieg für eine israelisch-amerikanische Intervention in Iran geworben zu haben. Das Regime in Teheran hat den Sender 2022 als Terrororganisation eingestuft. Daraufhin wurde der Sitz zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen in die USA verlegt. 2024 wurde der für den Sender tätige Journalist Pouria Zeraati in London auf offener Straße von zwei rumänischen Männern mit einem Messer angegriffen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft handelten sie im Auftrag des iranischen Staates.