FAZ 08.05.2026
17:39 Uhr

Iran verlangt Gebühren: Eine Behörde für die Straße von Hormus


Teheran verschickt Antragsformulare an Schiffe, die die Meerenge durchfahren wollen. Der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran ist fragil.

Iran verlangt Gebühren: Eine Behörde für die Straße von Hormus

Während die USA und Iran noch über Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus verhandeln, versucht Teheran, seinen Kontrollanspruch über die Meerenge zu institutionalisieren. In dieser Woche wurde offenbar eine staatliche Agentur geschaffen, die den Anspruch erhebt, Durchfahrten zu koordinieren. Die vermeintliche Agentur verschickte laut Medienberichten E-Mails an Reedereien mit der Aufforderung, ihre im Persischen Golf gestrandeten Schiffe zu registrieren. In einem Formular werden Informationen wie das Gewicht und der Wert der Ladung, die Nationalität der Crewmitglieder, die geplante Route und die Nationalität des Schiffseigners abgefragt. Die Handelsroute ist eine internationale Wasserstraße, für die das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen keine solchen Genehmigungsverfahren vorsieht. Iran behandelt die Meerenge gewissermaßen als Kriegsbeute, mit der sie die eigenen Kriegsschäden ausgleichen will. Die Schaffung der neuen Agentur dient wohl auch dazu, deutlich zu machen, dass Teheran sich den Forderungen Donald Trumps nach einer Kapitulation nicht beugt. Im Telegram-Kanal des Obersten Führers Modschtaba Khamenei wurde klargestellt, dass Iran sich „den Hebel der Schließung der Straße von Hormus“ auch für die Zukunft vorbehalte. Ziel sei es, dass die iranische Bevölkerung finanziell von der Meerenge profitiere. Maximalforderungen als Reaktion auf Trumps Maximalforderungen Laut der von der Revolutionsgarde kontrollierten Agentur Fars hat die neue Institution Reedereien mitgeteilt, dass eine Gebühr in iranischer Währung und eine Garantie einer iranischen Bank für die Durchfahrt nötig seien. Schiffe aus Ländern, die in Iran Kriegsschäden verursacht hätten, dürften erst passieren, wenn die Länder Reparationen zahlten. Das klingt nach Maximalforderungen, mit denen Iran auf amerikanische Maximalforderungen in der Atomfrage reagiert. Auf ein entsprechendes Verhandlungsangebot aus Washington hat Teheran noch nicht offiziell geantwortet. Der Waffenstillstand zwischen beiden Ländern bleibt derweil fragil. Das US-Militär bestätigte am Freitagnachmittag, zwei unbeladene Öltanker unter iranischer Flagge beschossen zu haben. Die Schiffe hätten versucht, einen iranischen Hafen am Golf von Oman anzulaufen, teilte das amerikanische Zentralkommando Centcom mit. Von einem US-Kampfflugzeug seien an diesem Freitag Schüsse auf die Schiffe abgefeuert worden, um zu verhindern, dass sie die US-Seeblockade brechen würden, hieß es. Schon in der Nacht zum Freitag war es zu gegenseitigen Angriffen gekommen. Laut Teheraner Darstellung habe man drei amerikanische Zerstörer attackiert, nachdem ein Tanker angegriffen worden sei. Angriffe habe es in der Nacht zum Freitag demnach auch auf „zivile Gebiete“ gegeben. Das US-Militär sprach von militärischen Einrichtungen. Der amerikanische Präsident Donald Trump äußerte sich nach den gegenseitigen Angriffen wieder einmal widersprüchlich. Er spielte die Attacken auf iranische Militäranlagen in einem Interview mit dem Sender ABC am Donnerstag herunter. Sie seien ein „zärtlicher Klaps“ gewesen. Die Waffenruhe sei weiterhin in Kraft. Wenig später drohte er den Iranern auf seiner Plattform Truth Social mit schweren Angriffen, wenn sie „den Deal nicht schnell unterschreiben“. Die iranischen Drohnen seien abgewehrt worden und „wunderschön“ ins Meer gefallen, „so wie ein Schmetterling in sein Grab fallen würde“, schrieb er. Über wie viele Raketen verfügt Iran noch? Beim amerikanischen Zentralkommando Centcom klangen die Schläge gegen Teheran umfassender. Da hieß es in einer Stellungnahme, nach – erfolglosen – Attacken der Iraner auf drei amerikanische Lenkwaffenzerstörer habe man mit „Selbstverteidigungsschlägen“ reagiert. Es seien „Raketen- und Drohnenabschussstellen, Kommando- und Kontrollzentren sowie Knotenpunkte für Überwachung und Aufklärung“ angegriffen worden. Ein vertraulicher Bericht des Geheimdienstes CIA widerspricht offenbar der Darstellung Trumps, Iran stehe wegen der Seeblockade kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps und habe nur noch einen Bruchteil seines Raketenarsenals zur Verfügung. Die „Washington Post“ berichtete am Donnerstag unter Berufung auf die Analyse, Iran verfüge trotz der amerikanischen Angriffe nach wie vor über rund 70 Prozent des vor dem Krieg verfügbaren Raketenarsenals. Außerdem sollen drei Viertel der mobilen Abschussrampen weiterhin einsatzfähig sein. Laut der Zeitung wurde der Bericht Entscheidungsträgern in der Regierung in dieser Woche vorgelegt. Der amerikanische Präsident hatte die Lage wiederholt anders dargestellt – zuletzt am Mittwoch im Oval Office. Da behauptete Trump, die Raketenbestände Teherans seien durch die amerikanischen Angriffe „dezimiert“ worden. Sie hätten vermutlich noch 18 bis 19 Prozent im Vergleich zu vor dem Krieg; das sei „nicht viel“. Bemerkenswert ist auch die Schlussfolgerung des CIA-Berichts, wonach Iran die Seeblockade durch die Vereinigten Staaten drei bis vier Monate durchhalten könnte, bevor das Land dadurch in schwere wirtschaftliche Not geriete. Stimmte das, könnte es amerikanische Hoffnungen auf eine schnelle Einigung mit Teheran zunichtemachen. Trump nannte die Seeblockade jüngst „unglaublich“ und stellte es so dar, als stünde Iran kurz vor dem Kollaps: Die iranische Wirtschaft breche zusammen, die Währung sei „wertlos“, und das Land könne seine Truppen nicht mehr bezahlen.