„Ich will eigentlich nur zuhören“, sagt Jazeek, tritt einen Schritt zurück und überlässt der 16 Jahre alten Tuana aus Elsenfeld das Rampenlicht. Gebannt verfolgt das Publikum in der Frankfurter Festhalle, was sich zwischen den Duettpartnern entfaltet. Als Gewinnerin einer Tiktok-Challenge darf Tuana mit ihrem Idol „Alleine da“ performen und beschert der Menge einen Gänsehautmoment. Wenn sie von Schmerz und Hass singt, liegen in ihrer Soul-Stimme Verletzlichkeit und Wut. Jazeeks Gesang trägt ihren, beide Stimmen verschmelzen miteinander und trennen sich doch wieder – so wie die Liebenden im Song. Tuana ist keine Unbekannte, sie schaffte es 2025 bei „The Voice Kids“ bis ins Finale. Seitdem versucht sie, als Solokünstlerin durchzustarten. Und Jazeek? Wie ein Gentleman hält er sich beim Duett zurück und überlässt ihr den Moment. Ein Auftritt, der nicht nur die junge Sängerin, sondern auch das Publikum berührt. Überhaupt gelingt dem Sänger eine Balance zwischen melancholischem R ’n’ B und ausgelassener Party. Bei den ruhigeren Nummern versammelt er ein Quartett aus Pianist, Geigerin, Bassistin und Gitarrist um sich. Das gibt seinen Songs einen intimen Rahmen. Zwar ist Autotune ein ständiger Begleiter, doch gerade in diesen Momenten lässt Jazeek auch die Vielseitigkeit seiner Stimme durchscheinen. Gemeinsam mit der Sängerin Lune aus Sinsheim performt er „Ma Baby 2“. Das Duett gerät melodramatisch, getragen von zwei Stimmen, die sich zwischen Sehnsucht und Liebeskummer bewegen. Auch Rapper Bausa schaut vorbei und stimmt mit Jazeek „Wenn der Himmel weint“ an. Lange bleibt es bei den ruhigen Momenten aber nicht. Sobald die Beats anziehen, verwandelt sich die Festhalle in einen Club. Vier Tänzerinnen erobern die Bühne und räkeln sich um Jazeek, während er den langen Steg auf und ab läuft. Bei seinen Partyhits greift der Rapper auch auf vertraute Klänge zurück: Mit Samples wie bei Akons „Smack That“ verbindet er den Sound der Zweitausenderjahre mit seinem eigenen R ’n’ B. Gerade diese Mischung könnte ihn auch für ein Publikum jenseits seiner bisherigen Fanbase interessant machen. Lässt man den Blick durch die Festhalle schweifen, sieht man, dass sie vor allem aus Teenagern und jungen Erwachsenen besteht. Für viele ist der 24 Jahre alte Aachener längst mehr als ein Musiker. Seine Songs über erste große Gefühle, zerbrochene Beziehungen, Gras und lange Partynächte liefern den Soundtrack zum eigenen Leben. Seinen Anfang nahm Jazeeks Karriere im Lockdown während der Corona-Pandemie 2021. Er veröffentlichte ein Snippet von „Blunt für dich“, eine Anlehnung an den Zweitausender-Hit „Stadt“ von Cassandra Steen. Statt romantischer Stadtbilder ging es um einen Joint für die Angebetete. Das Video ging viral, Plattenlabels wurden auf ihn aufmerksam. Seitdem hat Jazeek seinen Mix aus Rap, Pop und R’n’B weiterentwickelt. In der Festhalle zeigt sich, wie selbstverständlich er zwischen den Genres wechselt und wie gut das bei seinen Fans ankommt. Nach rund eineinhalb Stunden verabschiedet er sich mit einer kurzweiligen Zugabe mit „Ma Baby“ und „Akon“. Ein fetter Knutscher in die Kamera, noch einmal Jubel aus der Menge und dann ist Schluss. Draußen warten die Eltern, am nächsten Morgen ist schließlich für viele wieder Schule.
