FAZ 05.06.2026
16:36 Uhr

Kochroboter: Die Künstliche Intelligenz erobert die Feldküchen


Das Start-up Circus installiert immer mehr Kochautomaten für das Militär. Vorstandschef Nikolas Bullwinkel berichtet von einer rasant wachsenden Nachfrage aus dem Verteidigungssektor.

Kochroboter: Die Künstliche Intelligenz erobert die Feldküchen

Die Feldküche für Soldaten im militärischen Einsatz wird in Zukunft nicht ohne die Künstliche Intelligenz (KI) auskommen. Denn die Kochroboter des 2021 in Hamburg gegründeten, inzwischen nach München umgezogenen Start-ups Circus SE arbeiten damit. Und die Nachfrage nach diesen Kochautomaten aus dem Verteidigungssegment wächst rasant. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden und Gründers Nikolas Bullwinkel ist das Interesse des Militärs an den Geräten sehr hoch. „Wir wollen auch in den Vereinigten Staaten ins Geschäft kommen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Dort ist Circus als Lieferant für die US-Regierungsbehörden und das Verteidigungsministerium zugelassen. „Die US Army wäre ein besonders interessanter Kunde, weil sie rund zwei Millionen Menschen verpflegen muss“, fügt der Circus-Chef hinzu. Vor wenigen Monaten installierte das 85 Mitarbeiter zählende Unternehmen den CA-1-KI-Kochroboter in der Hugo-Junkers-Bundeswehrkaserne in Alt Duvenstedt. 17 Kochroboter im Einsatz „Es ist unser erster Kochroboter für das Militär“, betont Bullwinkel. „Für uns bestätigt das, was wir von Anfang an geglaubt haben: Autonome Systeme sind die einzige Lösung, die Versorgungssicherheit wirklich skalierbar macht.“ Insgesamt befinden sich derzeit 17 Kochroboter von Circus im Einsatz, davon zwei für das Militär. Der CA-1-Kochroboter ist in Rewe-Filialen vertreten, weitere Kunden sind zum Beispiel der Facebook-Konzern Meta oder Mercedes-Benz. Dort bereiten sie Mahlzeiten für die jeweiligen Kantinen zu. Doch das Geschäft im Verteidigungssektor wird für Bullwinkel immer attraktiver. „Demnächst werden wir unsere Kochroboter an die ukrainischen Streitkräfte ausliefern“, berichtet er. In Litauen hat Circus eine Ausschreibung gewonnen. „Wir verhandeln derzeit mit mehr als zehn NATO-Staaten.“ In solchen Kontexten gehe es vor allem um Versorgungssicherheit, Skalierbarkeit und den zuverlässigen Betrieb unter anspruchsvollen Bedingungen. Erstes Geschäftsjahr mit Auslieferungen Circus erwartet in diesem Jahr einen Umsatz von 44 bis 55 Millionen Euro und einen operativen Verlust von sechs bis acht Millionen Euro. „Es ist das erste Geschäftsjahr, in dem wir unsere Systeme bei Kunden in Betrieb nehmen.“ Die Skalierung erfordere einen hohen Aufwand. „Unser Ziel ist es, 2027 oder 2028 den ersten Gewinn auszuweisen“, sagt Bullwinkel, der auch die wenig überzeugende Kursentwicklung der Circus-Aktie gelassen nimmt. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Kurs um rund 50 Prozent zurückgegangen. Er hält einen solchen Zeitraum für die Betrachtung einer Aktie eines so jungen Unternehmens wie Circus für falsch. Besser wäre es seiner Meinung nach, die Kursentwicklung über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren zu betrachten. Dass er dabei so gelassen wirkt, hat noch einen anderen, triftigen Grund: „Wir haben keinen Finanzierungsbedarf.“ Circus hat im vergangenen Jahr insgesamt 50 Millionen Euro aufgenommen, was dem Unternehmen mittelfristig genügt. Das Marktpotenzial für Kochroboter hält er für sehr groß: „Wir können Krankenhäuser, Unternehmen, Altenpflegeeinrichtungen, Flughäfen, Bahnhöfe und Kasernen damit versorgen.“ Mit dem Kochroboter sei der Personalmangel kein Thema mehr, und er wirke den steigenden Kosten entgegen, wirbt der Circus-Chef. „Unsere Kochroboter bereiten gutes Essen zu nachhaltig günstigen Preisen zu, und das jeden Tag 24 Stunden lang.“ Die KI erstellt den Speiseplan „Unser Ziel ist es, komplexes Kochen zu vereinfachen“, sagt Bullwinkel. Dies erfolgt nach seinen Worten über vollständige Autonomie und Künstliche Intelligenz. Die Software steuere das gesamte Bestellwesen für die Zutaten und werte alle möglichen Daten wie zum Beispiel Wetterdaten aus, um verlässlich den passenden Speiseplan für eine Woche zu erstellen. „Jeder Kochroboter im Einsatz wird von uns bewacht“, fügt Bullwinkel hinzu. Sollten die Portionen zu klein sein oder andere Prozesse nicht optimal funktionieren, könne Circus jederzeit eingreifen. Ein CA-1-Kochroboter kostet 250.000 Euro. Hinzu kommen monatliche Lizenzgebühren für Software und KI-System von bis zu 10.000 Euro. „Um diese und die Abschreibungen zu finanzieren, müssten am Tag rund 100 Gerichte zu einem Preis von sieben Euro verkauft werden“, rechnet Bullwinkel vor. In der Stunde kann der CA-1-Roboter seinen Angaben zufolge zwischen 70 und 100 Gerichte zubereiten. Der für das Militär entwickelte CA-M-Roboter kostet zwischen 500.000 und 600.000 Euro, da er aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen teurer produziert wird. Ein Kochroboter erfordert nach Bullwinkels Aussage maximal eine Personalstunde an Arbeit pro Tag für Beladen und Reinigen. „Das macht den wirtschaftlichen Vorteil gegenüber klassischen Küchenlösungen deutlich“, ist er überzeugt.