Die amerikanische Notenbank Federal Reserve wird in der Woche ihres Führungswechsels mit einer spürbar höheren Inflation konfrontiert. Die Verbraucherpreise stiegen im April um 0,6 Prozent, nach 0,9 Prozent im März. Binnen Jahresfrist legte der Preisindex um 3,8 Prozent zu. Der Treiber war vor allem Energie: Sie verteuerte sich im April um 3,8 Prozent und erklärte mehr als 40 Prozent des monatlichen Anstiegs. Auch Wohnen wurde teurer, um 0,6 Prozent. Lebensmittel kosteten 0,5 Prozent mehr. Ohne Energie und Lebensmittel erhöhten sich die Preise um 0,4 Prozent. Auf Jahressicht stieg die Kerninflation von 2,6 auf 2,8 Prozent. Energie war binnen Jahresfrist um 17,9 Prozent teurer, Lebensmittel um 3,2 Prozent. Der von der Notenbank als Inflationsindikator präferierte Index PCE, der die persönlichen Konsumausgaben misst, war im März um 0,7 Prozent gestiegen, nachdem er im Februar um 0,4 Prozent zugelegt hatte. Im Vergleich zum Vorjahr liegt der PCE-Preisindex um 3,5 Prozent höher und damit deutlich über dem Inflationsziel der Fed von zwei Prozent. Die Kerninflation nach dem PCE-Maß beträgt auf Zwölfmonatssicht 3,2 Prozent. Die Notenbanker sind sich nicht einig Die Federal Reserve hatte in ihrer jüngsten Sitzung von weiteren Leitzinssenkungen abgesehen. Es war die letzte Sitzung unter der Führung von Jerome Powell als Chef der Notenbank. Seine Amtszeit für die Rolle des Fed-Chefs endet am Freitag, an dem Kevin Warsh die Führung übernehmen soll. Warsh wird voraussichtlich noch in dieser Woche vom Senat bestätigt. Der Neue übernimmt damit auch die Leitung des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses, in dem sich zuletzt Richtungsstreits zeigten. Einige Zentralbanker wollten nach außen signalisieren, dass die Fed nicht mehr im Leitzins-Senkungsmodus sei. Das verkompliziert die Lage für Warsh, den US-Präsident Donald Trump mit der klaren Erwartung nominiert hatte, dass er Leitzinse senkt. Warsh galt ursprünglich als geldpolitischer Falke, hatte zuletzt aber für Leitzinssenkungen geworben, mit der Begründung, dass vor allem dank des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz die Produktivität massiv steigen und damit Produkte verbilligen werde.
