FAZ 21.03.2026
17:37 Uhr

Kwasniok nach 3:3 im Derby: „Ich bin der richtige Mann am richtigen Ort“


Nach dem spektakulär umkämpften 3:3 im rheinischen Derby ringt Kölns Trainer Lukas Kwasniok um seinen Job. Seine Mannschaft wirkt nicht, als hätte sie den Draht zu ihm verloren.

Kwasniok nach 3:3 im Derby: „Ich bin der richtige Mann am richtigen Ort“
Dieses von der U.S. Navy veröffentlichte Bild zeigt eine Luftaufnahme von Diego Garcia, einem Atoll des Chagos-Archipels. Uncredited/Uncredited/US Navy via AP/dpa

Es gibt beim Fußball diesen Werkzeugkasten der Phrasen, die für diese in regelmäßigen Abständen wiederkehrenden Momente des Fußballs passen. Zum Beispiel sagen Sportchefs bei einer unmittelbar bevorstehenden Trainerentlassung gerne: „Wir müssen das jetzt sachlich und rational analysieren“ und: „Wir werden uns Gedanken machen und eine Nacht drüber schlafen.“ Exakt diese Formulierungen wählte Thomas Kessler, der Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln, nach dem sehenswerten 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach, in dessen Verlauf die Kölner Mannschaft keinesfalls aufgetreten ist, als sei ihre Verbindung zum Trainer beschädigt. „Wir arbeiten intensiv jede Woche und das sieht man auf dem Platz“, sagte Schwäbe auf die Frage nach der Zusammenarbeit mit Lukas Kwasniok, der trotz der bedrohlichen Worte Kesslers optimistisch blieb. Es sei „das Normalste der Welt, die Sachen ruhig und sachlich zu analysieren“, sagte er und erklärte: „Man muss erstmal einen finden, der mehr Überzeugung in sich trägt, ich werde um diesen Job kämpfen, ich bin der richtige Mann am richtigen Ort mit der richtigen Mannschaft.“ Aber die Kölner gewinnen trotz ihrer vielen guten Leistungen einfach zu selten Spiele. Seit dem neunten Spieltag gelangen trotz vieler sehr ordentlicher Leistungen nur zwei Siege. Und auch der hohe Unterhaltungswert, den die Partien der Kölner auszeichnet, ist inzwischen nur ein schwacher Trost. Am Sonntag kann der FC St. Pauli mit einem Erfolg gegen Freiburg in der Tabelle am FC vorbeiziehen, der dann auf den Relegationsplatz abrutschen würde. „Wir sind in einer Zeit angekommen, wo wir wieder mal einen Dreier holen müssen“, sagte Kessler, was nichts anderes heißt als: Lukas Kwasniok muss ernsthaft um seinen Job fürchten, zumal die Länderspielpause der letzte halbwegs akzeptable Zeitpunkt für so eine Maßnahme wäre. Aber er hoffte noch auf einen Verbleib: Er erkenne eine „Einheit auf dem Platz, eine Einheit im Verein, das ist, was ich spüre.“ Und doch wäre ein Trainerwechsel in dieser Situation ungewöhnlich. Die Mannschaft lebt, „beide haben ein gutes Spiel abgeliefert“, sagte Kapitän Marvin Schwäbe, „als Zuschauer muss es unfassbar gewesen sein.“ Denn das Derby hatte ohne jeden Anlauf und ohne Abtasten direkt im Vollgasmodus begonnen, „ein wildes Spiel“ habe sich entwickelt sagte Kessler. Nach 29 Sekunden schoss Jens Castrop das 0:1, begünstigt durch einen Stellungsfehler des 19 Jahre alten Cenny Neumann, der nur deshalb rechts in der Kölner Viererkette spielte, weil sich der für diese Position vorgesehene Tom Krauß beim Aufwärmen verletzt hatte. Womöglich werden Kessler und die anderen Verantwortlichen beim FC Neumanns Nominierung in solch einem wichtigen Spiel rückblickend als Trainerfehler betrachten. Beim zwischenzeitlichen 2:3 verteidigte Neumann nämlich ebenfalls zu sorglos gegen Castrop, dem in der Folge ein perfekter Schuss aus 18 Metern in den Winkel gelang (60.). Kwasniok hätte auch den viel erfahreneren Jan Thielmann anstelle von Neumann spielen lassen können, entschied sich aber für den Nachwuchsmann. Das frühe 0:1 war also ein Schock für Neumann und alle anderen Kölner, auf den die Mannschaft jedoch mit einer imponierenden Reaktion antwortete. Für eine kurze Phase war es nach dem 0:1 recht still geworden im vor dem Anpfiff noch intensiv brodelnden Derbystadion. Bis Isak Johannesson einen hohen Ball in den Strafraum spielte, wo Said El Mala mit zwei kurzen Ballkontakten der Ausgleich gelang (4.). Als Ragnar Ache drei Minuten später nach einem tollen Spielzug auch noch das 2:1 gelang (7.), explodierten die Emotionen. Beim 2:2 in der 21. Minute war dann allerdings sichtbar, welche Grundfähigkeit bei El Mala noch nicht besonders gut ausgeprägt ist. In der Entstehung stand der Kölner bei Philipp Sander, der sich dann in den Strafraum bewegte. El Mala war in diesem Moment verantwortlich, fühlte sich aber offenbar nicht so, wodurch Sander unbedrängt das zweite Gladbacher Tor erzielen konnte. Es folgte eine lange Phase, in der die Kölner viel versuchten, aber kaum Gefahr erzeugten, bis die Eric-Martel-Minuten begannen. Erst köpfte der Mittelspieler nach einem Eckball das 3:3 (84.), dann traf er bei einem Kopfballduell mit dem Arm das Gesicht eines Gladbachers und flog mit einer gelb-roten Karte vom Platz (86.). Am Ende freuten sich trotz des späten Gegentreffers aber eher die Gladbacher, die dem wichtigen Sieg gegen St. Pauli vom Spieltag zuvor einen Punkt bei einem direkten Konkurrenten folgen ließen. „Es war extrem viel Derby drinnen und ein relativ leistungsgerechtes Unentschieden“, sagte der Gladbacher Trainer Eugen Polanski. Der Fünf-Punkte-Vorsprung auf den FC ist geblieben, und die Mannschaft hat deutlich an Stabilität gewonnen, die bis vor zehn Tagen am Niederrhein schwelende Trainerdebatte an diesem Standort ist vorerst verstummt.