FAZ 23.05.2026
14:49 Uhr

Liveblog Irankrieg: Frankreich untersagt Israels Polizeiminister Einreise


Itamar Ben-Gvir hatte pro-palästinensische Aktivisten erniedrigend behandelt +++ Medienberichte: USA bereiten mögliche neue Angriffe auf Iran vor +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Frankreich untersagt Israels Polizeiminister Einreise

Rubio zeigt sich zuversichtlich hinsichtlich einer möglichen Einigung mit IranDer amerikanische Außenminister Marco Rubio hat sich zuversichtlich mit Blick auf eine mögliche Einigung mit Iran zur Beendigung des Krieges geäußert. „Es besteht die Möglichkeit, dass wir, entweder später heute, morgen oder in ein paar Tagen, etwas bekannt zu geben haben“, sagte Rubio am Samstag vor Reportern im indischen Neu-Delhi. Er hoffe auf „gute Nachrichten“, fügte der Außenminister hinzu. Am Freitag hatten die US-Sender CBS und das Nachrichtenportal „Axios“ noch berichtet, dass das US-Militär sich auf die Wiederaufnahme der Angriffe vorbereite.

Hamas wirft Israel Bruch der Waffenruhe vor Die islamistische Hamas im Gazastreifen wirft Israel vor, die Vereinbarungen für eine Waffenruhe zu verletzen. Hamas-Sprecher Hasem Kassem begründete dies mit israelischen Militäreinsätzen in den vergangenen Tagen. Die Bombardierung von Wohnhäusern im Gazastreifen und die damit einhergehende Flucht der Bevölkerung stehe im Widerspruch zu den Vereinbarungen.Die israelische Armee erklärte auf der Plattform X, dass bei zwei separaten Vorfällen am Freitag „mehrere Terroristen“ getötet worden seien. Diese hätten die sogenannte gelbe Linie überschritten und sich den Streitkräften in bedrohlicher Weise genähert. Die gelbe Linie bezeichnet die im Rahmen der Waffenruhe vereinbarte Rückzugsposition der israelischen Armee und gilt als neue Grenzlinie zum Gazastreifen.

Fünf Polizisten bei israelischem Angriff im Gazastreifen getötetBei einem israelischen Angriff auf einen Polizeiposten im Norden des Gazastreifens sind fünf Polizisten getötet worden. Mehrere weitere Menschen ‌seien bei dem Vorfall nahe dem Viertel Scheich Radwan verletzt worden, teilte die dortige Polizeidirektion mit. Eine Stellungnahme des ‌israelischen Militärs lag zunächst ‌nicht vor. 

Iran warnt USA vor Wiederaufnahme des KriegesIrans Chefunterhändler und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warnt die ‌USA vor einer Wiederaufnahme des Krieges. Iran werde bei den Rechten seiner Nation und seines ‌Landes ‌keine Kompromisse eingehen, sagt Ghalibaf dem pakistanischen Armeechef bei einem Treffen in Teheran laut einem Bericht des ​Staatsfernsehens. Die iranischen Streitkräfte ⁠hätten ihre Fähigkeiten während der Waffenruhe wiederaufgebaut, erklärt er weiter. Sollten die ​USA „törichterweise den Krieg wieder aufnehmen“, wären die Konsequenzen „noch ⁠vernichtender und bitterer“. 

Pakistans Armeechef zu Gesprächen in Teheran Inmitten neuer Verhandlungsbemühungen im Irankrieg hat der pakistanische Armeechef Asim Munir in Teheran politische Gespräche mit der iranischen Führung geführt. Am Freitagabend traf er sich nach Angaben des Staatssenders Irib zu einem Austausch mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi. Inhaltliche Details wurden nicht bekanntgegeben, das Gespräch soll aber bis nach Mitternacht gedauert haben. Munir will sich demnach auch mit Präsident Massud Peseschkian und Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf treffen. Am Freitag hieß es aus pakistanischen Sicherheitskreisen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, Munir sei unterwegs, um den Entwurf für eine Vereinbarung zwischen den USA und Iran zu besprechen. In pakistanischen Sicherheitskreisen war Optimismus verbreitet worden, dass eine Vorvereinbarung zwischen den USA und Iran greifbar sei. Munir hätte demnach eigentlich am Donnerstag nach Teheran reisen sollen. Er habe jedoch auf grünes Licht der iranischen Verhandler gewartet, dass tatsächlich eine erste Einigung erzielt werden kann. Um welche Punkte es dabei gerade genau geht, ist nicht bekannt. Feldmarschall Asim Munir werden gute Kontakte zu US-Präsident Donald Trump nachgesagt und er gilt als Vermittler zwischen den Kriegsparteien.

Israels Armee meldet Angriffe auf Hizbullah-Ziele in LibanonDie israelische Armee hat nach eigenen Angaben mehrere Stellungen der libanesischen Hizbullah-Miliz angegriffen und zerstört. Wie das Militär auf der Plattform X mitteilte, wurde dabei eine unterirdische Anlage der Hizbullah im Gebiet der Bekaa-Ebene getroffen. Diese sei zur Herstellung von Waffen genutzt worden, die gegen israelische Zivilisten und Soldaten eingesetzt werden sollten.Zudem griff die Armee Standorte der Hizbullah in der südlibanesischen Küstenstadt Tyros an, die rund 20 Kilometer nördlich der Grenze zu Israel liegt. Hizbullah-Kämpfer hätten von dort aus Angriffe gegen Soldaten geplant und ausgeführt, hieß es.Wie die Armee weiter mitteilte, wurde am Freitag ein Versuch vereitelt, mit Hilfe einer Drohne acht Pistolen und Magazine nach Israel zu schmuggeln. Die Drohne sei abgefangen worden.

Sechs Sanitäter bei israelischen Angriffen in Libanon getötetBei israelischen Angriffen im Süden Libanons sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums binnen 24 ​Stunden sechs Sanitäter getötet worden. Das Ministerium verurteilte die Vorfälle am Freitag als Verletzung des Völkerrechts. In ⁠der Nacht zum Freitag seien in der Ortschaft Hanaway vier Rettungskräfte der Islamischen Gesundheitsorganisation ums Leben gekommen. Am Freitagmorgen habe ein weiterer israelischer Angriff in Deir Kanun en-Nahr zwei Sanitäter der Al-Rissala-Pfadfinderorganisation getötet. Insgesamt seien in Deir ‌Kanun en-Nahr sechs Menschen gestorben, darunter ein syrisches Kind.Das israelische Militär teilte zu dem Vorfall in Hanaway mit, es habe Infrastruktur der Hizbullah angegriffen, in der sich Kämpfer der Miliz aufgehalten hätten. ‌In Deir Kanun en-Nahr hätten Soldaten ‌zwei Hizbullah-Kämpfer auf Motorrädern identifiziert und attackiert. In beiden Fällen prüfe das Militär Berichte, wonach Unbeteiligte zu Schaden gekommen seien. Man habe Maßnahmen ergriffen, um zivile Opfer zu vermeiden, unter anderem durch Evakuierungsaufrufe.

Berichte: USA bereiten mögliche neue Angriffe auf Iran vorDie USA bereiten Medienberichten zufolge mögliche neue Angriffe auf Iran vor. Das Nachrichtenportal „Axios“ berichtete am Freitag, US-Präsident Donald Trump habe am Morgen eine Sitzung mit seinen engsten Beratern abgehalten. Trump erwäge ernsthaft neue Angriffe, sollte es bei Verhandlungen mit Teheran keinen Durchbruch geben. Auch der US-Sender CBS berichtete von möglichen neuen Angriffen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht getroffen worden.Trump selbst hatte am Freitag auf seiner Onlineplattform Truth Social erklärt, er könne wegen „Umständen“ nicht an der bevorstehenden Hochzeit seines ältesten Sohnes Donald Trump Jr. teilnehmen. Nähere Angaben zu diesen Umständen hatte der US-Präsident nicht gemacht.

Rubio: Brauchen „Plan B\" für die Öffnung der Straße von HormusUS-Außenminister Marco Rubio hat beim NATO-Außenministertreffen in Schweden für einen „Plan B“ zur Öffnung der Straße von Hormus geworben. Alle würden ein Abkommen mit Iran begrüßen, das die Öffnung der für den globalen Öl- und Gasmarkt zentralen Meerenge beinhalte, sagte Rubio in Helsingborg. Falls sich Iran aber weigere, die Meerenge zu öffnen, und beschließe, sie zu kontrollieren und Mautgebühren für die Durchfahrt zu erheben, brauche man einen „Plan B“. „Ich habe diesen Punkt heute angesprochen. Ich habe viel Zustimmung erhalten, (...) aber wir haben heute keine Ankündigung für Sie“, fuhr Rubio fort.Der US-Außenminister verwies darauf, dass ein internationales Bündnis unter der Führung Frankreichs und Großbritanniens bereits eine mögliche Marinemission nach einem Ende der Kampfhandlungen vorbereitet. Zugleich betonte er: „Aber wir brauchen einen Plan B für den Fall, dass jemand schießt – wie öffnet man dann die Meerenge wieder?“ Er wisse nicht, ob das unbedingt eine NATO-Mission sein müsse, „aber es wären sicherlich NATO-Länder, die dazu beitragen können“. 

Verhandlungen: Pakistans Armeechef reist nach TeheranInmitten neuer Verhandlungsbemühungen im Irankrieg reist Pakistans Armeechef Asim Munir nach Teheran. Munir sei unterwegs, um den Entwurf für eine Vereinbarung zwischen den USA und Iran zu besprechen, hieß es aus pakistanischen Sicherheitskreisen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Munir solle die iranische Führung treffen. Zuvor hatten iranische Medien über die Reise berichtet.Feldmarschall Asim Munir werden gute Kontakte zu US-Präsident Donald Trump nachgesagt und gilt als Vermittler zwischen den Kriegsparteien. Der pakistanische Innenminister und Vertraute von Munir, Mohsin Naqvi, ist bereits in Teheran. Er habe sich dort in den vergangenen Tagen mehrfach mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi zum Austausch getroffen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim.

Israels Botschafter fordert Konsequenzen aus Mord-PlanNach der Anklage der Bundesanwaltschaft gegen einen Mann, der im Auftrag Irans Juden und Freunde Israels in Deutschland für Mord- und Brandanschläge ausgespäht haben soll, fordert Israels Botschafter Ron Prosor Konsequenzen. „Der iranische Terror bedroht längst nicht mehr nur den Nahen Osten, sondern auch die Sicherheit in Deutschland und Europa“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Das verlangt eine harte Antwort aus Berlin, die international koordiniert werden sollte.“Die Anklage war am Donnerstag bekannt geworden. Die Karlsruher Behörde wirft einem Dänen mit afghanischen Wurzeln geheimdienstliche Agententätigkeit vor. Mitangeklagt ist ein mutmaßlicher Komplize, der dem verdächtigten Spion seine Unterstützung für eine mögliche Anschlagsvorbereitung zugesagt haben soll. Unter den Ausgespähten waren den Angaben zufolge der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sowie der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck. Dies verdeutliche „die erschreckende Dimension des Staatsterrors der Mullahs“, sagte Prosor. „Hier wurden keine Israelis ins Visier genommen, sondern gezielt deutsche Staatsbürger aus der Mitte der deutschen Zivilgesellschaft.“ 

Rutte: „Wo immer wir helfen können, werden wir da sein“NATO-Generalsekretär Mark Rutte schließt eine Bündnis-Unterstützung des geplanten Militäreinsatzes zur Sicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus nicht aus. „Wo immer wir helfen können, werden wir da sein“, sagte der Niederländer bei einem Treffen der Außenminister der Bündnisstaaten in der schwedischen Hafenstadt Helsingborg. Die freie Schifffahrt in der von Iran blockierten Meerenge liege im Interesse aller Alliierten. Welche Rolle die NATO bei einem möglichen Einsatz spielen könnte, sagte Rutte nicht. Seinen Worten zufolge ist es auch möglich, dass das Bündnis als Organisation keine zentrale Rolle spielt, sondern vor allem die Mitgliedstaaten. Unter der Führung Frankreichs und Großbritanniens hatte zuletzt ein internationales Bündnis eine mögliche Marinemission nach einem Ende der Kampfhandlungen vorbereitet.

Iran: 35 Schiffe durchqueren Straße von HormusNach iranischen Angaben sollen in den vergangenen 24 Stunden 35 Schiffe die für den Energiehandel wichtige Straße von Hormus passiert haben. Dies sei in Koordination mit der Marine der iranischen Revolutionsgarden erfolgt, zitierte der iranische staatliche Rundfunk eine Mitteilung der Streitkräfte. Es handelte sich den Angaben nach um Öltanker, Frachter und andere Handelsschiffe.Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die für den Energiehandel wichtige Straße von Hormus übernommen. Durch Drohungen, Kontrollen und Angriffe auf Schiffe kam der Verkehr in der Meerenge weitgehend zum Erliegen. Die Folge waren weltweit deutlich steigende Energie- und Kraftstoffpreise. Die Meerenge ist laut Iran zudem inzwischen vermint.Teheran betont stets, die Straße von Hormus sei nicht blockiert. Faktisch müssen sich Reedereien jedoch mit iranischen Kontaktstellen koordinieren und dürfen anschließend nur einen Korridor nahe der iranischen Küste passieren. Dafür verlangt die iranische Führung hohe Gebühren. Völkerrechtlern zufolge verstoßen solche Gebühren gegen das Recht auf Transitpassage. 

Libanon: Israel greift Sanitäter anDie gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und der Hizbullah im Libanon gehen trotz Waffenruhe weiter. In Libanon wurde dabei in der Nacht nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur NNA eine Einrichtung des Islamischen Gesundheitsdiensts angegriffen. Dabei wurden demnach vier Mitarbeiter getötet. Zwei Sanitäter seien verletzt worden. Das israelische Militär äußerte sich zu dem Angriff zunächst nicht.Der Gesundheitsdienst steht der Hisbollah nahe. Israel greift in Libanon immer wieder auch Gesundheitseinrichtungen und medizinische Teams an. Es wirft der von Iran unterstützten Hizbullah vor, diese als Tarnung zu missbrauchen, um Waffen und Kämpfer zu verstecken. Die libanesische Regierung, die keine Konfliktpartei im aktuellen Krieg ist, weist das zurück. Gesundheitsminister Rakan Nassereddine verurteilte die Angriffe kürzlich als „systematische gezielte Zerstörung des Gesundheitssektors“. Seit Beginn der jüngsten Eskalation zwischen Israel und der Hizbullah Anfang März wurden nach Behördenangaben 116 Beschäftigte im Gesundheitswesen getötet. 16 Krankenhäuser wurden demnach beschädigt und 147 Krankenwagen angegriffen. Die israelische Armee gab unterdessen an, zwei bewaffnete Menschen nahe der israelischen Grenze in Südlibanon getötet zu haben. Außerdem sei ein verdächtiges Luftobjekt auf dem Weg in den israelischen Luftraum identifiziert worden. Der Kontakt dazu sei jedoch verloren gegangen, bevor es israelisches Gebiet erreicht habe. Verletzte habe es nicht gegeben.