FAZ 17.03.2026
19:37 Uhr

Liveblog Irankrieg: Trump: Amerika braucht Verbündete nicht


Amerikanischer Präsident ändert Position bei Suche nach Unterstützung +++  Rücktritt von Geheimdienstchef in Washington wegen Irankrieg +++ Israel: Irans De-facto-Führer Laridschani getötet +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Trump: Amerika braucht Verbündete nicht

Medienbericht: Russland teilt Satellitenbilder mit IranRussland weitet einem Zeitungsbericht zufolge seine geheimdienstliche und militärische Zusammenarbeit mit Iran aus. Die Regierung in Moskau stelle Teheran Satellitenbilder und verbesserte Drohnentechnologie zur Verfügung, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Damit werde Iran dabei unterstützt, US-Streitkräfte in der Region ins Visier zu nehmen, schreibt die Zeitung weiter. 

Iran: Lage in Straße von Hormus wird nicht wieder wie vor dem Krieg seinDer iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hat dauerhafte Veränderungen für den Schiffsverkehr in der für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtigen Straße von Hormus angekündigt. „Die Situation in der Straße von Hormus wird nicht zu ihrem Vorkriegszustand zurückkehren“, erklärte er am Dienstag auf Englisch in Onlinenetzwerken. 

Irakische Medien: Flammen an US-Botschaft im Irak nach AngriffIn der irakischen Hauptstadt Bagdad ist die US-Botschaft erneut unter Beschuss geraten. Von dem Gebäude im hoch gesicherten Regierungsviertel stieg Rauch auf, wie irakische Medien berichteten. Zunächst bekannte sich niemand zu der Attacke. Erst vor zwei Tagen war bei einem Angriff offenbar ein Abwehrsystem an der Botschaft getroffen worden. „Verbotene Gruppen“ hätten die Botschaft erneut angegriffen, teilten die irakischen Streitkräfte mit. Es handle sich um einen „Terrorangriff“ auf die Souveränität des Landes. Ministerpräsident Mohammed al-Sudani verurteilte Angriffe auf Botschaften und andere diplomatische Vertretungen im Land. Es handle sich dabei um „kriminelle Versuche, den Irak, seine Sicherheit und Stabilität“ zu gefährden. 

Israel meldet neue Angriffe aus LibanonDie proiranische Hizbullah in Libanon hat israelischen Armeeangaben zufolge erneut Israel beschossen. Israelischen Medien zufolge feuerte die Miliz am Abend Dutzende Raketen und Drohnen aus Libanon. Demnach gab es Schäden durch Einschläge von Raketenteilen.Unter anderem sei ein Wohnhaus getroffen worden. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht. In mehreren Gegenden im Norden Israels sowie in israelischen Siedlungen im Westjordanland heulten Warnsirenen.Die Hizbullah reklamierte mehrere Angriffe mit Raketen und Drohnen für sich. Zuvor hatte Israels Armee Pläne der Hizbullah für umfangreiche Raketenangriffe auf Israel für den Abend publik gemacht. Das israelische Militär teilte auch mit, die israelische Luftwaffe greife derzeit Raketenabschussrampen und weitere Ziele der Hisbollah in Libanon an. 

US-Außenministerium ruft alle Auslandsvertretungen zu Sicherheitsevaluation aufDas amerikanische Außenministerium hat alle amerikanischen Auslandsvertretungen angewiesen, wegen des Irankriegs „unverzüglich“ eine Überprüfung ihrer Sicherheitslage durchzuführen. Washington verwies dabei auf die „anhaltende und sich entwickelnde Lage im Nahen Osten sowie mögliche Übertragungseffekte“. Das berichtete die Washington Post am Dienstag unter Berufung auf ein Rundschreiben des Ministeriums. Demnach sollen „alle Vertretungen weltweit“ Notfallteams benennen, die Bedrohungen identifizieren, Vorkehrungen treffen und die Sicherheitslage überprüfen sollen. Laut der Zeitung ist es das erste Mal, dass eine solche Anweisung nicht nur an Vertretungen im Nahen Osten, sondern an Botschaften und Konsulate auf der ganzen Welt ging. Nicht klar ist, ob die Aufforderung sich auf neue Warnungen oder Informationen der Geheimdienste bezieht oder wegen der allgemeinen Gefahrenlage geäußert wurde. 

Trump stellt NATO-Mitgliedschaft der USA in Frage Wegen seines Ärgers über die Verbündeten der NATO, die die Vereinigten Staaten nicht im Irankrieg unterstützen wollen, hat der amerikanische Präsident am Dienstag mit dem Austritt aus dem Bündnis gedroht. Amerika habe über die Jahre „viele Billionen Dollar“ für die NATO ausgegeben und anderen Ländern geholfen. „Und wenn sie uns nicht helfen, dann ist das sicherlich etwas, über das wir nachdenken sollten.“ Er habe zurzeit nichts Konkretes im Sinn, sei aber „nicht gerade begeistert“, wenn man der NATO im Moment auch noch „mit der Ukraine helfe“.

Wadephul: Regime-Wechsel ist wohl nicht Amerikas Ziel Bundesaußenminister Johann Wadephul rechnet nicht mit einem Regime-Wechsel im Iran. „Ich glaube nicht, dass das passiert\", sagt Wadephul in Berlin. US-Außenminister Marco Rubio habe ihm gesagt, Ziel der anhaltenden Angriffe auf Iran sei die Zerstörung der Atom- und Raketenprogramme, um die Gefährdung Israels auszuschalten. Ein kontrollierter Regime-Wechsel sei ohnehin nicht realistisch, und Chaos im Iran ​sei nicht im Interesse Europas. 

Israel setzt Angriffe fortIsraels Armee bombardiert nach der von ihr verkündeten Tötung des Kommandeurs der iranischen Basidsch-Einheiten weiter Ziele dieser Miliz in Teheran. „In den vergangenen Stunden hat die israelische Luftwaffe Angriffe auf Mitglieder und Stellungen der Basisch-Einheit ausgeführt“, teilte das israelische Militär mit. Weitere Einzelheiten nannte die Armee zunächst nicht.  Sie hatte zuvor erklärt, sie habe den Kommandeur der Basidsch-Einheiten, Brigadegeneral Gholamresa Soleimani, getötet. Unter dessen Führung seien die Einheiten für die blutige Niederschlagung der Proteste im Iran im Januar verantwortlich.  

Die Zahl der Toten seit Beginn der israelischen Offensive im Libanon am 2. März ist auf über 900 gestiegen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters nach einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums in Beirut. 

Chef des US-Zentrums für Terrorismusbekämpfung tritt zurück: „Haben Krieg wegen Drucks aus Israel begonnen“Der Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung in den Vereinigten Staaten, Joe Kent, ist aus Protest gegen den Irankrieg von seinem Posten zurückgetreten. In einem am Dienstag veröffentlichten Brief hieß es, er könne den Krieg nicht guten Gewissens unterstützen. Iran habe „keine direkte Bedrohung für unsere Nation“ dargestellt. Es sei vielmehr klar, „dass wir diesen Krieg wegen des Drucks aus Israel und seiner mächtigen amerikanischen Lobby begonnen haben“. An den Präsidenten gerichtet schrieb Kent, er habe die Außenpolitik unterstützt, für die Trump in den Wahlkämpfen 2016, 2020 und 2024 eingetreten sei. Bis Juni 2025 sei Trump sich darüber im Klaren gewesen, „dass die Kriege im Nahen Osten eine Falle waren: Sie kosteten Amerika das Leben unserer Patrioten und schwächten den Wohlstand der Nation“. Zu Beginn der zweiten Amtszeit hätten „ranghohe israelische Beamte und einflussreiche amerikanische Medienvertreter“ jedoch eine „Desinformationskampagne“ gestartet, die Trumps „America First“-Agenda untergraben habe. Kent fuhr fort, mit Hilfe dieser „Echokammer“ habe man Trump „vorgegaukelt“, Iran stelle eine unmittelbare Bedrohung dar und ein sofortiger Angriff ebne den Weg zu einem schnellen Sieg. „Das war eine Lüge.“Kent, dessen Abteilung bei der Nationalen Geheimdienstdirektorin Tulsi Gabbard angedockt ist, ist der erste ranghohe Beamte der Regierung, der wegen des Kriegs zurücktritt. Als Kandidat für das Repräsentantenhaus 2021 präsentierte er sich im Wahlkampf als Unterstützer Trumps. Kent schied 2018 aus dem Militär aus und absolvierte bis dahin elf Kampfeinsätze. Seine Frau Shannon Smith, Mitglied der U.S. Navy, kam bei einem Selbstmordattentat im syrischen Manbij 2019 ums Leben. In seinem Brief schrieb Kent nun, als jemand, der seine Frau in einem „von Israel angezettelten Krieg“ verloren habe, könne er es nicht unterstützen, „die nächste Generation in einen Krieg zu schicken, in dem sie kämpfen und sterben muss“.

Irankrieg könnte Hungerkrise auslösenDas Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen warnt vor weltweiten Auswirkungen bei der humanitären Versorgung, wenn der Krieg der USA und Israels gegen den Iran lange anhält. „Für Millionen von Menschen, die bereits am Abgrund stehen, könnte das eine Katastrophe bedeuten“, sagte Carl Skau, der stellvertretende WFP-Exekutivdirektor. Bis zu 45 Millionen Menschen könnten durch die Krise hungern müssen. Der Grund seien steigende Lebensmittelkosten. Zum einen ist die Verschiffung von Nahrungsmitteln aus den Logistikzentren in Dubai am Persischen Golf wegen der vom Iran bedrohten Schiffspassage durch die Straße von Hormus unterbrochen. Es müssen riesige Umwege in Kauf genommen werden, was viel Zeit kostet. Zum anderen steigen mit dem Ölpreis auch die Kosten für jeden Transport. 

Wadephul fordert baldiges Ende des IrankriegsBundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat auf ein Ende des Iran-Krieges und „gemeinsame Wege aus der Eskalation“ gedrängt. „Dieser Krieg muss bald ein Ende finden“, sagte Wadephul am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit dem griechischen Außenminister Giorgos Gerapetritis in Berlin. „Wir müssen gemeinsam Wege aus der Eskalation finden und erste Schritte hin zu einer diplomatischen Lösung vorbereiten“, fügte er hinzu.Wadephul bekräftige, dass Deutschland nicht an einer militärischen Sicherung der Straße von Hormus teilnehmen werde, die eine wichtige Wasserstraße für Öl-, Gas- und andere Transporte ist. Wadephul hob hervor, dass etwa auch Düngemittel darüber exportiert würden: „Stocken diese Transporte, hat das verheerende Auswirkungen auf die Nahrungssicherheit weltweit.“

Israel: „De-facto-Führer des iranischen Regimes“ ausgeschaltetDurch die Tötung Ali Laridschanis hat Israel laut Angaben eines Armeevertreters den „De-facto-Führer des iranischen Regimes“ ausgeschaltet. Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats habe schon seit dem Zwölftagekrieg im vergangenen Juni eine herausragende Rolle innerhalb der Islamischen Republik gespielt, sagte der Armeevertreter am Dienstagvormittag. Insbesondere seitdem der Oberste Führer Ali Khamenei am 28. Februar getötet worden war, sei Laridschani aber derjenige gewesen, „der die Fäden in der Hand hielt und die Figuren bewegte“. Seine Tötung sei „ein schwerer Schlag“ für das Regime. Ein „Präzisionsschlag“ habe ihn ausgeschaltet, während er sich in der Nähe von Teheran aufhielt, heißt es in der Mitteilung. Zuvor hatte das Militär sich noch vorsichtiger geäußert. Man glaube, dass Laridschani bei dem Luftangriff getötet worden sei, hatte ein Armeevertreter am Vormittag zu Journalisten gesagt.Verteidigungsminister Israel Katz hatte kurz zuvor in einer Mitteilung verkündet, dass Laridschani in der Nacht zum Dienstag bei einem israelischen Luftangriff getötet worden sei, ebenso wie der Kommandeur der Basidsch-Miliz, Gholamresa Soleimani. Letzterer sei bei einem Luftangriff auf ein provisorisches Hauptquartier zusammen mit weiteren Basidsch-Kommandeuren getötet worden, erläuterte der Armeevertreter.  

China kommt eine Verlegung des Trump-Besuchs entgegenNach Donald Trumps kriegsbedingter Verschiebung seines für Ende März geplanten Peking-Besuchs hat das chinesische Außenministerium am Dienstag mitgeteilt, man stehe „über den Zeitpunkt von Trumps Besuch in China in Kontakt“.Eine Verschiebung dürfte auch Peking gelegen kommen. Chinesische Vertreter hatten sich über inhaltlich unzureichende Vorbereitung in Washington auf den Staatsbesuch beklagt. Zudem sähe sich Staatschef Xi Jinping gegenüber Trump jetzt nicht gezwungen, im Beisein des US-Präsidenten öffentlich zum Irankrieg Position zu beziehen. Anders als beim Krieg im vergangenen Jahr hat sich Xi bislang nicht zum israelisch-amerikanischen Angriff geäußert.Eine Dringlichkeit, selbst aktiv am Golf einzugreifen, wie von Trump online verlangt, sieht China ohnehin nicht. Trump hatte China und andere Staaten aufgefordert, selbst Kriegsschiffe in den Golf von Hormus zu entsenden. „Die Ursache der Spannungen in der Straße von Hormus ist nicht ein Mangel an Kriegsschiffen, sondern ein andauernder Krieg“, schrieb die chinesische Parteizeitung „Global Times“ und fragte: „Geht es hier wirklich um ‚gemeinsame Verantwortung‘ – oder geht es darum, das Risiko eines Krieges zu teilen, den Washington begonnen hat und nicht beenden kann?“Zwar leiden auch Chinas Nahost-Energieimporte unter dem Krieg. Doch ist das amerikanische Vorgehen für die Chinesen auch eine neuerliche Gelegenheit, den Kontrast zu betonen zwischen Pekings Aufrufen zur Deeskalation und Trumps Ankündigungen, etwa „zum Spaß“ weitere Angriffe auf Iran zu fliegen. Zudem hat Iran bereits angekündigt, Handelsschiffe auf dem Weg in sein Partnerland China von Angriffen zu verschonen.Einen offenen Konflikt mit Trump will Staatschef Xi Jinping vermeiden, um die Wirtschaftsbeziehungen beider Seiten zu stabilisieren. So kommt eine Verschiebung des Staatsbesuchs besser an als eine Absage. Während die strategisch-politischen Gespräche zwischen beiden Mächten stocken, führen Washington und Peking gerade Handelsgespräche in Paris.