FAZ 10.03.2026
10:31 Uhr

Liveblog Irankrieg: Wadephul skeptisch, dass Krieg bald endet


Außenminister: Krieg wird so lange weitergehen, bis Trump seine Ziele erreicht +++ Revolutionsgarde: Krieg wird von Iran und nicht von den USA beendet +++ UN warnen vor schweren Umweltschäden durch Angriffe auf Ölanlagen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Wadephul skeptisch, dass Krieg bald endet

Israel fliegt neue Angriffswelle gegen TeheranIran ​wird am Dienstag US-Verteidigungsminister Pete Hegseth zufolge so stark bombardiert wie noch an keinem anderen Tag des Krieges. Es würden die meisten Kampfflugzeuge und Bomber ⁠eingesetzt, sagt Hegseth, der sich selbst Kriegsminister nennt, gegenüber Journalisten. Der Iran verzweifle. Das Land stehe alleine da und verliere. Zuvor hatte die israelische Armee eine weitere Angriffswelle gegen die iranische Hauptstadt Teheran gestartet. Wie die Armee mitteilte, richteten sich die Angriffe gegen „Ziele des iranischen Terrorregimes in Teheran“. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass die Stadt von mehreren heftigen Explosionen erschüttert wurde. Nach Berichten iranischer Medien waren mehrere Stadtteile betroffen.In der Nacht hatte die israelische Armee nach eigenen Angaben bereits mehrere Ziele in Teheran angegriffen, darunter einen unterirdischen Komplex, der sich auf dem Gelände einer „Militäruniversität“ befand und von den iranischen Revolutionsgarden für Tests zur Entwicklung und Produktion von Raketen genutzt wurde. Israelische Kampfflugzeuge flogen demnach zudem Angriffe auf „Infrastruktur“ im Hauptquartier der Quds-Brigaden, einer Eliteeinheit der Revolutionsgarde. 

Raketenangriff auf Al-Asrak: Auch deutscher Teil getroffenBei den Militärschlägen im Nahen Osten ist der auch von deutschen Soldaten genutzte Einsatzstandort Al-Asrak in Jordanien abermals mit Raketen angegriffen worden. Dabei sei auch der deutsche Teil des Camps getroffen worden, sagte ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr. Und: „Aktuell wird untersucht, ob es Trümmer oder eine anfliegende Rakete war.“ Zuerst hatte der „Spiegel“ berichtet, dass in der Nacht zum Montag mehrere ballistische Raketen auf ein Feldlager der Bundeswehr im Osten Jordaniens abgefeuert worden seien.Die Soldaten vor Ort befänden sich in Schutzbauten oder in dezentraler Unterkunft in Sicherheit und seien wohlauf, sagte der Sprecher. In der ganzen Region befinden sich derzeit noch etwa 500 Männer und Frauen der Bundeswehr, die für internationale Einsätze zur Stabilisierung entsandt wurden und sich überwiegend in multinationalen Militärlagern befinden.Das Führungskommando machte keine eigenen Angaben dazu, welche Raketen von wo aus auf Al-Asrak gefeuert wurden. Nach den amerikanisch-israelischen Angriffen auf Ziele im Iran feuert die Islamische Republik mit Raketen und Drohnen auch auf benachbarte Staaten und die dort von den US-Streitkräften genutzten Militäranlagen. 

Proiranische Miliz im Irak meldet Tod von Kämpfern bei US-AngriffBei US-Luftangriffen im Irak sind nach den Angaben der proiranischen Imam-Ali-Brigaden vier ihrer Kämpfer getötet worden. Die Gruppe gab am Dienstag den Tod der Kämpfer infolge „amerikanischer Aggression“ auf eine Stellung im Bezirk Debs in der nördlichen Provinz Kirkuk bekannt. Der Angriff zielte demnach auf eine Stellung der Hasched-al-Schaabi, ein vom Iran unterstütztes Netzwerk ehemaliger Paramilitärs, die jetzt der regulären irakischen Armee angehören. Ihr gehören auch die Milizen Katajeb Hisbollah und Harakat al-Nudschaba an.Die Sicherheitsabteilung der irakischen Regierung bestätigte, dass mehrere Hasched-Kämpfer bei einem „Bombenangriff“ in Kirkuk getötet worden seien. Es handele sich um „einen offensichtlichen Angriff auf den Irak“, erklärte die Regierung – ohne jemanden dafür verantwortlich zu machen. Seit Beginn des Irankriegs sind Stellungen der Hasched-al-Schaabi bereits mehrfach angegriffen und dabei proiranische Kämpfer ins Visier genommen worden. Der Irak, der lange Schauplatz eines Stellvertreterkriegs zwischen den USA und dem Iran gewesen war, hatte erklärt, nicht in den Krieg hineingezogen werden zu wollen.

EU-Ratspräsident: Russland ist einziger Gewinner des Nahost-Kriegs Russland ist nach Ansicht von EU-Ratspräsident António Costa bislang der ⁠einzige Gewinner des Kriegs im Nahen Osten. „Es erhält neue Ressourcen zur Finanzierung seines Krieges gegen die Ukraine, da die Energiepreise steigen“, sagt Costa in einer Rede vor EU-Botschaftern in Brüssel. Zudem rücke der Konflikt ‌im Nahen Osten in den Mittelpunkt und verringere die Aufmerksamkeit für die ukrainische Front. Costa mahnt zur Deeskalation und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch. 

Netanjahu: Iraner sollen „Joch der Tyrannei“ loswerdenAnders als US-Präsident Donald Trump geht der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu offenbar nicht von einem baldigen Ende des Iran-Krieges aus. Israel sei mit seinen Angriffen auf die Führung in Teheran „noch nicht fertig“, sagte Netanjahu laut einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung seines Büros.„Unser Bestreben ist es, das iranische Volk vom Joch der Tyrannei zu befreien“, sagte Netanjahu mit Blick auf die Führung in Teheran. Es bestehe kein Zweifel, „dass wir ihnen mit den bisherigen Maßnahmen die Knochen brechen – und wir sind noch nicht fertig“, fügte Netanjahu hinzu. Er äußerte sich nicht das erste Mal zu dem Ziel eines Machtwechsels im Iran. Bereits zuvor hatte er die iranische Bevölkerung zum Sturz der politischen Führung in Teheran aufgerufen. Am Montag hatte US-Präsident Trump erstmals ein mögliches Kriegsende angedeutet. Der Krieg sei „so gut wie“ beendet, sagte er im Sender CBS. Trump begründete dies mit einer militärischen Schwächung des Iran. 

Israels Armee warnt vor Angriffen in libanesischen Städten Tyros und SidonIsraels Armee hat die Menschen in den libanesischen Städten Tyros und Sidon vor neuen Angriffen gewarnt. Der arabischsprachige israelische Armeesprecher Avichay Adraee verbreitete auf der Plattform X am Dienstag eine „dringende Warnung an die Einwohner von Tyros und Sidon“. Die israelische Armee werde dort in Kürze „militärische Infrastruktur der Terrororganisation Hizbullah“ angreifen.Adraee veröffentlichte Karten der beiden Großstädte an der libanesischen Küste mit rot markierten Gebäuden, die nach Angaben der israelischen Armee von der proiranischen  Hizbullah-Miliz genutzt werden. Er forderte die Bewohner dieser und der umliegenden Gebäude auf, die Gebäude zu „ihrer eigenen Sicherheit“ sofort zu verlassen und sich mindestens 300 Meter zu entfernen.

Weiterer Evakuierungsflug aus Oman in Frankfurt eingetroffenEin weiterer Evakuierungsflug für in der Golfregion festsitzende Reisende ist am Dienstagmorgen in Deutschland eingetroffen. Die Maschine der Lufthansa aus Omans Hauptstadt Maskat landete nach Flughafenangaben um 6.45 Uhr in Frankfurt am Main. Zuvor hatte es in der vergangenen Woche bereits zwei weitere derartige von der Bundesregierung organisierte Flüge aus Maskat gegeben.Zahlreiche Reisende können wegen des Iran-Krieges und der wegen iranischen Beschusses erfolgten Schließung oder Einschränkungen an den Flughäfen mehrerer Golfstaaten die Region derzeit nicht oder nur schwer verlassen. Es gibt allerdings auch Flüge von Reiseunternehmen und Fluggesellschaften, um Menschen zurückzuholen. Die von der Regierung organisierten Flüge sind in erster Linie für vulnerable Gruppen gedacht, also Kranke, Alte, Schwache, Schwangere und Kinder. Die Passagiere wurden vorwiegend auf dem Landweg vor allem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Oman gebracht.Die Lufthansa teilte unterdessen mit, dass sie wegen des Krieges Flüge unter anderem von und nach Dubai, Abu Dhabi und Amman zunächst weiter bis mindestens zum 15. März aussetzt, Flüge von und nach Beirut, Tel Aviv und Teheran auf jeden Fall auch darüber hinaus. Fluggäste können kostenfrei auf ein späteres Datum umbuchen oder stornieren. 

Israelischer Botschafter: Sind bei Kriegszielen im Iran dem Zeitplan voraus Israel ist bei der Erreichung seiner Kriegsziele im Iran nach Aussagen des Botschafters in Frankreich dem Zeitplan ‌voraus. Dazu gehörten unter anderem die Schwächung der Behörden, damit das iranische Volk sein Schicksal selbst in die Hand nehmen ‌kann, sagt ‌Joshua Zarka. In Libanon sei es der libanesischen Regierung noch nicht gelungen, die Hizbullah zu entwaffnen, sagt Zarka in dem Interview mit ​dem französischen Fernsehsender BFMTV. Ihm ⁠sei nicht bekannt, dass Israel die Entscheidung getroffen habe, mit dem Libanon über ​ein Ende des Krieges verhandeln zu wollen. 

Israel verlängert Ausnahmezustand bis Samstag Wegen des anhaltenden Raketenbeschusses aus dem Iran hat Israel den geltenden Ausnahmezustand über den Montagabend hinaus verlängert. Bis Samstag blieben alle Schulen geschlossen und das Versammlungsverbot für mehr als 50 Personen aufrechterhalten, teilte das Heimatfrontkommando der Armee mit.Arbeit außerhalb der eigenen Wohnung ist weiter möglich, soweit rechtzeitig eine Schutzunterkunft erreicht werden kann. Während es in Jerusalem seit mehr als 24 Stunden keinen Alarm mehr gab, mussten die Bewohner in der Region Tel Aviv sowie an der israelischen Nordgrenze zum Libanon häufiger Bunker und Schutzräume aufsuchen.Unterdessen kam es auf dem Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv am Montag zu Auseinandersetzungen, weil Passagiere zwar Abflugbenachrichtigungen erhalten hatten, aber nicht an Bord gehen durften. Die Polizei musste einschreiten, um verärgerte Menschen zu beruhigen, berichteten israelische Medien. Das Chaos war durch die Fehlinformation entstanden, einige Maschinen dürften 200 Passagiere aufnehmen. Die Zahl war vom Verkehrsministerium dann aber doch wieder auf 100 gesenkt worden.Der israelische Hauptflughafen bei Tel Aviv war am Sonntag wieder für ausgehende Flüge geöffnet worden. Unter besonderen Sicherheitsauflagen können die israelischen Airlines El Al, Arkia, Israir und Air Haifa bestimmte Strecken bedienen. Am Wochenende hatte es in Tel Aviv einen Protest gegen Israels Angriffe auf Iran gegeben, wie Christian Meier aufgeschrieben hat:

Türkei verlegt Patriot-System in Südosten des LandesEin US-Patriot-Flugabwehrsystem ist nach türkischen Angaben in der südöstlichen Provinz Malatya stationiert ‌worden. ‌Dies sei Teil der Maßnahmen der NATO zur Stärkung der Luftabwehr ​ihres Verbündeten ⁠angesichts der Raketenbedrohung durch den Irankrieg, teilte das türkische Verteidigungsministerium ​mit. Die NATO-Radarstation Kurecik, ⁠die wichtige Daten für ‌das Bündnis liefert und zur Identifizierung von zwei iranischen ⁠Raketen beigetragen hat, ⁠die in Richtung Türkei flogen, ⁠befindet sich ​in ⁠Malatya. Aus dem Ministerium hieß es, ​die Türkei werde ‌weiter mit den NATO-Verbündeten zusammenarbeiten und die ​regionalen Entwicklungen ​gemeinsam bewerten. 

Wadephul: Gefahr durch Iran ist realDer deutsche Außenminister Johann Wadephul hat Zypern mit Blick auf Angriffe aus Iran die volle Solidarität Deutschlands versichert. „Wir verurteilen Irans Angriffe auf Drittstaaten aufs Schärfste“, sagte Wadephul nach einem Gespräch mit dem Außenminister Zyperns, Constantinos Kombos, am Dienstagmorgen in Nikosia. Die iranischen Angriffe auf Zypern hätten alle schockiert und „klar gemacht, dass die Gefahr durch Iran real ist“.  Wadephul zeigte sich nach Äußerungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump skeptisch, dass der Krieg bald endet. Die USA seien nach wie vor darauf konzentriert, die militärischen Möglichkeiten des Iran, „die eine Bedrohung der Nachbarschaft, aber auch Europas darstellen, so zu reduzieren, dass diese Gefahr nicht mehr besteht“, sagte er. „Ich denke, dass diese Angriffe so lange weitergehen werden, bis dieses Ziel erreicht ist oder die iranische Seite eine ernsthafte Bereitschaft gezeigt hat, zu verhandeln.\"Wadephul bedankte sich bei den europäischen Partnern, die nach den Angriffen mit Drohnen iranischer Bauart militärische Unterstützung geschickt hätten. Zugleich begründete er, warum Deutschland noch keine militärische Unterstützung geschickt habe: Sicherheit für Europa sei eine geteilte Aufgabe. Wadephul fügte mit Blick auf den Krieg in der Ukraine an, dass auch Deutschland seinen Teil dazu beitrage: „Der Krieg und die Gefahr, die von Russland ausgeht, darf nicht in den Hintergrund geraten“, sagte Wadephul. Er sicherte Zypern zu: „Wenn es eine ernste Bedrohung weiterhin geben sollte, ist Deutschland da“, fügte er an. „Die Beistandsverpflichtung für die EU gilt.“ 

US-Militär: Bislang über 5000 Ziele im Iran angegriffen Das amerikanische Militär hat nach eigenen Angaben seit Beginn seiner Angriffe am 28. Februar mehr als 5000 Ziele im Iran attackiert. Zudem seien 50 iranische Schiffe zerstört oder beschädigt worden, teilte das US-Zentralkommando für den Nahen Osten am Montagabend mit. Zudem kündigte Präsident Donald Trump an, nun gegen die Drohnenproduktion des Irans vorzugehen. Die Drohnenstarts seien um 83 Prozent zurückgegangen, sagte er vor Journalisten. 

Syrien meldet Beschuss durch HizbullahDie syrischen Streitkräfte haben einen Artillerieangriff der libanesischen Hizbullah-Miliz auf einen Militärstützpunkt nahe der Grenze gemeldet. Die Geschosse seien unweit der Ortschaft Serghaya nordwestlich der Hauptstadt Damaskus niedergegangen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf die Militärführung.Die gestürzte Regierung von Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad war ein enger Verbündeter der proiranischen Hizbullah. Die neue Führung von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa bemüht sich seit ihrem Machtantritt, den Einfluss Irans – einem weiteren wichtigen Verbündeten Assads – im Land zu unterbinden.Der libanesische Staat steht selbst unter Druck, eine Entwaffnung der Hizbullah durchzusetzen. Derzeit beschießen sich die Hizbullah und Israel wieder gegenseitig. Besonders im Süden Libanons greift Israels Militär dabei erneut massiv an.