FAZ 27.09.2026
19:12 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Wadephul: Mit Lawrow über Drohnen in Leipzig gesprochen


Außenminister: Wollte klarmachen, dass Deutschland sich wehren wird +++ Kiesewetter kritisiert Wadephuls Treffen mit Lawrow +++ Russland im Donbass unter Druck +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Wadephul: Mit Lawrow über Drohnen in Leipzig gesprochen

Nordkoreanische Kriegsgefangene: Südkorea wirft Ukraine Verstoß gegen vertrauliche Vereinbarung vorSüdkorea hat der Ukraine vorgeworfen, gegen eine vertrauliche Vereinbarung zwischen beiden Ländern zur Überstellung nordkoreanischer Kriegsgefangener verstoßen zu haben. Das südkoreanische Präsidialamt fordere „eine offizielle Erklärung und eine Entschuldigung“, erklärte der im Präsidialamt für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Seong Ghi Hong am späten Sonntagabend. Zudem zeigte sich Seoul befremdet von der ukrainischen Reaktion nach Kritik an dem Vorgang.Hintergrund sind Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr bei der UN-Generalversammlung. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen am Mittwoch in New York hatte Selenskyj gesagt, sein Land habe zwei nordkoreanische Soldaten an Südkorea überstellt. Er fügte hinzu, es sei „nicht einfach gewesen, sie lebend gefangen zu nehmen“.Die Offenlegung dieser Information stieß in Seoul umgehend auf Unmut. „Ich weiß nicht, warum die ukrainische Seite die Vereinbarung gebrochen und die Angelegenheit öffentlich gemacht hat, aber es ist sehr enttäuschend“, schrieb Südkoreas Staatschef Lee Jae Myung wenige Stunden später im Onlinedienst X.Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn reagierte auf den Vorwurf mit den Worten, die Ukraine sei „ein offenes Land“. Es wäre daher seltsam gewesen, die Soldaten heimlich zu übergeben, sagte er vor Journalisten. „Von der gesamten Geschichte – die lang und detailreich ist – haben wir nur die Tatsache selbst bekanntgegeben, dass sie in die Republik Korea geschickt wurden“, fügte er hinzu.

EU-Verteidigungsminister beraten über Patriot-Raketen für UkraineDie Verteidigungsminister der EU beraten am Montag in Brüssel unter anderem darüber, wie die Ukraine mit mehr Raketen des US-Luftabwehrsystems Patriot ausgestattet werden kann. Ein Vorschlag sieht nach Angaben eines ranghohen EU-Beamten vor, dass Mitgliedstaaten ihren Platz in der Warteschlange für Bestellungen mit der Ukraine tauschen. Das Patriot-System spielt eine zentrale Rolle beim Schutz vor ballistischen Raketen aus Russland. Grundsätzlich wird es bei dem Treffen darum gehen, in welchen Bereichen die EU ihre Unterstützung Kiews noch verstärken kann. Ein weiteres Thema des Treffens ist der erste Bericht zur Verteidigungsfähigkeit der EU, den die Europäische Verteidigungsagentur erstellt hat. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wird nach Angaben eines Sprechers nicht zu dem Treffen reisen.

Mehrere Menschen bei russischen Drohnenangriffen getötetBei russischen Drohnenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und andere ‌Regionen sind am Sonntag ukrainischen Angaben zufolge mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. In einem Vorort ‌westlich von ‌Kiew schlug eine Drohne auf einem Markt ein, wobei zwei Menschen getötet und etwa zehn verletzt wurden, ​wie die ukrainische ⁠Staatsanwaltschaft mitteilte. In der nordukrainischen Stadt Sumy starben dem regionalen Gouverneur Oleh Hryhorow ​zufolge zwei Menschen durch Gleitbomben. In Charkiw im ⁠Nordosten des Landes ‌wurde der Fahrer eines Autos durch einen Drohneneinschlag getötet.

Drohnenangriff auf Markt in Kiewer VorortBei einem russischen Angriff auf einen Markt in einem Vorort der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach ersten Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete am Abend auf Telegram von zwei Toten und mindestens vier Verletzten. Andere Quellen sprachen von mindestens zehn Verletzten. Der Kiewer Militärverwalter Timur Tkatschenko sprach ebenfalls von zwei Todesopfern nach dem Drohnenangriff auf den Markt im Bezirk Butscha.Die ukrainische Hauptstadt war im Tagesverlauf mehrmals von russischen Kampfdrohnen angegriffen worden. Bei Einschlägen in verschiedenen Gebäuden waren nach Angaben von Klitschko neun Menschen verletzt worden.

Selenskyj: Moskau täuscht Friedensbereitschaft vorDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die jüngsten russischen Angriffe gegen Kiew und andere Städte seines Landes scharf verurteilt. Die Angriffe gegen Kindergärten, Schulen und Wohngebäude würden überall in der Welt als Terrorismus eingestuft, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. „Leider wurden dabei auch Menschen getötet.“ Unter den beschädigten Gebäuden sei auch die Residenz des Botschafters Saudi-Arabiens in Kiew.Moskau verfolge mit diesen Angriffen keine militärischen Ziele. Sie seien lediglich ein Versuch, die Menschen der Ukraine zu brechen und die ukrainische Gesellschaft „so tief wie möglich zu verletzen“.Selenskyj warf Moskau vor, die internationale Gemeinschaft mit falschen Friedenssignalen zu täuschen, um harte Sanktionen oder Reaktionen des Westens zu vermeiden. „Russland versteht es, genau die Art von ermutigenden diplomatischen Signalen zu senden, die die Welt einfach hören will“, schrieb er. „Es versteht es, solche Signale zu senden, um harte Maßnahmen der Weltgemeinschaft als Reaktion auf den Krieg hinauszuzögern.“Die Ukraine rechne mit effektiven Entscheidungen der Welt und mit starkem Druck ihrer Partner, damit Moskau erkenne, „dass es durch die Manipulation diplomatischer Signale nicht immer mehr Zeit für Krieg und Terror gewinnen kann“.

Tote und Verletzte bei russischen AngriffenRussische Luft- und Drohnenangriffe gegen ukrainische Städte haben unter der Zivilbevölkerung nach offiziellen Angaben abermals Opfer gefordert. In der Hauptstadt Kiew starb ein Mensch bei der Explosion einer Kampfdrohne, weitere vier Personen wurden verletzt, wie die regionale Militärverwaltung mitteilte. Die Drohnen explodierten in verschiedenen Stadtteilen. Beim Einschlag einer Drohne im Bezirk Browary sei unter anderem ein größeres Lagerhaus getroffen und beschädigt worden.In Sumy im Nordosten der Ukraine starben zwei Frauen beim Einschlag von Flugzeugbomben. Eine der Toten sei ein 16 Jahre altes Mädchen, berichteten örtliche Medien auf Telegram. Weitere fünf Menschen seien verletzt worden. Erst am Vortag waren bei einem russischen Luftangriff auf Sumy zwei Menschen ums Leben gekommen.

Ukrainische Truppen bringen mit Lastendrohnen Lebensmittel in abgeriegelte StadtUkrainische Truppen haben nach Behördenangaben mit Lastdrohnen vier Tonnen Lebensmittel in die seit Monaten abgeriegelte Stadt Oleschky auf russischem Besatzungsgebiet im Süden gebracht. Russland halte in der Stadt etwa 2000 Menschen fest, darunter fast 50 Kinder, teilte der Gouverneur des ukrainischen Gebietes Cherson, Olexander Prokudin, auf Telegram mit. „Sie sind gezwungen, ohne Nahrung, Strom und Wasser zu überleben.“ In einem Video zeigte er den angeblichen Abwurf der Lebensmittel.Hilfsorganisationen beklagen seit langem die humanitäre Lage in der Kleinstadt, die auf dem südlichen Ufer des Dnipro liegt. Die Gebietshauptstadt Cherson in ukrainischer Hand ist nur neun Kilometer entfernt, doch dazwischen verläuft die Front. Nach jahrelangem wechselseitigem Beschuss liegen rund um Oleschky Minen, ein Verlassen ist in alle Richtungen lebensgefährlich. Der letzte Laden schloss nach UN-Angaben im Januar. Seit Mai seien keine Lebensmittel mehr in den Ort gelangt.Kremlsprecher Dmitri Peskow gestand Anfang vergangener Woche die kritische Lage ein. Er warf der ukrainischen Armee vor, durch Drohnenangriffe die Lieferung von Lebensmitteln nach Oleschky zu verhindern. Prokudin wiederum sagte, die Besatzungsmacht misshandele Einwohner, die die ukrainischen Spenden aus der Luft aufsammeln. 

Russland erleidet Rückschläge im DonbassRusslands Invasionstruppen erleiden bei ihrem Versuch, den unter ukrainischer Kontrolle verbliebenen Teil des Donbass zu erobern, immer deutlichere Rückschläge. Erklärtes Ziel ist die Einnahme des gut befestigten Ballungsraums Slowjansk/Kramatorsk. Um die Zwillingsstädte zu umschließen, müsste Moskau zunächst das südlich gelegene Dobropilija und die nördlich gelegene Stadt Lyman kontrollieren.Obwohl russische Truppen schon zu Beginn des Sommers vor den Toren beider Städte standen, konnten sie bislang weder die eine noch die andere besetzen. Darüber hinaus tritt der Unterschied zwischen offiziellen russischen Verlautbarungen und der Realität auf dem Schlachtfeld immer deutlicher zutage. Wohl auch, weil russische Kommandeure geschönte Berichte weitergeben und die tatsächliche Lage vor der eigenen Führung verschleiern. Am ersten September etwa verkündete Russlands Herrscher Wladimir Putin die Einnahme der Kleinstadt Swjatohirsk. Eine Woche darauf veröffentlichte das 3. Armeekorps der Ukraine ein Video, auf dem ihr Kommandeur Andrij Biletzkyj einen Spaziergang durch die Stadt unternimmt und dabei Zivilisten begrüßt. 

Selenskyj: Moskau hat vergangene Woche mit 2200 Drohnen angegriffenRussland hat die Ukraine nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj in der vergangenen Woche mit mehr als 2200 Kampfdrohnen großer Reichweite angegriffen. Auch mehr als 1640 Gleitbomben und 38 ballistische Raketen und Marschflugkörper seien eingesetzt worden, schrieb Selenskyj in sozialen Netzwerken. 

Vorsitzende der Grünen: Putin hat kein Interesse an FriedensverhandlungenDie Grünen haben die Reaktion des russischen Außenministers Sergej Lawrow nach dem Treffen mit dem Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) kritisiert. „Die Reaktion des russischen Außenministers zeigt erneut, dass Putin kein Interesse an Friedensverhandlungen mit der Ukraine hat“, sagte Grünen-Chefin Franziska Brantner der „Rheinischen Post“. Dabei begrüßte Brantner das Treffen: „Ich bin unserem Außenminister dankbar dafür, dass er dieses Gespräch gesucht hat.“ Brantner appellierte zudem für weitere Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine. „Tag für Tag, Nacht für Nacht überzieht Putin das Land mit neuen Drohnen- und Raketenangriffen. Es liegt auch an uns, die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine sicherzustellen“, betonte die Grünen-Politikerin. Die Ukrainerinnen und Ukrainer würden jeden Tag dafür kämpfen, ihre Freiheit und damit auch die europäische Friedensordnung zu verteidigen. „Der Ukraine steht jetzt ein weiterer harter Winter bevor.“ Man müsse sich darauf einstellen, dass der russische Präsident Wladimir Putin seine Angriffe auf die Energieversorgung in dieser Zeit noch einmal verstärken werde, so Brantner weiter. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte sich nach dem Zusammentreffen mit Wadephul kritisch geäußert. „Wenn man Berlins tägliche öffentliche Äußerungen betrachtet, habe ich nichts anderes gehört“, sagte Lawrow auf eine Frage der Deutschen Presse-Agentur in New York. Er habe dem deutschen Außenminister gesagt: „Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können 'Lesen Sie meine Erklärung.“Außerdem hob der russische Außenminister hervor, dass Deutschland das Treffen in „letzter Minute“ angefragt habe. Er habe dabei den Eindruck gewonnen, Wadephul habe im Gegenzug für das Gespräch Zugeständnisse erwartet.

Stegner lobt Wadephul für Gespräch mit LawrowDer SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner hat Außenminister Johann Wadephul (CDU) für sein Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow gelobt. Das Signal sei: „Die Europäer sind noch da“, sagte Stegner der F.A.Z. Es sei klar, dass es nach so einem ersten Gespräch kein direktes Entgegenkommen gebe; trotzdem sei es wichtig, dass man die Diplomatie nicht allein den USA überlasse, sagte Stegner.Auch innenpolitisch ist das Gespräch laut Stegner ein wichtiges Signal. Man dürfe solche Fragen nicht allein dem BSW und der AfD überlassen, sagte er der F.A.Z. Auch die Einladung Putins zum G-20-Gipfel durch Amerikas Präsident Donald Trump im Dezember könne eine Chance sein.

Russische Angriffe auf die UkraineRussland hat nach eigenen Angaben ‌in ‌der Nacht zum Sonntag Ziele in der Ukraine mit ​Drohnen angegriffen. ⁠Die Attacken hätten sich gegen Logistikzentren, Hafen- ​und Verkehrsinfrastruktur sowie Kommunikationszentralen ⁠und Schiffe mit Verbindung ‌zum ukrainischen Militär gerichtet, teilte das russische ⁠Verteidigungsministerium mit. Getroffen ⁠worden seien unter anderem ⁠ein ​Datenzentrum in ⁠Kiew, Logistik-Knotenpunkte ​in den Regionen Kiew ‌und Odessa sowie zwei Drohnenlager ​in Mykolajiw. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Russische Angriffe treffen OdessaEine Serie russischer Angriffe hat die ukrainische Hafenstadt Odessa getroffen und dort für Opfer und Schäden gesorgt. Mindestens zwei Menschen seien bei den Attacken verletzt worden, berichteten die örtlichen Medien. An mehreren Orten seien Brände ausgebrochen, über der Stadt bildeten sich dichte Rauchwolken. Bei den Attacken seien private Wohnhäuser, eine Produktionshalle sowie Lagerräume getroffen worden, teilte der regionale Militärverwalter Oleh Kiper am Abend auf Telegram mit. Zuvor hatte das russische Militär im Tagesverlauf zweimal einen Baumarkt in der Hafenstadt angegriffen.