Andy Burnham, der aussichtsreichste Konkurrent Keir Starmers, hat erstmals öffentlich kundgetan, dass er dem Premierminister die Führung der Labourpartei und damit die Führung des Landes abspenstig machen will. Burnham, der Bürgermeister des Großraums Manchesters ist, muss jedoch am 18. Juni zunächst bei einer Nachwahl für das Unterhaus in seiner Region siegreich sein, bevor er formell die Möglichkeit hat, Starmer herauszufordern. Er sagte in einer Gesprächsrunde des Senders BBC, er „würde versuchen“, sich an einer Kampfabstimmung über den Parteivorsitz „zu beteiligen“. Er verband die vorsichtige Wortwahl mit dem Hinweis, nicht er, sondern ein anderer Konkurrent, der ehemalige Gesundheitsminister Wes Streeting, habe ja „offenbar“ einen Kandidatenwettbewerb gestartet. Er wolle daran teilnehmen, falls genügend Mitglieder der Labour-Unterhausfraktion ihn dabei unterstützten. Um eine Kampfkandidatur in Gang zu setzen, ist die Zustimmung eines Fünftels der Fraktion notwendig, gegenwärtig wären dies 81 Abgeordnete. Burnham konditionierte seinen Ehrgeiz, Starmers Nachfolger zu werden, um seine Chancen auf einen Sieg im Wahlkreis Makerfield nicht zu schmälern. Das dortige Mandat wird zwar seit Jahrzehnten von einem Repräsentanten der Labourpartei gehalten, doch hat in der Region bei den Kommunalwahlen vor einem Monat die rechtspopulistische Reform UK alle anderen Parteien weit hinter sich gelassen. Aktuelle Umfragen sehen den Reform-Kandidaten Robert Kenyon fast gleichauf mit dem Bürgermeister von Manchester. Unterstützung vom linken Labour-Parteiflügel Burnham gab daher an, er wolle den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Er könne gar nichts verkünden, bevor er nicht das Glück habe, von den Wählern in Makerfield unterstützt zu werden. Kenyon warf Burnham sogleich vor, er wolle das Unterhausmandat bloß als Trittbrett nutzen, um seine Ambitionen in London zu verwirklichen. Burnham hingegen versprach, im Falle seiner Wahl werde er die Bürger von Makerfield „auf der höchstmöglichen Ebene“ repräsentieren wollen und dem Wahlkreis „ein Maximum an Macht und Einfluss verschaffen“. In einem Gespräch mit der Zeitung „The Guardian“ kündigte Burnham überdies eine tiefgreifende Sozialreform an, falls er in das Amt des Regierungschefs gelangt. Starmer war im vergangenen Jahr damit am Widerstand in der eigenen Fraktion gescheitert. Vor allem Abgeordnete vom linken Labour-Parteiflügel, die zu Burnhams Unterstützern zählen, hatten damals geplante Leistungskürzungen weitgehend verhindert. Burnham sagte jetzt, es sei „dringend, die Sozialhilfe in den Griff zu bekommen“. Er wolle dabei „alle Auswirkungen in den Blick nehmen“ und deutete an, zur Finanzierung womöglich die Erbschaftsteuer zu erhöhen. Eine vorzeitige Unterhauswahl soll es nach dem Willen Burnhams nicht geben, falls er die Nachfolge Starmers antritt. Die reguläre fünf Jahre währende Wahlperiode reicht bis in den Sommer 2029. Bei einem Wechsel im Amt des Regierungschefs entsteht in Großbritannien jedoch anschließend regelmäßig eine Debatte um die Frage, ob sich der Nachfolger nicht sogleich durch eine vorgezogene Wahl ein neues Mandat der Bevölkerung bekommen müsse. Burnham kündigte zudem an, er wolle mehr Augenmerk auf sozialen Wohnungsbau legen und erneuerte seine Aussage, er wünsche sich eine Rückkehr in die EU „noch zu meinen Lebzeiten“. Der 56 Jahre alte Burnham sagte einschränkend, er plädiere nicht dafür, jetzt eine neue Volksabstimmung über eine EU-Mitgliedschaft abzuhalten: „Wir müssen erst einmal hier die Dinge in Ordnung bringen, bevor wir über unser Verhältnis zu anderen Ländern nachdenken können.“
