Als Schlosser ist Chris Weilmünster jeden Tag mit dem Auto unterwegs. Auf die Spritpreise angesprochen, entfährt dem Handwerker, der am Freitagmorgen in Frankfurt-Eschersheim für 2,37 Euro Diesel getankt hat, ein Kraftausdruck. Privat fahre er einen Benziner, „aber das ist ja auch nicht viel besser. Da überlegt man sich schon zweimal, ob man irgendwo hinfährt“, sagt Weilmünster. Die Mitarbeiterinnen der Aral-Tankstelle, an der er steht, dürfen mit Journalisten nicht sprechen – sie verweisen auf die Pressestelle in Bochum. Die Zentralen der verschiedenen Ketten, das müssen Pächter und Angestellte von Tankstellen dieser Tage immer wieder erklären, bestimmen auch die Preise. Selbst freie Tankstellen seien oft Teil eines Verbunds, sagt Michael Spindler, Pächter einer bft-Tankstelle in Büdingen. Zusammen mit mehr als 40 weiteren Tankstellen gehört sie zur MTV Förster GmbH mit Sitz in Hanau. „Tankstellen-Eigentümer, die ihren Einkauf selbst machen, gibt es nur noch ganz wenige“, sagt Spindler. Das Risiko, große Mengen Sprit auf Vorrat zu kaufen, sei eben wegen der Preisschwankungen für kleine Unternehmen einfach zu groß. Tankstellen-Pächter, so berichten es verschiedene Gesprächspartner, erhielten für jeden Liter Benzin weniger als fünf Cent als Provision. Und zwar unabhängig vom aktuellen Benzin- oder Dieselpreis. Schon deshalb hat sich Spindler geärgert, als er nach Beginn der Luftangriffe auf Iran und dem darauffolgenden Anstieg der Preise an den Zapfsäulen im Bekanntenkreis zu hören bekam: „Du scheffelst jetzt ja wohl das Geld.“ Auch in der Kundschaft sei die Aufregung in den ersten Tagen groß gewesen. „Mir geht es nicht anders als den Kunden“ „Viele denken, es hätte mit uns zu tun, aber wir können am Spritpreis nichts machen“, sagt auch ein Mitarbeiter der TC-Tankstelle in Frankfurt-Niederrad. „Ich habe auch ein Auto, mir geht es auch nicht anders als den Kunden.“ Für die Fahrt zur Arbeit in der Tankstelle und den Rückweg in den Main-Taunus-Kreis lege er jeden Tag insgesamt 40 Kilometer zurück. Auch Satilus Tunc, Stationsleiter einer Shell-Tankstelle im Frankfurter Stadtteil Dornbusch, sagt mit Blick auf die Preisanzeige, er selbst werde mit dem Tanken jetzt lieber noch ein wenig warten. „Meistens ist es nachmittags ja günstiger.“ Ob es dabei bleibe, wenn künftig – wie von der Bundesregierung geplant – die Preise nur noch einmal täglich, und zwar um 12 Uhr mittags, angehoben werden dürften, sei allerdings unsicher. Senkungen sollen jederzeit möglich bleiben – aber wie die Zentrale damit umgehen werde, wisse auch er nicht, sagt Tunc. Den meisten seiner Kunden sei durchaus klar, dass er die Preise nicht beeinflussen könne – Ärger gebe es eigentlich nur dann, wenn an der Zapfsäule ein höherer Preis aufpoppe als auf der Anzeigetafel an der Einfahrt. Das passiere allerdings selten, weil das System von der Zentrale aus so gesteuert werde, dass der Preis am Zapfhahn erst einige Minuten nach der Anzeigetafel umspringe, sagt Tunc. Auch HVO 100 hat sich verteuert Stefan Elster kann sich noch an Zeiten erinnern, in denen er auf eine Trittleiter steigen und die Zahlen an der Preistafel per Hand austauschen musste. Er hat vor 40 Jahren als Minijobber in der Branche angefangen und ist heute Pächter einer Frankfurter Tankstelle von Roth Energie, einem Kraftstoff- und Gashändler aus Gießen. „Als wir das noch per Hand machen mussten, haben sich die Preise zum Glück nur einmal pro Woche geändert, jetzt sind es oft drei Änderungen pro Stunde“, sagt Elster. Die Roth-Tankstelle in Frankfurt war vor zwei Jahren eine der ersten, die Diesel aus Abfall- und Reststoffen, genannt HVO 100, verkaufte. Obwohl für dieses Produkt kein Rohöl benötigt wird, hat sich nach Beginn des Irankriegs auch HVO 100 verteuert und kostet rund fünf Cent mehr als konventioneller Diesel – nicht nur bei Roth, sondern auch im Großhandel, wie auf der Website des auf Energie- und Rohstoffmärkte spezialisierten Branchendiensts Argus Media nachzulesen ist. Ein Roth-Sprecher erklärt, der Preis für HVO sei praktisch an den für konventionellen Diesel gekoppelt – „wenn HVO billiger wäre, wäre das ohnehin begrenzte Angebot schnell leer gekauft, und dann würde es erst recht teuer“. Dazu muss man wissen: Die Preise an den Zapfsäulen richten sich nach dem Wiederbeschaffungswert für den jeweiligen Kraftstoff. Das erklärt jedenfalls zum Teil, warum die Preise nach Kriegsbeginn so schnell in die Höhe schossen, obwohl sich zu dem Zeitpunkt noch Sprit in den Tanks befand, der vor den Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten eingekauft worden war. Für Tankstellen-Pächter Elster ist der Preissprung dennoch „nicht vollständig erklärbar“. Er findet es gut, dass künftig nur noch eine Preiserhöhung am Tag möglich sein soll – das mache das Tanken für die Kunden besser kalkulierbar. Der Bundesverband freier Tankstellen hat die Pläne dagegen kritisiert. „Wer nur einmal täglich erhöhen darf, wird diese Erhöhung nicht knapp kalkulieren, sondern mit einem Sicherheitsaufschlag versehen. Das kann dazu führen, dass Durchschnittspreise eher steigen als sinken“, warnte der Verband am Donnerstag. Auch Markus Frank, früher Wirtschaftsdezernent der Stadt Frankfurt und Besitzer von zwei Tankstellen, kritisiert das Vorhaben als „Eingriff in den Markt“. Die einfachste Lösung wäre, wenn der Staat „temporär auf einen Teil der sehr hohen Steuern verzichten“ würde, sagt der CDU-Mann. Laut ADAC machen Steuern und CO2-Abgabe bei Super E10 mehr als die Hälfte des Gesamtpreises aus, bei Diesel liegt ihr Anteil etwas niedriger.
