FAZ 11.05.2026
15:35 Uhr

Mainzer Rückschlag: Auf der Suche nach neuer Spannung


Nach dem geschafften Klassenverbleib verliert Mainz 05 zu Hause 1:3 gegen Union Berlin. „Wenn man solche Tore kassiert, kann man keine Bundesligaspiele gewinnen“, kritisiert Sportdirektor Bungert.

Mainzer Rückschlag: Auf der Suche nach neuer Spannung

Eben noch hatte der Stadionsprecher vor einer Unwetterfront gewarnt, die über Rheinhessen hinwegziehe – da brach es über seine Mannschaft herein. Zwei Gegentore binnen drei Minuten verhagelten dem FSV Mainz 05 am Sonntagabend das letzte Heimspiel dieser Saison. Vom Angebot, nach Spielschluss noch länger in der Arena zu verweilen, bis der Regen abflaut, wollten unter diesen Umständen nicht allzu viele Fans Gebrauch machen. Viele flüchteten schon vor dem Schlusspfiff. Das 1:3 gegen Union Berlin „macht uns heute die Stimmung kaputt“, sagte Sportdirektor Niko Bungert. Die Schuld daran trugen weniger die Berliner, deren Trainerin Marie-Louise Eta sich über ihren ersten Bundesligasieg freute, sondern die Akteure von Urs Fischer, bei dem sie einst an der Alten Försterei hospitiert hatte. Nach einer Anfangsphase, die aufgrund des Tempos und der Offensivbemühungen noch als „okay“ durchging, wirkten die Mainzer für den Rest der ersten Halbzeit, als befänden sie sich auf der Suche nach dem Sinn dafür, sich an diesem vorletzten Spieltag noch einmal zu quälen. Torwart Zentner gibt sein Comeback „Eine Woche, nachdem wir die Klasse gehalten haben, war das ein spezielles Spiel“, sagte Torwart Robin Zentner, der nach rund fünfeinhalbmonatiger Verletzungspause sein Comeback gab. Bungert hatte vor der Pause den Eindruck, die Luft sei raus. Und Fischer monierte die fehlende Intensität, Aggressivität und Bereitschaft in der ersten Halbzeit: „Wir hatten vor dem Spiel darüber gesprochen, wie wir auftreten wollen, aber das war nicht gut.“ Gleichwohl brachte der Trainer ein gewisses Verständnis auf. „Wenn du über Monate den Druck aushalten musst, gegen den Abstieg spielst und dann vor einer Woche in St. Pauli den Ligaverbleib schaffst, fällt die Spannung ab“, sagte er. „Leider haben wir es nicht geschafft, sie wieder aufzubauen.“ Sicher, die 05er waren nicht die erste Mannschaft, der es in vergleichbaren Situationen so erging, und sie werden gewiss nicht die letzte sein. Ein anderes Beispiel dafür lieferte am Wochenende der FC Schalke 04 in der zweiten Liga: Seit einer Woche steht die Rückkehr der Gelsenkirchener in die Erstklassigkeit fest, zuvor schlugen sie ihre direkten Konkurrenten aus Paderborn und Elversberg – und dann folgte ein 0:3 in Nürnberg. Für die Rheinhessen war die Saison noch belastender. Wer am 13. Spieltag mit sechs Punkten leicht abgeschlagen das Tabellenende ziert, keine Ansätze mehr aufs Feld bringt, die auf eine Wende hoffen lassen, obendrein auch noch bis zum Viertelfinale die Doppelbelastung mit der Conference League bewältigen muss und sich am 32. Spieltag rettet: Der will vielleicht auch mal durchatmen. Das spektakuläre Tor von Tietz zählt nicht Immerhin waren die Mainzer gewillt, die erste Halbzeit vergessen zu machen, Fischers Kabinenansprache fiel, wie Sheraldo Becker berichtete, nicht laut aus, zeigte aber Wirkung. Der frühere Union-Stürmer traf nur drei Minuten nach Wiederbeginn zum 1:1, der Druck aufs Berliner Tor nahm zu, und mit Phillip Tietz spektakulärem Treffer, einer im Sprung mit dem Außenrist über Torwart Carl Klaus fabrizierten Bogenlampe schien das Resultat gedreht. Schien, denn der Stürmer hatte bei Dominik Kohrs Flanke knapp im Abseits gestanden, das Tor zählte nicht. „Das hat uns leider einen Knacks versetzt“, sagte Robin Zentner. Bis zu einem gewissen Grad war dies verständlich. Dass die Mainzer sich aber in der 84. und 88. Minute sowie kurz nach Beginn der Nachspielzeit dreimal auskontern ließen, was im ersten Fall am Lattenkreuz endete, danach aber im Netz, war denn doch eine Spur zu viel. „Wenn man solche Tore kassiert, kann man keine Bundesligaspiele gewinnen“, resümierte Niko Bungert. Zumindest musste sich seine Mannschaft keinen Vorwurf möglicher  Wettbewerbsverzerrung gefallen lassen; auch für Union ging es nicht mehr um existenzielle Dinge. Das kann am nächsten Samstag beim 1. FC Heidenheim anders werden – „bis dahin“, sagte Fischer, „wollen wir die Spannung wieder aufbauen“.