In der Apotheke in Schwanheim ist Insektenspray gefragt. Vor allem Eltern kleiner Kinder machten sich Sorgen, berichtet eine Mitarbeiterin. Man solle aber, wie sie es formuliert, „die Kirche im Dorf lassen“. Die Apothekerin selbst treibt der Fall persönlich wenig um. Über ein Gerücht, das unter Kunden kursiere – man solle vorsichtshalber den Wald meiden –, kann sie aber nur den Kopf schütteln: Eine Mücke kenne schließlich keinen Unterschied zwischen Wald und Wohnsiedlung. Ein Schild mit der Aufschrift „Hier bitte nicht langfliegen“ lasse sich nun einmal nicht aufstellen. Seit das Frankfurter Gesundheitsamt den Tod eines an Malaria erkrankten Bewohners aus Schwanheim bekanntgegeben hat, ist der Fall in aller Munde. Es ist bereits der dritte Todesfall im Zusammenhang mit der sogenannten Flughafenmalaria, nachdem im Sommer zunächst sechs Infektionen unter Mitarbeitern des Frankfurter Flughafens bekannt geworden waren. Anders als bei den bisherigen Fällen wohnten die beiden zuletzt Erkrankten jedoch nicht am Flughafen, sondern lediglich in dessen Nähe – ohne dort gearbeitet oder ein Malaria-Endemiegebiet bereist zu haben. Apothekerin rät zu Sprays und Moskitonetz Wie es zu der Ansteckung kommen konnte, ist unklar; die Behörden vermuten, dass eine eingeschleppte Anopheles-Mücke die Krankheit übertragen hat. Ein Besuch in Schwanheim und dem benachbarten Goldstein zeigt: Die Stadtteile reagieren auf die Nachricht überraschend ruhig. Von Panik ist wenig zu spüren. Im Gespräch verweist die Apothekerin in Schwanheim auf die Grenzen ihrer Zuständigkeit: Sie sei Pharmazeutin, keine Ärztin und schon gar keine Tropenmedizinerin. Sinnvoll seien Mückenschutzsprays sowie langärmelige Kleidung. Von einer generellen Malaria-Prophylaxe für die Allgemeinbevölkerung hält sie dagegen wenig – das schieße „über das Ziel hinaus“. Auf die Frage nach ihren Erwartungen an die Behörden wünscht sie sich vor allem „vernünftige Aufklärung“. Malaria tropica sei die gefährlichste der drei Malaria-Varianten. Die Apothekerin zieht einen Vergleich zur Corona-Zeit: Aufklärung sei richtig, Panik dagegen nicht angebracht. Gefragt sei, wie sie sagt, schlicht „gesunder Menschenverstand“. Kunden mit kleinen Kindern rät sie neben Sprays auch zu Moskitonetzen über dem Bett. „Ich bin da unbekümmert“ Auch am Kiosk um die Ecke, wo Veena S. hinter der Theke steht, ist von großer Beunruhigung wenig zu bemerken. Die junge Frau, die selbst nicht in Schwanheim wohnt, sondern dort nur arbeitet, beobachtet, dass ihre Kundschaft die Lage insgesamt gelassen nehme: „Die sind jetzt nicht so besorgt.“ Auch Irmgard J., 92 Jahre alt und seit vielen Jahren in Goldstein zu Hause, hat von dem Todesfall gehört. In ihrem Bekanntenkreis habe niemand von besonderen Vorsichtsmaßnahmen berichtet. Panik gebe es keine; manche Menschen neigten zwar generell zu Übertreibung, sie selbst fühle sich davon aber nicht verunsichert. Für sie persönlich gelte: Man müsse informiert sein, mehr nicht. „Ich bin da unbekümmert“, sagt sie. Ähnlich gelassen äußert sich Claus Schnee. Dass die Insekten trotz einer Entfernung von rund sieben Kilometern zum Flughafen bis nach Schwanheim gelangten, überrascht den 65 Jahre alten Mann. Von großer Angst will Schnee nicht sprechen. „Aber man macht sich schon Gedanken.“
