FAZ 21.09.2026
15:43 Uhr

Mehrere Tote: Warum Pakistan Luftangriffe in Afghanistan fliegt


Pakistan verschärft den militärischen Druck auf das Taliban-Regime im Nachbarland. Dahinter steht ein Streit über den Umgang mit der pakistanischen Terrorgruppe TTP.

Mehrere Tote: Warum Pakistan Luftangriffe in Afghanistan fliegt

Der seit Monaten schwelende Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan ist in der Nacht zum Montag abermals eskaliert. Beide Seiten machten komplett unterschiedliche Angaben zum Geschehen. Das pakistanische Informationsministerium sprach von Luftangriffen auf Verstecke und Rückzugsgebiete von „Terrororganisationen“ im afghanischen Grenzgebiet. Dabei seien 28 „Terroristen“ getötet worden. Die Taliban-Regierung in Kabul teilte dagegen mit, das pakistanische Militär habe zivile Ziele in den Grenzprovinzen Kunar und Paktika angegriffen. Dabei seien zwei Männer und eine Frau getötet worden. Die UN-Mission in Afghanistan meldete den Tod von drei Zivilisten: eines Mannes, einer Frau und eines Mädchens. Nach UNAMA-Angaben wurden in dem Konflikt in den ersten drei Monaten dieses Jahres bereits 372 afghanische Zivilisten getötet, darunter viele Insassen einer Drogenklinik. Qatar und die Türkei wollen vermitteln Der Taliban-Sprecher Zabihullah Mudschahid warf der Militärführung im Nachbarland vor, mit den Angriffen „die Aufmerksamkeit vom eigenen Sicherheitsversagen ablenken“ zu wollen. Pakistan stellte sein jüngstes Vorgehen als Antwort auf mehrere Terroranschläge der vergangenen Tage in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa dar. So waren am Freitag bei einem Bombenanschlag auf Polizisten in der Nähe einer Moschee in Kohat 23 Personen getötet worden. Islamabad wirft den Taliban vor, Kämpfern der pakistanischen Terrorgruppe TTP auf dem eigenen Territorium Rückzugsgebiete zu gewähren. Pakistans De-facto-Herrscher, der Militärchef Asim Munir, steht wegen der eskalierenden Gewalt in Khyber Pakhtunkhwa, Belutschistan und dem pakistanisch verwalteten Teil Kaschmirs unter Legitimationsdruck. Wie nervös die Führung ist, zeigte sich, als eine der führenden Denkfabriken des Landes in diesem Monat eine Sicherheitskonferenz absagen musste, weil ausländischen Teilnehmern die Visa entzogen wurden. Qatar und die Türkei bemühen sich seit Langem, zwischen Pakistan und Afghanistan zu vermitteln, um die Lage zu deeskalieren. Vergangene Woche waren der türkische Geheimdienstchef İbrahim Kalın und der qatarische nationale Sicherheitsberater Hamad bin Khamis al-Kubaisi zu Gesprächen in Kabul. Über Ergebnisse wurde nichts bekannt.